Islamwissenschaftler Bodenstein über Muslime, das St.-Martin-Fest und eine Umbenennung

Umbennenung des St.-Martin-Festes „wenig sinnvoll“

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Kassel. Der Linken-Vorsitzende aus NRW, Rüdiger Sagel, hatte die Umbenennung des St.-Martin-Festes gefordert, später aber von einem Missverständnis gesprochen. Über dieses Thema sprachen wir mit dem Islamwissenschaftler Mark Chalil Bodenstein.

Herr Bodenstein, was halten Sie von dem Vorschlag, das Fest umzubenennen?

Mark Chalil Bodenstein: Ich halte das für wenig sinnvoll. Bei dem Fest geht es darum, die Tat des Teilens zu feiern. Auch wenn das Fest aus dem Christlichen kommt: Beim Islam steht die Solidarität ebenso im Vordergrund. Da spielt es letztendlich keine Rolle, wie das Fest heißt. Abgesehen davon könnten sich an dieser Namensgebung zum Beispiel genauso gut Atheisten stören. Die werden aber überhaupt nicht erwähnt.

Was glauben Sie, wie die Muslime diese Forderung finden?

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Bodenstein: Es wird jetzt suggeriert, dass die Muslime etwas gegen St. Martin haben. Zum einem stimmt das nicht, zum anderen ist diese Äußerung für die Muslime nicht positiv: In der Außenwirkung versteht sich diese Forderung jetzt so, dass man den Muslimen entgegenkommen möchte, ihnen Zugeständnisse macht. Das haben sie aber nicht gefordert, dennoch sind sie nun unfreiwillig in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt . Das ist für das Zusammenleben nicht förderlich.

Warum nicht?

Bodenstein: Durch diese Forderungen werden Ängste geschürt: Was ist mit Weihnachten, soll das demnächst auch umbenannt werden? In Zusammenhang gebracht wird das mit den Muslimen, die sich wahrscheinlich nie einen einzigen Gedanken um die Namensgebung von Sankt Martin gemacht haben.

Was wären Ihrer Meinung nach hilfreiche Vorschläge, um das Zusammenleben zu verbessern?

Bodenstein: Der Ausbau des islamischen Religionsunterrichtes in den Schulen könnte zum Beispiel schneller vorangetrieben werden. Auch könnten in Kindergärten und Schulen, in denen das Zusammenleben größtenteils problemlos ist, je nach Schülerschaft neben den christlichen Festen auch einige aus anderen Kulturen und Religionen begangen werden. Generell ist das Bewusstsein dafür geweckt worden, dass in Deutschland nicht alle christlich sind, sondern dass es eine religiöse Pluralität gibt. Mittelfristig bin ich guter Dinge, dass das Zusammenleben der verschiedenen Religionsgemeinschaften kein Problem mehr darstellt. Ausgrenzungsprobleme gibt es natürlich trotzdem, die sind aber eher genereller und weniger religiöser Natur. 

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