HNA-Meinung

Kommentar zur Debatte um die aktive Sterbehilfe: "Beistehen statt töten"

Düsseldorf. Aktive Sterbehilfe, also die Tötung auf Verlangen, ist in Deutschland verboten, trotzdem wird viel darüber diskutiert. Nun steht eine Gesetzesreform an, im Bundestag ist eine schwierige Ethikdebatte zu erwarten. Tibor Pézsa, Leiter der HNA-Nachrichtenredaktion, kommentiert das Thema.

Machen wir uns nichts vor: Wenn ein Mensch nur noch zu leiden scheint, dann finden viele es sinnvoll, dass er von seinem Leiden erlöst wird, dass er abgeräumt wird, dass er stirbt - als ob ein Mensch nur so weit lebensberechtigt wäre, wie es ihm gut geht. Der Schritt von hier aus zu einer mehr oder weniger aktiven Sterbehilfe ist nur kurz. Aber mit Blick auf unser Verhältnis zu unserem Leben und zum Tod ist es ein unermesslicher, ein gewaltiger Schritt.

„Lebensunwertes Leben“ nannten die Nazis das Leben von Behinderten, die sie mithilfe von Ärzten systematisch ermorden ließen. Instinktiv spüren wir hier das Vermessene, das Bösartige und das Zynische. Und das nicht etwa, obwohl die Opfer krank oder behindert waren, sondern weil sie es waren.

Denn ein Mensch, der krank ist und leidet, braucht unseren Schutz und unseren Beistand - aber sicher nicht anschwellenden Zweifel an seinem Lebenssinn. Lassen wir uns nicht einreden, wir seien weniger wert, wenn wir krank oder schwach werden.

Gewiss: Es gibt monströse Krankheiten, es gibt erschütterndes Leid. Es gab jenen bei vollem Bewusstsein gelähmten Mann, der jahrelang darum prozessierte, endlich sterben zu dürfen. Aber so ein Schicksal ist nicht die Regel.

Die Regel scheint zu sein, dass wir Leidende ausgrenzen, statt ihnen beizustehen. Dass wir leben, als komme es auf Spaß oder Schmerz an, aber nicht auf Mitmenschlichkeit und Liebe. Und dass wir nicht mehr spüren, dass unser Leben und das der Anderen kein guter oder schlechter Deal ist, sondern ein Geschenk von Anfang bis Ende

E-Mail an den Autor: tpa@hna.de

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