Pandemie

Begann die Corona-Pandemie doch im Labor? US-Präsident Joe Biden ordnet Untersuchung an

Wo liegt der Ursprung von Corona? Einem US-Bericht zufolge soll es Hinweise auf einen Labor-Unfall in Wuhan geben. Biden will diese Frage jetzt klären lassen.

Update vom 27.5.2021, 09.15 Uhr: US-Präsident Joe Biden hat die amerikanischen Geheimdienste beauftragt, dem Ursprung der Corona-Pandemie auf den Grund zu gehen. Die bisherigen Untersuchungen hätten unterschiedliche Einschätzungen ohne abschließende Folgerungen geliefert, hieß es am Mittwoch in einer schriftlichen Stellungnahme Bidens. Daher habe er die Geheimdienste angewiesen, ihre Bemühungen zu verstärken und binnen 90 Tagen einen weiteren Bericht dazu vorzulegen. China reagierte darauf mit heftigem Protest.

Biden offenbarte, dass das Szenario eines möglichen Laborunfalls in China - ein Vorwurf, den sein Vorgänger Donald Trump lautstark verbreitet hatte - zumindest in Teilen des US-Geheimdienstapparates für möglich gehalten wird. Das derzeit grassierende Coronavirus war Ende 2019 in der zentralchinesischen Stadt Wuhan erstmals nachgewiesen worden. Seit langem kursieren unbelegte Mutmaßungen, es könne aus einem dortigen Labor stammen und durch einen Unfall freigesetzt worden sein.

China sprach nach Bidens Ankündigung von einer Verschwörungstheorie. „Die Verleumdungskampagne und die Schuldzuweisungen kehren zurück“, sagte ein Sprecher der chinesischen Botschaft in Washington. „Die Suche nach dem Ursprung - eine Sache der Wissenschaft - zu politisieren, wird es nicht nur schwerer machen, die Herkunft des Virus zu finden, sondern auch dem „politischen Virus“ freien Lauf lassen und die internationalen Kooperation in der Pandemie ernsthaft behindern.“

Laut einem US-Bericht soll der Ursprung der Corona-Pandemie doch in einem Labor-Unfall in Wuhan liegen. Präsident Joe Biden ordnet eine Untersuchung des Geheimdienstes an.

War das Coronavirus ein schrecklicher Unfall? US-Präsident Biden will diese Frage jetzt klären

China unterstütze eine umfassende Studie aller frühen Covid-19-Fälle weltweit und eine Untersuchung „einiger geheimer Stützpunkte und biologischer Labors überall in der Welt“, sagte der Sprecher. Er spielte damit möglicherweise auf unbewiesene Hypothesen aus Peking an, wonach das Virus aus einem Labor des US-Militärs in Fort Detrick oder anderswo entsprungen und von Teilnehmern der Militärweltspiele im Oktober in Wuhan eingeschleppt worden sein könnte.

China hatte zuvor schon einen Bericht des Wall Street Journal dementiert, wonach drei Wissenschaftler des Instituts für Virologie in Wuhan im November 2019 so schwer erkrankten, dass sie im Krankenhaus behandelt werden mussten. In dem Institut wurde an Coronaviren geforscht. Bidens Regierung hatte früher schon weitere Untersuchungen gefordert. Allerdings gibt Biden der Laborunfall-These nun Raum und forciert die Suche nach Antworten.

US-Präsident Biden erklärte, er habe schon im März einen Geheimdienstbericht in Auftrag gegeben - inklusive der Frage, ob das Coronavirus durch menschlichen Kontakt mit einem infizierten Tier oder einen Labor-Unfall aufgekommen sein könnte. Diesen Bericht habe er inzwischen. Innerhalb des Geheimdienstapparates gebe es unterschiedliche Einschätzungen. Die Dienste sollten nun weitere Informationen sammeln, „die uns einer endgültigen Schlussfolgerung näherbringen könnten“.

Diese vorsichtige Formulierung lässt auch die Möglichkeit offen, dass es definitive Antworten womöglich nie geben wird. Biden beklagte, dass in den ersten Monaten der Corona-Pandemie - also noch unter Trump - US-Inspektoren keinen Zugang vor Ort bekommen hätten.

Corona-Ursprung in Labor in Wuhan? Brisanter US-Geheimdienstbericht veröffentlicht

Erstmeldung vom 26.05.2021, 10.48 Uhr: Der amerikanische Gesundheitsminister Xavier Becerra hat eine baldige Fortsetzung der internationalen Untersuchung über den Ursprung von Corona gefordert. Die zweite Phase der Untersuchung müsse unter transparenten Rahmenvorgaben laufen, forderte Becerra bei der Jahrestagung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) am Dienstag in Genf. Die Experten brauchten völlige Unabhängigkeit, um den Ursprung des Virus und den Beginn des Ausbruchs zu untersuchen. 

Die USA hatten die Qualität der ersten Untersuchung in Zweifel gezogen. Sie warfen China ungebührliche Einflussnahme auf die daran beteiligten internationalen Experten vor. Diese waren nach monatelanger Verzögerung durch China erst Anfang des Jahres in die chinesische Stadt Wuhan gereist, in der das Virus Ende 2019 erstmals nachgewiesen wurde. 

Coronavirus doch aus Labor in Wuhan? China weist Anschuldigungen zurück

China hat eine weitere Anschuldigung bereits zurückgewiesen, wonach drei Wissenschaftler des Instituts für Virologie in Wuhan im November 2019 wegen Corona in ein Krankenhaus gekommen waren. Es handele sich um eine „komplette Lüge“, zitierte die chinesische Staatszeitung Global Times den Chef des Wuhaner Instituts, Yuan Zhiming, am Montag.

Zuvor hatte das Wall Street Journal unter Berufung auf einen US-Geheimdienstbericht geschrieben, dass drei Mitarbeiter des Instituts im November 2019 so schwer erkrankt seien, dass sie im Krankenhaus behandelt werden mussten. Der bisher angenommene Start des Ausbruchs wird auf Dezember 2019 terminiert. Ein Ausbruch im November 2019 würde also einen deutlich früheren Start bedeuten.

Labor-Unfall in Wuhan? WHO will nun weitere Untersuchungen zum Ursprung von Corona anstellen

Während sich der ehemalige US-Präsident Donald Trump bereits sicher ist, dass die Corona-Pandemie im Wuhaner Institut begann, forderte die Administration von Joe Biden weitere Untersuchungen zum Ursprung des Virus. Die Weltgesundheitsorganisation WHO war in einer im März vorgelegten Studie zu dem Schluss gekommen, dass das Coronavirus außer in Fledermäusen auch in Schuppentieren seinen Ursprung haben könnte.

Die WHO will die Untersuchungen nun fortsetzen. Kritiker argwöhnen auch, China habe großen Einfluss auf die Endversion des Berichts genommen, in dem ein Ursprung in einem Labor in China als „extrem unwahrscheinlich“ bezeichnet wurde.

Usprung des Coronavirus: Besserer Datenaustausch soll weitere Pandemien verhindern

Becerra setzte sich auch für einen besseren Datenaustausch unter Ländern aus, um Warnhinweise auf mögliche Pandemien wie die Corona-Pandemie früh erkennen zu können. Den von Deutschland und etwa zwei Dutzend anderen Ländern geforderten Pandemievertrag, der Länder unter anderem zu mehr Austausch verpflichten soll, erwähnte er nicht. Die USA gelten wie Russland und China nicht als Befürworter eines neuen Regelwerks, das Verpflichtungen enthält.

Die WHO erforscht also weiter den Ursprung der Corona-Pandemie. Neue Erkenntnisse legen nun nahe, dass gefrorenes Fleisch eine erhebliche Rolle gespielt haben könnte. (luw/dpa)

Rubriklistenbild: © Evan Vucci/dpa

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