Interview mit Hundetrainerin Britta Waldmann

Auf den Hund gekommen: Anschaffung eines Vierbeiners genau überlegen

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Der treue Freund des Menschen: Künftige Hundebesitzer sollten sich vor dem Kauf eines Vierbeiners genau informieren.

Die neuesten Trends auf dem Haustiermarkt präsentieren an diesem Wochenende 250 Aussteller bei der Messe „Hund und Pferd“ in Dortmund. Im Interview sagt Hundetrainerin Britta Waldmann aus Staufenberg, dass viele Produkte eher für den Besitzer als für das Tier gemacht sind.

Die Zahl der Hunde ist in den letzten zwölf Jahren von fünf auf 7,6 Millionen gestiegen. Sind Hunde heute ein Trendaccessoire?

Britta Waldmann: Nein, das kann ich nicht sagen. Nur weil es ein Trend ist, schaffen sich die wenigsten Menschen ein Tier an. Die Gründe sind sehr unterschiedlich. Hunde dienen zum Beispiel zunehmend als Kind- oder Partnerersatz. Viele suchen jemanden, der sie bedingungslos liebt, und das bringen Hunde, zumindest die meisten, nun einmal mit sich.

Die Geschäfte sind voll mit Spielzeugen, Kuscheldecken und zahlreichen Futtersorten. Was braucht ein Hund?

Waldmann: Wenn man sich einen Welpen anschafft, braucht man eigentlich erstmal nur eine Decke oder ein Körbchen, damit er weiß, wo sein Platz ist. Außerdem braucht man Führgeschirr und Leine, später vielleicht auch ein Halsband. Und natürlich Hundefutter sowie Kotbeutel, um die Hinterlassenschaften zu beseitigen. Um zu verhindern, dass er Schuhe oder Stuhlbeine anknabbert, sollte man ihm etwas zum Kauen anbieten.

Was braucht der Hund nicht?

Waldmann: Erst neulich habe ich im Tiergeschäft Spezialfutter für Stadthunde gesehen. Das Futter soll antioxidativ wirken, also dabei helfen, die Abgase besser zu verarbeiten. Da habe ich wirklich gedacht „Herr im Himmel“. Auch das ganze Spielzeug ist hauptsächlich für die Menschen gemacht. Das braucht man nicht unbedingt.

Wie finde ich heraus, ob ich als Hundehalter geeignet bin?

Waldmann: Erstmal muss man sich überlegen, wie viel Zeit man überhaupt für den Hund hat. Wenn ich voll berufstätig bin und meinen Hund acht Stunden oder länger allein lassen muss, dann sollte das ein ausschlaggebender Punkt sein, sich keinen Hund anzuschaffen. Vielleicht gibt es in der Nachbarschaft einen Hund, den man ausführen kann. Da bekommt man auch ein Gefühl dafür, ob ein Tier das Richtige für einen ist.

Gibt es viele Leute, die sich völlig blauäugig einen Hund anschaffen?

Hundetrainerin Britta Waldmann

Waldmann: Nein, das kann man nicht sagen. Neue Hundebesitzer lesen Bücher, gucken im Internet und schauen sich Sendungen wie „Der Hundeflüsterer“ im Fernsehen an. Bei vielen erlebe ich aber, dass sie am Anfang sehr euphorisch sind. Sie überlegen sich vorher, wo er schläft, was er darf und was er nicht darf. Aber wenn der Hund dann da ist, sehen sie, dass die Wirklichkeit anders aussieht. Der Hund setzt die Themen. Das sorgt bei vielen Besitzern erstmal für Ernüchterung, manchmal sogar für eine Krise.

Wie viel Zeit muss man in einen Hund investieren?

Waldmann: Das kommt auf den Hund an. Zwei Stunden täglich sollte man aber einplanen.

Was ist der größte Irrtum in der Hundeerziehung?

Waldmann: Sie kommen nach Hause und Sie sehen, dass der Hund wieder im Bett war, obwohl er es nicht darf. Ihn dann zu bestrafen, bringt absolut nichts. Er weiß in diesem Moment nicht, worum es geht. Hunde können eine Handlung, die sie ausführen, nur dann mit einer Konsequenz - sei es Belohnung oder Bestrafung - verknüpfen, wenn sich das Ganze innerhalb von etwa einer Sekunde abspielt. Das wissen viele Hundehalter nicht.

Waren unsere Tiere früher ohne die vielen Hundebücher schlechter erzogen?

Waldmann: Nein, das bestimmt nicht. Früher wurde viel mehr aus dem Bauch heraus gehandelt. Schlechter war das auf keinen Fall. Der Hund hat früher aber eine ganz andere Funktion erfüllt. Er war nicht immer und überall dabei, sondern hat beispielsweise den Hof bewacht und ist dann abends, wenn er Glück hatte, eine Runde an der Leine gegangen. Da gab es insgesamt viel weniger Momente, in denen es zu Konflikten mit anderen Leuten oder Hunden hätte kommen können.

Zur Person

Britta Waldmann (42) betreibt seit 2009 eine Hundeschule im niedersächsischen Staufenberg. Die Hundetrainerin bildet sich seit 2003 in zahlreichen Seminaren im Bereich der Hundeerziehung und Ausbildung weiter. Zudem engagiert sie sich für Hunde aus Süd- und Südosteuropa und arbeitet im Auslandstierschutz. Waldmann lebt in Staufenberg, ist verheiratet und hat eine Tochter.

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