Corona-Pandemie

Virologe warnt junge Menschen vor Corona-Impfstoffen – und hofft auf neues Vakzin

Virologe Ulf Dittmer rät jungen Frauen von den Corona-Impfungen mit Astrazeneca und Johnson & Johnson ab. Die Kosten-Nutzen-Berechnung hinsichtlich einer Thrombose lasse keine Empfehlung der beiden Impfstoffe zu. (Symbolbild)
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Virologe Ulf Dittmer rät jungen Frauen von einer Corona-Impfungen mit Astrazeneca und Johnson & Johnson ab. Die Kosten-Nutzen-Berechnung hinsichtlich einer Thrombose lasse keine Empfehlung der beiden Impfstoffe zu. (Symbolbild)

Der Virologe Ulf Dittmer rät besonders jungen Frauen von einer Astrazenca-Impfung ab. Zu hoch sei die Thrombose-Gefahr.

Kassel/Essen – Die sinkenden Fallzahlen in Deutschland und die fortschreitende Impfkampagne geben in Zeiten der Corona-Pandemie Grund zur Hoffnung. Zu den aktuellen Entwicklungen hat sich nun Professor Ulf Dittmer, Leiter der Virologie am Uniklinikum in Essen, gegenüber der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung geäußert. Unter anderem rät er vor allem jungen Frauen davon ab, sich mit Vektorimpfstoffen wie Astrazeneca oder Johnson & Johnson gegen das Coronavirus impfen zu lassen. Er empfiehlt dahingehend, auf einen baldigen weiteren mRNA-Impfstoff zu warten.

In der Vergangenheit kam es immer wieder zu Vorwürfen: Wissenschaftler hätten die Infektionszahlen dramatisiert, um bestimmte Ziele zu erreichen. So sei von zahlreichen Experten ein heftiger Anstieg der Corona-Neuinfektionen angekündigt worden. Dies sei allerdings nicht eingetreten. Dittmer selbst habe einige Prognosen „für übertrieben gehalten in dieser Situation“, äußert er sich im Interview mit der WAZ.

Virologe Dittmer kritisiert Spahns Vorgehen in Corona-Pandemie

Computergestützte Hochrechnungen bezüglich der Entwicklung der Infektionszahlen seien dem Virologen zufolge dennoch wichtig. Allerdings würden diese Schwächen aufweisen, so Dittmer. Man könne die Prognosen nicht „eins zu ein übertragen und sagen, das ist das [Ergebnis], was wir in drei Wochen haben werden. Das ist zu simpel“, mahnt der Virologe. Warnsignale seien dennoch notwendig, „man dürfe es allerdings nicht übertreiben“.

Virologe Ulf Dittmer im Interview. (Archivfoto)

Auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) erhielt für sein Vorgehen jüngst heftige Kritik. Er hatte angeregt, den Abstand zwischen den Corona-Impfungen von Astrazeneca zu verkürzen. Dittmer spricht sich ebenfalls gegen eine Verkürzung der Zeiträume aus.

Die Zulassungsstudien des britisch-schwedischen Herstellers hatten gezeigt, dass ein idealer Impfschutz gewährleistet wird, wenn der Abstand zwischen den Impfungen bei neun bis zwölf Wochen liegt. Dieser Zeitraum sollte laut Dittmer „unbedingt eingehalten werden.“ Wird der Abstand etwa auf vier Wochen reduziert, sinke der Schutz vor einer Erkrankung um bis zu 20 Prozent. Der Schutz vor einer Corona-Infektion allgemein sinke dem Experten zufolge deutlich stärker. Damit könnten sich Geimpfte dennoch infizieren und das Virus weitertragen. „Meiner Ansicht nach eine ganz schlechte Idee“, kritisiert Dittmer und rät von einer Verkürzung des Abstands eindringlich ab.

Corona-Impfung mit Astrazeneca: Virologe erwartet Zunnahme von Thrombose-Fällen

Die Priorisierung für den Impfstoff von Astrazeneca wurde aufgehoben – im Juni dann offenbar auch für den Corona-Impfstoff von Johnson & Johnson. Dementsprechend wollen sich immer mehr junge Menschen die Vektorimpfungen verabreichen lassen. Ulf Dittmer erwartet eine Zunahme der Thrombose-Fälle. „Es wird weitere Fälle geben. Die Kopfvenenthrombose ist mit diesem Impfstoff assoziiert. Da braucht man nicht drum herumzureden“, so der Virologe. Das gelte auch für den Impfstoff von Johnson & Johnson.

Für ältere Menschen oder Risikogruppen spreche eine Kosten-Nutzen-Abwägung eindeutig für eine Impfung mit einem Vektorimpfstoff von Astrazeneca oder Johnson & Johnson. Insbesondere für junge Frauen sei eine Impfung mit einem der beiden Vakzine allerdings nicht empfehlenswert, betont Dittmer im WAZ-Interview. In dieser Gruppe würde es kaum mehr schwere Covid-19-Verläufe als Kopfvenenthrombosen geben.

Corona-Impfstoff von Astrazeneca nicht für junge Frauen empfohlen

Dennoch sei der Impfstoff von Astrazenca ein guter Impfstoff und „quasi genauso wirksam wie die RNA-Impfstoffe“, so Dittmer. „Aber er hat eben diese Problematik, die bei jüngeren Menschen auftritt.“

Hoffnung gebe seiner Meinung nach die zu erwartende Zulassung des Corona-Impfstoffs von Curevac. Inzwischen werde bereits an der Produktion von Millionen Impfdosen gearbeitet. „Ich hoffe, dass wir möglichst schnell einen weiteren RNA-Impfstoff in Deutschland am Start haben“, spricht sich Dittmer zuversichtlich hinsichtlich der möglichen EU-Zulassung Ende Juni aus. Den könnten dann auch jüngere Menschen verstärkt bekommen. (kas)

Video: Biontech, Astrazeneca, Moderna, Johnsohn & Johnson – Corona-Impfstoffe im Vergleich

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