Gefährliches Nervengift: Die Droge Crystal Meth lässt den Körper rasend schnell altern

Crystal Meth im Schweiger-Tatort: Überglücklich in die Hölle

Sieht aus wie grobkörniges Salz: die Droge Crystal Meth. In Deutschland ist sie vor allem in Sachsen und Bayern verbreitet. Foto: dpa

Im neuen Hamburger Tatort mit Til Schweiger (Sonntag, 20.15 Uhr, ARD) wird es neben vielen Leichen auch um eine gefährliche Droge gehen: Crystal Meth. Das Methamphetamin macht schnell abhängig und ist ein Nervengift, welches dem Körper langfristige Schäden zufügt:

Für einen Augenblick hat man alles – um es dann, was „es“ auch sein mag, für immer zu verlieren.

Es sind Worte, die eine dramatische Bedeutung haben. Niemandem wünscht man, dass einem alles genommen wird, was einem lieb war – und doch gibt es Menschen, denen genau das widerfährt. Wie einem jungen Mädchen, das in dem Sachbuch „Crystal Meth“ des Bayreuther Suchtmediziners Roland Härtel-Petri und des Journalisten Heiko Haupt seine Geschichte erzählt.

Synthetisches Suchtmittel

Lesen Sie auch

- Schweiger-"Tatort" mit antisemitischem Song?

- Neuer Schweiger-Tatort: Harte Thrillerkost mit Folgen

Eine Geschichte, die von Drogen bestimmt ist: Crystal Meth ist ein synthetisches Suchtmittel, welches vor allem in Bayern und Sachsen, den angrenzenden Bundesländern zu Tschechien, verbreitet ist. Im Nachbarland wird die Droge hergestellt, die als günstig gilt: Ein Gramm kostet in Tschechien zwischen 25 bis 40 Euro. Zudem soll sie wesentlich stärker wirken als Ecstasy oder Speed. Das liegt daran, dass das Methamphetamin (siehe Hintergrund unten) verhältnismäßig schnell eine hohe Konzentration im Körper und besonders im Gehirn erreicht. Je schneller und stärker aber eine Substanz dort ankommt, desto höher ist das Abhängigkeitspotenzial.

Das entsteht auch durch das Gefühl, das sich bei den Abhängigen einstellt: Sie spüren Glück, welches unangenehmere Empfindungen wie Müdigkeit, Hunger, aber auch Angst und Schmerz vollkommen unterdrückt. Das beschreibt auch das Mädchen in dem Sachbuch: Crystal habe ihr wundervolle Momente geschenkt.

Zweifel werden unterdrückt

Was die synthetische Droge mit ihrem Körper macht, realisieren die Abhängigen nicht mehr. Kurzfristig kann es zu Herzrasen und Halluzinationen kommen – so fühlen sich viele Abhängige zum Beispiel permanent beobachtet – langfristig wird der Körper durch das Nervengift zerstört: Man altert rapide, die Zähne können ausfallen, Hirnschäden auftreten. Die Chancen, die Schäden zu heilen, sind gering.

Den typischen Konsumenten gibt es nicht: Partygänger schnupfen die Droge ebenso wie Mütter, die den Alltag mit den Kindern bewältigen wollen. Auch Workaholics greifen darauf zurück, um im Job Höchstleistungen zu bringen.

In Deutschland gab es durchaus Zeiten, in denen Hunger- und Schmerzgefühl nicht brauchbar waren: 1938 verteilte die Wehrmacht die Droge unter dem Namen Pervitin, um die Soldaten leistungsfähig zu machen. Aber auch unter Zivilisten war das Mittel, welches in Apotheken zu kaufen war, beliebt.

Vor allem wegen der körperlichen Schäden will die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler (CSU), entschlossen gegen Crystal Meth angehen. „Das Problem ist vor allem eines in der Grenzregion“, sagte ein Sprecher des Bundesministeriums für Gesundheit, „dort ist es aber sehr massiv.“ Deshalb gebe es Gespräche mit den dortigen Kollegen, um das Problem in den Griff zu bekommen.

Das Mädchen aus Härtel-Petris und Haupts Buch möchte die Droge ebenfalls bekämpfen. Mittlerweile habe sie ihren dritten Anlauf gestartet, um von der Sucht loszukommen. Die Erfahrung mit Crystal Meth beschreibt sie als Höllenqual. (mit dpa) Einen Tatort-Vorbericht lesen Sie auf der Fernsehseite.

Crystal Meth

Der offizielle Name der synthetischen Droge Crystal Meth ist N-Methylamphetamin. Das ist ein starkes Psychostimulans auf Amphetamin-Basis. Hierzulande wird die Droge in fast kristalliner Form konsumiert, daher die Bezeichnung „Crystal“. Meist wird sie geschnupft, die Droge kann aber auch geraucht, gespritzt und geschluckt werden. Hergestellt wird sie in Drogenlaboren, hauptsächlich in Tschechien, aber auch in Deutschland.

Laut Bundeskriminalamt (BKA) wurden 2012 insgesamt 24 Rauschgiftlabore sichergestellt. Die Zahl erstauffälliger Crystal-Konsumenten hat 2012 mit 2556 Personen erstmals die der Heroinkonsumenten übertroffen (2090). 2012 starben laut BKA-Drogenstatistik 16 Personen an den Folgen von Crystalkonsum. (cow/dpa)

Schlagworte zu diesem Artikel

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.