Ein Kommentar

"Der Kampf um Worte" - Jens Nähler über die schwarze Nacht von Paris

Twitter kann auch andere Zeichen setzen: #NousSommesUnis drückt die Verbundenheit mit den Franzosen aus.

Soziale Medien wie Twitter zeigen in Nächten wie diesen, warum sie so wichtige und schnelle Netzwerke sind. Aber nicht alles, was dort zu lesen ist, ist auch zu ertragen. Ein Kommentar von Jens Nähler, Leiter der Online-Redaktion.

Freiheit macht das aus, worüber sich Europa definiert. "Die feigen Mörder", sagt Bundeskanzlerin Angela Merkel, "hassen die Freiheit." Jenen Wert, der hier auch das Recht auf freie Rede bedeutet. In der schwarzen Nacht von Paris hat sich gezeigt, dass dieses wertvolle Gut manchmal nur schwer zu ertragen ist.

Es ist Twitter, auf dem dies nach den Anschlägen schmerzvoll demonstriert wird. Unschlagbar in Sachen Schnelligkeit hat sich der Kurznachrichtendienst einmal mehr als beste Informationsquelle in akuten Krisensituationen bewährt. #Paris - dieser Hashtag geht um die Welt und mit ihm neben Nachrichten auch unzählige Beleidsbekundungen, Trauer, Entsetzen, Gedenken im Netz. Für viele ist es schwer, Worte zu finden. Sie drücken sich in geteilten Bildern und Symbolen aus, das eindrucksvollste von ihnen ein in ein Peace-Zeichen integrierter Eiffelturm. Es ist die schockierte, fast sprachlose Mehrheit. Sie ist mächtig. Und wichtig.

Bei anderen wünschte man, sie würden schweigen. Mehr noch: Man möchte ihnen das Wort verbieten, es gar abschneiden. Es sind die, deren Tweets sich wie Krankheitserreger unter die Beiträge der Trauernden mischen. Geschmacklose Witze, gedankenlose Ignoranz, rassistische Hetze - auch allgemein gegen Flüchtlinge - und jubelnde IS-Unterstützer. Jedes Wort eines zuviel.

Eine Demokratie muss das ertragen, verhindern kann sie es nicht. Das können auch Twitter oder Facebook nicht. Aber die Netzwerke wie die Behörden müssen jene konsequent verfolgen, die gegen die Verfassung, gegen das geltende Recht sprechen. Und dies deutlich konsequenter und effektiver, als das bisher der Fall ist. Nicht nur, um deutsche Bürger zu schützen. Sondern auch die, die genau vor solchen Menschen fliehen, die für die Anschläge in Paris verantwortlich sind und als Heimatlose unseren Schutz benötigen. 

Terror darf nicht das letzte Wort sein. Das letzte Wort ist Freiheit. Verteidigen wir sie - auch im Netz.

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.