Handlungsfähigkeit gestärkt: Jugendämter dürfen Pflegeeltern Kinder entziehen

Göttingen. Jugendämter dürfen Pflegekinder auch ohne vorherige Rücksprache und Zustimmung der Pflegeeltern aus einer Pflegefamilie wieder herausnehmen. Das ergibt sich aus zwei Entscheidungen des Amtsgerichts Hildesheim und des Verwaltungsgerichts Göttingen.

Eine Pflegemutter aus dem Landkreis Hildesheim hatte die Gerichte angerufen, um sich gegen den Landkreis Osterode zur Wehr zu setzen. Das dortige Jugendamt hatte drei ihrer Pflegekinder ohne jegliche Absprache mit ihr aus dem Kindergarten abgeholt und in anderen Pflegefamilien untergebracht.

Die drei aus dem Landkreis Osterode stammenden Kinder im Alter zwischen zwei und vier Jahren waren auf Vermittlung des Albert-Schweitzer-Familienwerks in Uslar in die Pflegefamilie gekommen. Nach der Aufnahme des dritten Kindes häuften sich die Konflikte mit den Behörden.

Das Jugendamt Hildesheim bemängelte, dass die Klägerin nicht ausreichend qualifiziert sei. Außerdem versuche sie, Kontakte der Pflegekinder zu ihren leiblichen Eltern und Geschwistern zu verhindern. Diese ablehnende Haltung gegenüber den Herkunftsfamilien könne die seelische Entwicklung der Kinder beeinträchtigen.

Jugendamt holte Kinder ab

Das Jugendamt Osterode holte daraufhin nach vorheriger Absprache mit den Erzieherinnen die drei Kinder aus dem Kindergarten ab und brachte sie in anderen Pflegefamilien unter. Die Behörde begründete die Herausnahme der Kinder damit, dass sich deutliche Belastungen und Auffälligkeiten im Pflegesystem der Klägerin gezeigt hätten. Außerdem sei ihr Haushalt in der Vergangenheit polizeilich wegen häuslicher Gewalt aufgefallen.

Die Pflegemutter beantragte daraufhin beim Amtsgericht Hildesheim, die sofortige Rückkehr der Pflegekinder anzuordnen. Das Familiengericht wies jedoch die Anträge als unbegründet zurück. Es sei nicht festzustellen, dass durch die Herausnahme das Kindeswohl gefährdet sei. Gleichzeitig zog die Pflegemutter vor das Verwaltungsgericht Göttingen, um sich gegen das Vorgehen des Landkreises Osterode zu wehren. Die Richter wiesen die Klage jedoch als unzulässig zurück.

Die Unterbringung von Kindern in Pflegefamilien fuße auf Bestimmungen des Zivilrechts. Da kein öffentlich-rechtliches Vertragsverhältnis zwischen der Pflegemutter und dem Landkreis Osterode bestehe, sei das Gericht für diesen Fall letztlich nicht zuständig (Aktenzeichen 2 A 94/11). (pid)

Von Heidi Niemann

Rubriklistenbild: © dpa/Symbolbild

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.