Corona

Frankfurter Virologe warnt vor „vierter Welle“ – und äußert sich zur „Notbremse“

Ein Frankfurter Virologe schlägt Alarm. Eine „vierte Welle“ könne sich Deutschland seiner Meinung nach nicht leisten. Auch zu Corona-Lockerungen hat er eine klare Ansage.

Frankfurt – Deutschland befindet sich inmitten der dritten Corona*-Welle. Das Robert Koch-Institut vermeldet täglich ansteigende Inzidenzwerte. Das zeigt sich auch in den Daten für Hessen*, wo die landesweite Inzidenz am Mittwoch (14.04.2021) einen Wert von 162 erreichte.*

Nun soll eine Neufassung des Infektionsschutzgesetzes für bundesweit einheitliche Corona-Regeln sorgen*, insbesondere in Städten und Landkreisen, die den Inzidenzwert von über 100 erreichen und überschreiten.* Dort drohen unter anderem Ausgangssperren: In Hessen wären das viele Regionen*. Bundeseinheitliche Regelungen in der Pandemie statt einem „Flickenteppich“ an Maßnahmen seien „überfällig“, betonte Kanzlerin Angela Merkel jüngst. Martin Stürmer, Virologe aus Frankfurt, sieht das ähnlich, wie er dem „Hessischen Rundfunk“ erklärt.

Virologe Martin Stürmer bei „Markus Lanz“. (Archivfoto)

Corona: Frankfurter Virologe äußert sich zu „Notbremse“ in Deutschland

Laborleiter Stürmer betont, dass die Forderung nach der Vereinheitlichung von Regeln bereits seit längerer Zeit von Fachleuten angeführt werde. Er sieht darin zwei entscheidende Vorteile: „Das Regionale wird weiterhin berücksichtigt. Wenn in Bayern die Inzidenz an drei Tagen über 100 liegt, heißt das nicht, dass in Hessen alle Landkreise zu machen müssen. Aber man muss nicht jedes Mal überlegen, wie ein anderes Bundesland die Corona-Regeln interpretiert. Wir haben im Süden genau dasselbe Virus wie im Norden und brauchen auch dieselben Maßnahmen, um es in Schach zu halten.“

Prominente Kollegen Stürmers, wie Christian Drosten von der Charité Berlin*, betonen seit Wochen, dass ein Lockdown nötig sei, um das Coronavirus entscheidend einzudämmen. Inmitten der Bemühungen, sich der Krise entgegenzustemmen, kommt es lokal immer wieder zu Lockerungen. Sogenannte Modellprojekte werden bemüht, beispielsweise in Tübingen (Baden-Württemberg), wo zunächst Maßnahmen gelockert wurden. Anschließend stieg der Inzidenzwert wieder, trotz Teststrategie. Mittlerweile mussten Lockerungen wieder zurückgenommen werden.

Virologe Martin Stürmer. (Archivfoto)

Aber auch in Hessen gibt es derartige Modellprojekte, wie beispielsweise in Baunatal (Landkreis Kassel)* oder Alsfeld (Vogelsbergkreis)*. Dort öffneten die Gastronomie und die Geschäfte. Trotz steigender lokaler Neuinfektionen betont Virologe Stürmer, dass er die Modellprojekte gespalten sehe: Zwar bestehe die Gefahr für neue Hotspots: „Um wirklich zu verstehen, in welchen Bereichen des öffentlichen Lebens Gefahren lauern, muss man solche Modelle aber machen – in kleinem und überschaubarem Rahmen, wenn die Inzidenz konstant unter 100 liegt.“

Der Frankfurter Virologe verweist darauf, dass man nach der dritten Welle wissen müsse, wo man zuerst lockern könne. „Sonst haben wir das gleiche Problem: Wir kommen aus der dritten Welle raus und wissen wieder nicht, wie wir gezielt öffnen können.“

„Eine vierte Welle können wir uns nicht leisten.“

Martin Stürmer, Virologe aus Frankfurt, gegenüber dem „HR“

Corona in Deutschland: Intensivmediziner befürchten Triage in Krankenhäusern

Deutschland könne sich eine „vierte Welle“ der Pandemie nicht leisten. Auch Stürmer verweist, wie viele andere Expertinnen und Experten, auf die dramatische Lage auf den Intensivstationen der Krankenhäuser. Zuletzt wurde unter anderem davor gewarnt, dass bei anhaltender pandemischer Lage in Deutschland, Triage in Betracht gezogen werden müsse. Michael Hallek, Direktor für Innere Medizin am Uniklinikum Köln, befürchtete gegenüber dem „WDR“: „Wenn die Zahlen weiter steigen, ist es noch eine Woche. Weil wir jetzt ja schon Situationen haben, wo wir am Wochenende keine Intensivbetten mehr finden für bestimmte Patienten und dann in Telefonanrufen über mehrere Stunden sie irgendwo im Stadtgebiet versuchen unterzubringen.“

Das Infektionsgeschehen in Deutschland sei ein ganz anderes als noch vergangenen Sommer, betonen Fachleute. Viele Expertinnen und Experten sprechen gar von einer „neuen Pandemie“, da insbesondere die Corona-Mutante B.1.1.7 einen großen Teil der Neuinfektionen ausmache. Zwei Forschungsteams haben die „britische Variante“ kürzlich untersucht – und verblüffendes festgestellt*. (tu) *fr.de, fnp.de, hna.de und giessener-allgemeine.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Stürmer/privat/dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.