Alltag nach den Ferien

Corona: Wie geht es in den Schulen im Herbst weiter?

Der Präsenzunterricht an den Schulen in Deutschland im Herbst ist ein heiß diskutiertes Thema.
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Der Präsenzunterricht an den Schulen in Deutschland im Herbst ist ein heiß diskutiertes Thema.

Mit einer möglichen vierten Corona-Welle durch die Delta-Variante steigt auch die Sorge um die Schulen. Auf was müssen sich Kinder und Jugendliche einstellen?

Berlin - Immer mehr Experten sind sich einig: Die vierte Corona-Welle steht bevor. Und die Delta-Variante verbreitet sich auch in Deutschland. Doch was bedeutet das für die Schulen? Denn bisher war die Hoffnung groß, dass es auch nach den Sommerferien im Herbst wieder einen „normalen“ Schulalltag für Kinder und Jugendliche geben könnte.

Doch diese frommen Wünsche zerschellten am Wochenende. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hatte in der ARD-Sendung Bericht aus Berlin vorhergesagt, dass im Herbst möglicherweise wieder Maßnahmen an Schulen greifen müssten. Trotz derzeit niedriger Inzidenzen könnten dann auch wieder Wechselunterricht und Maskenpflicht gegen Corona* notwendig sein. Wird der Alltag von Tausenden Kindern und Jugendlichen also nach den Sommerferien wieder auf den Kopf gestellt? Einige Experten befürchten sogar, dass die Kinder erneut die großen Corona-Verlierer sein werden.

Corona: Wechselunterricht, Masken und Tests an Schulen wieder möglich?

Mittlerweile rudert der Gesundheitsminister wieder zurück. Spahn erklärte, seine Äußerungen zu den Corona-Maßnahmen an Schulen seien aus dem Zusammenhang gerissen worden. Wechselunterricht werde nicht angestrebt, stattdessen solle das normale Schulleben so lange wie möglich aufrechterhalten werden, betonte er laut Deutschlandfunk beim Tag der Industrie. Doch wie soll das möglich sein. Laut dpa durch Impfungen für Kinder ab zwölf Jahren, Corona-Tests an Schulen und – je nach örtlicher Höher der Infektionszahlen – Masken. Damit könne der Präsenzunterricht abgesichert werden. Jedoch müsse man „auf alles vorbereitet sein“, so Spahn.

Auch die Kulturministerkonferenz (KMK) tritt für weiteren Präsenzunterricht an Schulen ein. Gegenüber dem Tagesspiegel sagte die Präsidentin der KMK und Bildungsministerin Brandenburgs, Britta Ernst: „Die KMK hat für Präsenzunterricht plädiert, und das sollte nicht vorzeitig in Frage gestellt werden (sic)“. Dem steht der Verband für Bildung (VBE) und Erziehung skeptisch gegenüber. In einer Pressemitteilung wirft der VBE-Bundesvorsitzende Uwe Beckmann der KMK Kurzsichtigkeit vor: „Anstatt jetzt schon langfristige, alternative Szenarien zu besprechen, wird die Möglichkeit einer 4. Welle einfach ignoriert.“

Delta Variante: Präsenzunterricht auf wackligen Beinen

„Geöffnete Schulen haben eine ganz hohe Priorität“, bezog nun auch Regierungssprecher Steffen Seibert Stellung. Doch er knüpft den Präsenzunterricht auch an Bedingungen, denn: Die Entwicklung sei nicht komplett vorauszusehen. „Natürlich ist es nicht auszuschließen, dass es lokal zu größeren Infektionsausbrüchen kommt, auf die dann auch zu reagieren wäre.“ Trotz positiver Entwicklungen könnte die Delta-Variante wieder zahlreiche Infektionen mit sich bringen, sagte Seibert. Wie wichtig geöffnete Schulen sind, hat zuletzt auch eine Studie der Frankfurter Goethe-Universität gezeigt. Laut einem Studienautor sei Distanzunterricht für Kinder und Jugendliche genauso effektiv wie Sommerferien.

Die FDP fordert, die Länder und Kultusminister müssten alles dafür tun, um auch im Herbst Präsenzunterricht möglich zu machen. Thomas Sattelberger, bildungspolitische Sprecher der FDP-Fraktion, betonte, dass dafür ausreichend Schnelltests, eventuelle Nachimpfungen für Lehrkräfte und eine rasche Impfoption für junge Menschen nötig seien. Das berichtet der Deutschlandfunk. Der stellvertretende FDP-Fraktionschef Michael Theurer forderte, die Sommerferien zu nutzen, um Luftfilteranlagen in den Klassenzimmern installieren. Auch SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach* sieht Impfungen als besonders wichtig an. Er twitterte: „Wenn Kindern Impfstoff angeboten würde wäre ein erneutes Schuljahr mit Wechselunterricht und Maske vermeidbar. Auf jeden Fall ist die Infektion mit der Delta Variante für Kinder gefährlicher als die Impfung mit BionTech.“

Schule trotz Corona: Wie wird der Herbst für Kinder und Jugendliche aussehen?

Wie es an den Schulen weitergehen sollte, dazu hat sich auch die Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina geäußert. Sie veröffentlichte eine Stellungnahme mit Empfehlungen. An erster Stelle steht dabei das „Offenhalten von Bildungseinrichtungen“ und das „Ermöglichen eines Präsenzbetriebes“. Außerdem sollen die „digitale Infrastruktur der Bildungseinrichtungen, die Hardwareausstattung, IT-Fachkräfte sowie Aus- und Fortbildung der pädagogischen Fachkräfte und Lehrkräfte“ weiter ausgebaut werden.

An dritter Stelle stehen nachhaltige Sprachförderung, Anpassungen in den Grundschulen um Rückstände in den Kernfächern aufzuholen, sowie zusätzliche Förderinstrumente und -maßnahmen. Aber auch die körperliche Gesundheit von Kindern und Jugendlichen sei wichtig. Hierfür sei der „Ausbau einer bewegungsfördernden Infrastruktur“ unabdingbar. Neben dem körperlichen solle jedoch auch der seelische Aspekt nicht außer Acht gelassen werden. Hierzu seien Fortbildungen und Lehrkräften und pädagogischen Fachkräften nötig. Zudem sollen evidenzbasierte Maßnahmen in der Kinder- und Jugendhilfe ausgebaut werden und die Wartezeit auf einen Therapieplatz verkürzt werden.

Video: Leopoldina mit Empfehlungen für Kinder und Jugendliche in der Coronavirus-Pandemie

Corona-Pandemie und Schulalltag: Aussichten für den Herbst an Schulen

Fest steht also, dass noch nichts feststeht. Präsenzunterricht soll zwar angestrebt werden, doch garantieren möchte ihn niemand. Bleibt die Hoffnung, dass Maßnahmen, wie Maskenpflicht, Corona-Tests und möglicherweise das Impfen, ausreichen, um Kindern und Jugendlichen einen „normalen“ Schulalltag zu ermöglichen. (Sophia Lother) *hna.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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