Neue Regeln zu den Herbstferien

Corona: Reisebeschränkungen innerhalb Deutschlands - zahlreiche Bundesländer reagieren auf Hotspots

Der Großteil Europas ist aus deutscher Sicht wieder zu Corona-Risikogebieten mutiert. Doch auch innerhalb der Grenzen gibt es längst wieder Hotspots. Darauf reagieren zahlreiche Bundesländer.

  • Viele Länder und Regionen in Europa sind zu Corona-Risikogebieten erklärt worden.
  • Innerhalb Deutschlands wurden zur den Herbstferien ebenfalls Reiseeinschränkungen beschlossen.
  • Doch eine Sache an den Regelungen stößt zahlreichen Spitzenpolitikern sauer auf.

München - Der Oktober ist der Monat der Herbstferien. Landauf, landab bietet sich damit für Familien mit schulpflichtigen Kindern die Möglichkeit auf ein paar gemeinsame Tage. Die oft fern von zu Hause, vom Schmuddelwetter, verbracht werden wollen. In der Corona-Pandemie* läuft das selbstredend ein bisschen anders. Da die meisten europäischen (Urlaubs-)Länder wegen der steigenden Infektionszahlen komplett oder zumindest in Teilen zu Risikogebieten erklärt worden sind, droht bei der Rückkehr eine Quarantäne.

Die Lösung sind Reisen innerhalb der Bundesgrenzen. Doch auch Heimaturlaube könnten für Bürger aus manchen Regionen mittlerweile in einem Dasein in Isolierung münden. Heißt: Statt Städte, Berge, Burgen oder Seen könnten höchstens die Wände der Bleibe bewundert werden. Nämlich in Schleswig-Holstein und Rheinland-Pfalz. Diese beiden Bundesländer haben Einreisebeschränkungen mit Quarantäneregeln und Pflichttests für Reisende aus innerdeutschen Corona-Hotspots beschlossen.

Reiseeinschränkungen für Corona-Hotspots: Berliner Stadtteile und NRW-Städte betroffen

Als besonders betroffen von der Pandemie gelten die Berliner Bezirke Friedrichshain-Kreuzberg, Mitte, Neukölln und Tempelhof-Schöneberg sowie die nordrhein-westfälischen Städte Hamm und Remscheid und der Landkreis Vechta in Niedersachsen. Wer hier zu Hause ist, muss bei seinen Urlaubsplanungen also offenbar deutlich mehr Zeit zur Verfügung haben.

Denn hinzu kommt: Baden-Württemberg, Bayern, Brandenburg, Hamburg, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und das Saarland haben Beherbungsverbote für Gäste aus Risikogebieten erlassen. Diese könnten nur mit einem negativen Corona-Test umgangen werden, der nicht älter als 48 Stunden ist. Mecklenburg-Vorpommern hat sogar ein Einreiseverbot für Bürger aus den Corona-Hotspots verhängt - auch hier hilft nur ein negativer Test, der spätestens 48 Stunden vor dem Urlaub gemacht wurde.

Reisen in Corona-Zeiten: In Europa gibt es wieder zahlreiche Risikogebiete.

Reiseeinschränkungen für Corona-Hotspots: Altmaier und Oppermann wünschen sich Einheitiichkeit

Dieser in den Landesregierungen geknüpfte Flickenteppich, der noch dadurch verfeinert wird, dass in manchen Bundesländern Berlin als ganze Stadt gewertet und daher nicht als Risikogebiet angesehen wird, schmeckt vielen Politikern überhaupt nicht. Auch in höchsten Regierungskreisen. Wirtschaftsminister Peter Altmaier moniert in der Bild: „Ich glaube, dass es inzwischen so eine große Zahl regionaler und länderspezifischer Regelungen gibt, dass es für den einzelnen Bürger immer schwerer wird, das zu durchschauen und zu erkennen.“

Der Wunsch des CDU*-Politikers und ehemaligen Chefs des Kanzleramts lautet: „mehr Einheitlichkeit im Vorgehen, das gilt dann für Berlin-Kreuzberg genauso wie für Gütersloh oder Hamm“. Zustimmung findet er bei der SPD*. Bundestagsvizepräsident Thomas Oppermann fordert sich im Spiegel „eine bundesweit einheitliche Regelung, auf die sich alle Bundesländer einigen“. Er spricht von einem „Rückfall in Kleinstaaterei“, der „für Verunsicherung“ sorge und „die Akzeptanz der Corona-Regeln“ gefährde.

Reiseeinschränkungen für Corona-Hotspots: Ramelow spricht von „falschem Signal“

Noch einen Schritt weiter geht Bodo Ramelow von den Linken*. Der Ministerpräsident von Thüringen, das als eines von nur vier Bundesländern noch vollkommen frei bereist werden kann, sagt in dem Nachrichtenmagazin: „Reisebeschränkungen im Inland sind das falsche Signal und nicht hilfreich.“

So sieht es auch Alexander Dobrindt. Der CSU*-Landesgruppenchef ist der Meinung, „dass es überzogen ist, wenn wir in der jetzigen Phase, in der wir uns befinden, mit Reiseeinschränkungen arbeiten“. Allerdings will der einstige Verkehrsminister diese auch nicht vollkommen ausschließen, fände es jedoch sinnvoller, „wenn wir uns da auf ein gemeinsames Vorgehen verständigen könnten“.

Urlaubszeit in Deutschland: Während der Herbstferien können wohl nicht alle Bürger unbeschränkt verreisen. (Symbolbild)

Reiseeinschränkungen für Corona-Hotspots: Herbstferien laufen in einigen Bundesländern schon

Dobrindt sieht durchaus theoretische Möglichkeiten, um bei einem Hotspot in deutschen Städten oder Landkreisen Reisemöglichkeiten einzuschränken. Dies dürfe aber nicht zum Regelfall werden.

Die Kritik am neuen Corona-Regel-Dschungel eint also viele Parteien. Sicher ist nur: Die Zeit drängt. In Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein sind bereits seit Montag (5. Oktober) Herbstferien, eine Woche später ziehen sieben weitere Bundesländer nach - darunter auch die von den Reisebeschränkungen nach aktuellem Stand betroffenen Berlin, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Und: Neben der Bundeshauptstadt steuert auch Frankfurt bei der Zahl der Corona-Infektionen auf die nächste Warnstufe* zu. (mg, dpa) *merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

Rubriklistenbild: © CHRISTIAN CHARISIUS/dpa

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