Ein Porträt in Stichworten

Darum ist Familienministerin Manuela Schwesig so erfolgreich

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Für das Gesetz zur Frauenquote muss Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) harsche Kritik von Arbeitgebern und Union einstecken. Doch sie ist erfolgreich. Hier lesen Sie, warum.

Ab dem Jahr 2016 müssen die 100 größten Unternehmen in Deutschland jeden dritten Aufsichtsratsposten mit einer Frau besetzen. Die Quote kommt. Beherrscht haben die Debatte darüber persönliche Angriffe auf Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (40, SPD), die das Gesetz durchsetzte. Die Anwürfe reichen von „Küsten-Barbie“ (Bild-Zeitung), „Märkische Gouvernante“ (n-tv) bis „weinerlich“ (Volker Kauder, CDU).

Drei Gründe, warum die Person Schwesig provoziert. Sie ist telegen: Als die Ministerposten der großen Koalition verteilt wurden, war Manuela Schwesig als einzige von Anfang an gesetzt. Frau, jung, aus dem Osten - damit verleiht sie der SPD ein frisches, zeitgemäßes Image, und das kommt der überalterten Partei gelegen. Schwesig sei telegen, sagen die Genossen. Wenn die 40 Jahre alte, schlanke, blonde Ministerin einen Hosenanzug trägt, dann ist der knallrot. Die Bild-Zeitung schreibt: „Sie sieht, auch wenn man das ja nicht mehr schreiben sollte, tatsächlich gut aus.“ Die Brandenburgerin ist eine der neuen Politikerinnen, die wie Julia Klöckner (CDU) oder Sahra Wagenknecht (Linke) modisch auftreten und gleichzeitig selbstsicher argumentieren. Damit muss manch konservativ-hemdsärmeliger Macho in ihrer und in anderen Parteien noch umzugehen lernen.

Sie hat keinen Stallgeruch: Die gelernte Finanzbeamtin war gerade fünf Jahre Mitglied der SPD, als sie 2008 Sozialministerin in Mecklenburg-Vorpommern wurde, nochmal fünf Jahre später Bundesfamilienministerin - eine Turbo-Karriere. Im Osten Deutschlands ist Manuela Schwesig das Gesicht der SPD. Gefördert wurde die Mutter eines siebenjährigen Sohnes von Peer Steinbrück und Frank-Walter Steinmeier.

Seilschaften und Kungelrunden sind Schwesigs Sache nicht. Die stellvertretende SPD-Vorsitzende prescht vor, auch ohne sich vorher Verbündete zu suchen, sagen Skeptiker. Vorgeworfen wird ihr, keine Erfahrung zu haben und in ihrem Ministerium alles an sich zu ziehen. Statt Klüngelei pflegt die Sozialdemokratin Medienauftritte, was die Partei pragmatisch sieht. „Wer von uns sollte den Job denn sonst machen?“, zitiert die „Welt“ einen SPD-Spitzenmann. Sie ist hartnäckig: Flops lassen Schwesig unbeeindruckt. Mit ihren Ideen, dass Eltern nur 32 Stunden pro Woche arbeiten oder bei Wahlen mehrere Stimmen bekommen sollten, sorgte sie für Heiterkeit. Darüber geht sie hinweg. Das Betreuungsgeld hat sie nicht wie angekündigt abgeschafft, aber neben der Quote auch das Elterngeld-Plus und die Familienpflegezeit durchgesetzt. Das ist mehr, als ihre Vorgängerin vorweisen konnte, die ebenfalls junge und blonde, aber glücklose Kristina Schröder (37, CDU).

Der Gesetzentwurf 

Mehr Frauen in die Führungsetagen großer Unternehmen: Ab 2016 soll bei der Neuwahl von Aufsichtsräten voll mitbestimmungspflichtiger und börsennotierter Unternehmen eine Frauenquote von mindestens 30 Prozent gelten. Betroffen sind 114 Großunternehmen. Wird die Quote nicht erreicht, bleiben die Stühle im Aufsichtsrat frei. Rund 3500 börsennotierte oder mitbestimmungspflichtige Unternehmen müssen sich ab 2015 verbindliche Zielgrößen für die Erhöhung des Frauenanteils im Aufsichtsrat, Vorstand und in den obersten Management-Ebenen setzen. Die ersten Zielgrößen sind bis 2017 zu erreichen. Sanktionen sind aber nicht vorgesehen.

Das sagen die Unternehmen:

Bei den Arbeitgeberverbänden stößt die gesetzliche Frauenquote auf Ablehnung, die Unternehmen in der Region äußern sich verhalten.

K + S:

„Wir bekennen uns zur Chancengleichheit von Männern und Frauen“, sagt Sprecher Michael Wudonig. K + S wolle den Anteil der Frauen in Führungspositionen bis 2020 um 30 Prozent steigern. Starre Quotenregelungen erachte man aber „nicht für sinnvoll“.

SMA:

„Der Anteil an weiblichen Mitarbeitern bei SMA lag am Ende des dritten Quartals 2014 unternehmensweit bei 25,6 Prozent“, sagt Sprecherin Susanne Henkel. Ziel sei es, dass der Anteil der weiblichen Führungskräfte den Anteil an Mitarbeiterinnen in den jeweiligen Bereichen spiegele. Dafür setzt SMA unter anderem auf Mentorenprogramme. Eine direkte Stellungnahme zur gesetzlichen Quote gab das Unternehmen nicht ab.

Sartorius:

Von den weltweit rund 6000 Mitarbeitern sind 35 Prozent Frauen. Führungspositionen sind zu 20 Prozent von Frauen besetzt, im Aufsichtsrat sind es 25 Prozent, sagt Sprecherin Petra Kirchhoff. Frauenförderung sei ein relevantes Thema, eine gesetzliche Regelung schränke aber den Handlungsspielraum des Unternehmens ein.

KWS:

„Der Anteil an Frauen in Führungspositionen, also diejenigen, die Personalverantwortung tragen, liegt bei 26 Prozent“, sagt Sprecherin Mandy Schnell. Dies beziehe sich auf Vorstand und Aufsichtsrat, wie auch auf zentrale Funktionen bei KWS.

Von Tatjana Coerschulte

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