Kampf gegen Pandemie

Entgegen Stiko-Empfehlung: Gesundheitsminister wollen allen Jugendlichen Corona-Impfung anbieten

In Estland werden bereits Kinder ab 12 Jahre gegen Corona geimpft. In Deutschland soll das auch bald möglich sein.
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In Estland werden bereits Kinder ab 12 Jahre gegen Corona geimpft. In Deutschland soll das auch bald möglich sein.

Auffrischungsimpfungen und niedrigschwellige Angebote für Jugendliche - die Konferenz der Gesundheitsminister der Länder will neue Wege in der Impfkampagne gehen.

  • Die Gesundheitsminister der Länder haben Drittimpfungen von besonders vulnerablen Gruppen beschlossen (siehe Update vom 2. August, 18.37 Uhr)
  • Zudem sollen Kinder und Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren mit niedrigschwelligen Angeboten zum Impfen bewegt werden. (siehe Update vom 2. August, 18.28 Uhr)
  • Die Konferenz würde damit nicht der Empfehlung der Stiko widersprechen, so der Vorsitzende der Gesundheitsminister der Länder, Klaus Holetschek.

Update vom 2. August, 18.37 Uhr: Der verabschiedete Beschluss zu den Drittimpfungen sieht außerdem vor, dass diese zunächst Höchstbetagte, Pflegebedürftige sowie Patientinnen und Patienten mit Immunschwäche oder Immunsuppression erhalten sollen. Dies gilt zum einen für Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeheimen und anderen Einrichtungen, wo erneut mobile Teams zum Einsatz kommen sollen. Berechtigte, die zu Hause wohnen, sollen die Auffrischungsimpfungen durch ihre behandelnden Ärztinnen und Ärzte angeboten bekommen. In allen Fällen soll die Auffrischungsimpfungen frühestens sechs Monate nach der erstmaligen Herstellung des vollständigen Impfschutzes erfolgen.

Für die Zwölf- bis 17-Jährigen wurde beschlossen, diesen generell auch in Impfzentren oder auch mit anderen niedrigschwelligen Angeboten Corona-Schutzimpfungen anzubieten. Voraussetzung ist eine entsprechende ärztliche Aufklärung sowie die Zustimmung auch der Eltern oder anderer Sorgeberechtigter. "Dies kann zu einem sichereren Start in den Lehr- und Lernbetrieb nach den Sommerferien beitragen", heißt es in dem Beschluss.

"Auch 12- bis 17-jährige Kinder und Jugendliche, die sich nach ärztlicher Aufklärung für eine Impfung entscheiden, können sich und andere mit einer Impfung schützen" erklärte dazu Spahn. "Deshalb ist es gut, dass die Länder auch dieser Altersgruppe möglichst niedrigschwellig ein Impfangebot machen wollen."

Entgegen Stiko-Empfehlung: Gesundheitsminister wollen Impfangebot auch an Jugendliche machen

Update vom 2. August, 18.28 Uhr: Die Entscheidung sei einstimmig zustande gekommen, bekräftigt der Vorsitzende der Gesundheitsminister der Länder, Klaus Holetschek, auf einer kurzen Pressekonferenz nach den Beratungen. Es sei keine Impfpflicht, sondern ein Angebot, betont er. Weniger umstritten sei der Punkt der Auffrischungs-Impfungen gewesen, hier habe eine Einigung schnell geklappt.

Bei den Impfungen von Kindern und Jugendlichen zwischen 12 und 17 werde es künftig weiterhin ein Impfangebot geben, das gehe mit den Empfehlungen der Stiko einher. Empfohlen ist eine Impfung von der Stiko weiterhin nur für die vulnerablen Gruppen. Die Gesundheitsminister wollen so wohl vermehrt Jugendliche und Kinder zum Impfen bewegen. Rechtlich verändert sich wohl aber erst einmal nicht viel. Es soll aber niederschwellige Angebote in den Schulen geben. Dazu werden die Konzepte aber noch ausgearbeitet.

Update vom 2. August, 18.19 Uhr: Die Gesundheitsminister der Länder haben in Einvernehmen mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn den Start von Corona-Auffrischungsimpfungen für Risikogruppen sowie flächendeckende Impfangebote für Jugendliche und Kinder ab zwölf Jahren beschlossen. Die Entscheidungen erfolgten einstimmig, wie nach der Gesundheitsministerkonferenz am Montagabend mitgeteilt wurde. Spahn begrüßte die zusätzlichen Angebote auch für Minderjährige.

Gesundheitsminister tagen: Corona-Impfung bald auch für Jugendliche? Stiko zögert weiter

Update vom 2. August, 17.15 Uhr: Die Beratungen der Gesundheitsminister der Länder dauern noch an. Die für 17.15 Uhr angesetzte Pressekonferenz verschiebt sich deshalb auf mindestens 18 Uhr, so die Ankündigung.

Erstmeldung vom 2. August: Berlin - Erst gab es zu wenig Impfstoff, dann, im Frühling, nahm die Kampagne* an Fahrt auf. Doch seit einigen Wochen stockt die Zahl der Impfungen gegen das Coronavirus* in Deutschland wieder. Kreative Angebote sollen Abhilfe schaffen. Aber auch die Impfung von jungen Erwachsenen und vor allem Jugendlichen und Kindern rückt wieder in den Fokus.

Pünktlich zum Schulstart nach den Sommerferien in den ersten Bundesländern ist der Corona-Schutz der Kinder wieder ein wichtiges Thema. Der Vorsitzende der Länder-Gesundheitsminister, Klaus Holetschek aus Bayern, sagte am Montag in der ARD vor Beratungen der Ressortchefs mit dem Bund, es gelte, dieses Angebot noch einmal deutlich zu machen. „Es ist jetzt wichtig, dass wir auch keine Zeit versäumen.“

Gesundheitsminister tagen: Jugendliche sollen auch in Impfzentren geimpft werden

Vorab war bereits ein Entwurf für ein Beschlusspapier durchgesickert*. Nach dem Vorschlag des Bundes sollen in allen Ländern Impfungen für Kinder zwischen 12 und 17 Jahren auch in Impfzentren angeboten werden. Beraten werden sollte außerdem über Angebote zu Auffrischungs-Impfungen für erste Bevölkerungsgruppen.

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller befürwortete Angebote für Kinder ab 12 Jahren. Obwohl die Ständige Impfkommission (Stiko) hier noch zögere, seien viele Ärzte und Wissenschaftler der Ansicht, dass eine Impfung junge Menschen deutlich besser schütze, sagte er in der ARD. In der Hauptstadt sei zu sehen, dass die 15- bis 25-Jährigen eine doppelt bis vierfach so hohe Inzidenz aufwiesen wie andere Bevölkerungsgruppen. Darauf zu reagieren und ein Angebot zu machen, das keine Pflicht sei, halte er für „sehr sachgerecht“.

Video: Corona-Impfung von Kindern soll Schul-Alltag erleichtern

Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA hatte im Mai den Impfstoff von Biontech/Pfizer* ab 12 Jahren zugelassen, vor wenigen Tagen folgte auch eine Freigabe für Moderna*. Für Deutschland empfiehlt die Stiko die Impfungen trotz politischen Drucks bisher aber nicht allgemein für Kinder und Jugendliche, sondern nur bei einem höheren Risiko für schwerere Corona-Verläufe* - etwa wegen Erkrankungen wie Diabetes. Nach ärztlicher Beratung sind sie in individueller Entscheidung von Eltern und Kindern aber möglich. Laut Bundesgesundheitsministerium wurden bis zum Wochenende rund 900.000 Kinder zwischen 12 und 17 geimpft. (dpa/fmü) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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