Abgeordnete lesen Gesetz nicht durch

Costa Rica führt unabsichtlich Homo-Ehe ein

San José - Einen Fauxpas leisteten sich konservative Abgeordnete von Costa Rica. Sie stimmten einem Gesetz zu, ohne es durchzulesen. Jetzt hat das Land in Mittelamerika die Homo-Ehe.

Wer einem Gesetz ohne es durchzulesen zustimmt, bekommt womöglich etwas anderes, als er gedacht hat. Diese Erfahrung haben gerade konservative costaricanische Abgeordnete gemacht, die am Donnerstagabend ein Gesetz zu Ehe und damit verbundenen Rechten durchwinkten. Am Freitag merkten sie dann, dass der Text an einem entscheidenden Punkt gegenüber dem Entwurf geändert worden war: Wurde Ehe in der ersten Fassung ausschließlich als Gemeinschaft von Mann und Frau definiert, bezog sich die verabschiedete Version auf „soziale Rechte und Vorteile einer zivilen Gemeinschaft, frei von Diskriminierung“.

Als sie merkten, dass sie damit der Einführung der Homo-Ehe in dem mittelamerikanischen Land zugestimmt haben könnten, baten sie Präsidentin Laura Chinchilla, das Gesetz nicht zu unterzeichnen. Die lehnte ab und unterschrieb, womit es rechtskräftig wurde. Der konservative Abgeordnete Justo Orozco von der Costaricanischen Christlichen Erneuerungspartei sagte, er wolle mit anderen Parlamentariern das Gesetz anfechten. „Das Gesetz verstößt gegen das Familienrecht und die Verfassung“, sagte er.

Die kuriosesten Gesetze aus aller Welt

Die kuriosesten Gesetze aus aller Welt

Die Änderung war von einem Abgeordneten der linksgerichteten Partei Frente Amplio, José Villalta, eingebracht worden. Das Gesetz sei einstimmig verabschiedet worden. „Das Problem ist, dass es Abgeordnete gibt, die nicht lesen, worüber sie abstimmen“, sagte er.

Unterdessen beantragte ein Anwalt, Yashin Castrillo, nach der Unterzeichnung der Präsidentin beim Verfassungsgericht, dass seine Partnerschaft mit seinem Freund im Sinne des neuen Gesetzes anerkannt wird. Homo-Ehen sind weltweit in mehr als einem Dutzend Staaten zugelassen, in Lateinamerika bisher nur in Argentinien und Mexiko.

AP

Rubriklistenbild: © dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.