Pandemie in Deutschland

Dritte Welle gebrochen? Was im Kampf gegen Corona jetzt wichtig ist

In Deutschland sinken die Corona-Zahlen und die dritte Welle scheint gebrochen zu sein. Aber wie lassen sich weitere Neuinfektionen in Zukunft verhindern?

Kassel - Am 20. März hat es zuletzt bundesweit binnen sieben Tagen weniger als 100 Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner gegeben. Nun wurde diese Schwelle seitdem erstmals wieder unterschritten: Das Robert Koch-Institut (RKI) meldet am Freitag (14.05.2021) eine Sieben-Tage-Inzidenz von 96,5. Doch ist die dritte Welle damit schon gebrochen?

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sagte schon Anfang Mai, dass die dritte Infektionswelle bekämpft werden konnte. Zuversichtlich zeigt sich auch Virologe Christian Drosten und äußerte bereits eine hoffnungsvolle Corona-Prognose im Hinblick auf den diesjährigen Sommer. Er betont aber auch, dass das Virus uns noch weiterhin begleiten wird. Damit die Pandemie in Deutschland nicht wieder außer Kontrolle gerät, äußern einige Experten wichtige Punkte.

Dritte Welle scheint gebrochen: Die wichtigsten Punkte im Kampf gegen Corona

Die Corona-Impfkampagne ist laut RKI-Chef Lothar Wieler der Schlüssel, um eine gewisse Immunität in der Bevölkerung herbeizuführen, wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtet. Mehr als ein Drittel der Menschen in Deutschland haben schon eine erste Impfung erhalten - 10,6 Prozent sind bereits vollständig geimpft (Stand: 14.05.2021). Nach den Erstimpfungen ist der Schutz vor dem Virus allerdings noch nicht stark ausgeprägt, weshalb diese Personen für das Infektionsgeschehen noch nicht irrelevant werden, sagte Wieler. Die Impfquote trage aber dazu bei, dass die Reproduktionszahl, also der Wert der durchschnittlichen Ansteckungen, gedrückt wird.

Laut Wieler müssten mehr als 80 Prozent der Menschen immun sein, also vollständig geimpft oder bereits genesen und einmal geimpft, damit weitestgehend auf Maßnahmen und Corona-Regelungen verzichtet werden kann. Allerdings sieht die Ständige Impfkommission (Stiko) noch Lücken bei den Impfungen von älteren Personen sowie Vorerkrankten. Laut Epidemiologe André Karch ist es nun an der Zeit, gefährdete Menschen mit dem Angebot zu erreichen, die sich nicht selbst um eine Impfung bemühen.

Corona: Steigende Impfungen und geltende Maßnahmen können vierte Welle verhindern

Auch die geltenden Maßnahmen spielen aus Expertensicht eine wichtige Rolle, um die Pandemie weiter in den Griff zu bekommen und eine vierte Welle zu verhindern. Ein schlagartiges Aufgeben würde nur dazu führen, dass sich das Virus wieder rasant verbreitet. Ein besonderes Augenmerk muss dabei auf die hochansteckenden Corona-Mutationen gerichtet werden. Wieler betont, dass ein mit der britischen Variante B.1.1.7 Infizierter ohne Maßnahmen in einer nicht immunen Bevölkerung im Schnitt circa vier weitere Personen ansteckt. Die Infektionen würden schließlich wieder in kürzester Zeit in die Höhe schnellen - da reiche auch die bisherige Impfquote nicht aus. Mit zunehmenden Impfungen könnten aber einzelne Maßnahmen langsam zurückgenommen werden.

Doch was passiert, wenn sich immer mehr neue Corona-Mutationen entwickeln und ausbreiten? Bislang konnten Wissenschaftler auf der Welt einige Virus-Varianten mit besorgniserregenden Eigenschaften beobachten - darunter die brasilianische, die südafrikanische und die indische Mutante. Drosten sieht derzeit allerdings eine veränderte Lage und Hoffnung durch die Impfkampagnen. „Wir können dagegen animpfen. Wir sind nicht mehr so wehrlos wie letztes Jahr um diese Zeit“, sagte der Virologe.

Die dritte Corona-Welle scheint in Deutschland gebrochen zu sein. Im Freien könnte es daher schon bald mehr Angebote und Möglichkeiten geben, unter anderem Öffnungen der Außengastronomie.

Gutes Wetter gegen Corona-Wellen: Ist draußen bald wieder mehr möglich?

Sogar das Wetter hat eine besondere Bedeutung: Je wärmer die Temperaturen, desto mehr Zeitverbringen die Menschen im Freien und besser gelüfteten Räumen. Das kann dazu beitragen, dass das Virus etwas ausgebremst wird. Einige Experten gehen davon aus, dass durch einen schönen Sommer eine Verringerung der Reproduktionszahl um bis zu 0,5 möglich ist.

Unter freiem Himmel dürfte also aufgrund der aktuell sinkenden Inzidenzen in nächster Zeit in Deutschland wieder mehr stattfinden können, beispielsweise Restaurant- und Cafébesuche. Musik-Fans müssen sich bei Festivals und Konzerten jedoch wohl noch einige Zeit gedulden. Das Verbot vom Großveranstaltungen dient weiterhin als Schutz vor Masseninfektionen, denn völlig verschwinden wird das Coronavirus noch lange nicht. Entwicklungen in manch anderen Ländern zeigen sogar, dass die Fallzahlen auch in warmen Monaten wieder steigen können. (Alina Schröder)

Rubriklistenbild: © Tom Weller

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