DB: Die Bahncard bleibt

Muster der Bahncards 2003 auf dem Ostbahnhof in Berlin: Nach monatelanger Kritik am neuen Tarifsystem hatte die DB die Bahncard 50 damals zurückgeholt. Foto: dpa

Berlin. Die Deutsche Bahn dreht an ihrem Geschäftsmodell im Fernverkehr.

Angesichts eines schärfere werdenden Wettbewerbs und Umsatzeinbußen im Fernverkehr soll dem DB-Vorstand dem Aufsichtsrat am kommenden Mittwoch verschiedene Szenarien für Änderungen an der Preisstruktur und am Zugangebot vorstellen. Entschieden werde dann noch nichts, hieß es gestern. Zuvor hatten Meldungen des HR für Aufsehen gesorgt, die Bahn plane die Abschaffung der Bahncard.

Das wies die DB-Zentrale umgehend als „dreiste Falschmeldung“ zurück. In einer kurzfristig angesetzten Telefon-Pressekonferenz sagte Personenverkehr-Vorstand Ulrich Homburg am Nachmittag: „Es gibt keine Abschaffung der Bahncard.“ Überlegt werde aber, die Karten mit 50 und 25 Prozent Rabatt „sinnvoll zu ergänzen“. Nicht jeder finde es attraktiv, bei der Bahncard vor der ersten Fahrt eine größere Summe für das Recht auf Rabatt bezahlen zu müssen.

Dass die Bahn im Fernverkehr sparen und die Kosten bis 2019 um 1,5 Milliarden Euro senken will, wurde nicht dementiert. Das Management um Bahnchef Rüdiger Grube ist mächtig unter Druck. Sinkende Spritpreise machen das Autofahren derzeit wieder günstiger. Mit den Fernbussen, die auf einem jungen Markt mit teils ruinösen Preisen um Anteile kämpfen, hat die Bahn neue Konkurrenz bekommen.

Die Fernbusse könnten die Bahn nach früheren DB-Angaben in diesem Jahr bis zu 120 Millionen Euro Umsatz kosten, mittelfristig sogar 240 Millionen. Im ersten Halbjahr 2014 war der Umsatz der Bahn im Fernverkehr um 1,6 Prozent auf rund 1,98 Milliarden Euro zurückgegangen. Der Betriebsgewinn sank im Vergleich von 167 Millionen in der Vorjahresperiode um ein Viertel auf 123 Millionen Euro. Insgesamt hatte die Bahn ihren Konzernumsatz im Vergleich zur ersten Jahreshälfte 2013 um 1,9 Prozent auf 19,7 Milliarden Euro gesteigert.

Was die von Bahnvorstand Homburg angeführte „sinnvolle Ergänzung der Bahncard“ heißen könnte, hatte der HR aus dem vertraulichen Bahnpapier ebenfalls zitiert: Die Bahncardkönnte auch zum Kundenkonto umgemodelt werden, das Rabatte für Großkunden und Vielfahrer einräumt - abhängig von der Auslastung eines Zuges und vom individuellen Kundenumsatz, heißt es dort.

Um neue Kunden zu gewinnen, gibt es tatsächlich Planspiele, der Rabattkarte weitere Funktionen zu verpassen: Für Erste-Klasse-Bahncards etwa lässt sich eine Kredtikartenfunktion zuschalten. Das ließe sich auf weitere Mobilitätsangebote, etwa Carsharing, ausweiten.

Hintergrund: Gestartet vor 22 Jahren 

Die Bahncard ist unter den Möglichkeiten, bei Reisen im Zug zu sparen, nur eine Möglichkeit unter anderen.

• Eingeführt wurde das Rabatt-Kärtchen 1992 - mit zunächst 50 Prozent Nachlass auf den Normalpreis der 2. Klasse. Zu haben war die Bahncard damals für 220 DM, Senioren und junge Leute zahlten die Hälfte.

• 2002 und 2003 löste ein neues Preissystem der Bahn mit Änderungen an der BahnCard heftige Proteste aus. Die Bahn wollte damals Frühbucher mit Preisnachlässen belohnen. Auf die BahnCard sollte nur noch 25 statt 50 Prozent Rabatt gewährt werden.

•Nach Querelen und wütenden Protesten führte die Bahn im Sommer 2003 die alte Bahncard mit der 50-Prozent-Rabattkarte wieder ein. Jetzt kostete die Bahncard 50 schon 200 Euro (2. Klasse), für die Bahncard 25 waren 50 Euro fällig.

• Mittlerweile haben nach DB-Angaben rund 1,5 Millionen Kunden die Bahncard 50 (2. KLasse: 255 Euro, ab 15. Dezember) und 3,5 Millionen die Bahncard 25 (2. Klasse: 62 Euro, ab 15. Dezember) in der Tasche.

• Tipp: Richtige Sparfüchse kündigen die Bahncard beim Kauf sofort wieder. Dann läuft sie nur ein Jahr - ohne die sonst übliche automatische Verlängerung. Wer nach dem Jahr eine neue Karte will, kauft sie sich dann erst wieder bei Antritt der nächsten Fahrt - und kündigt gleich wieder. (wrk)

Von Wolfgang Riek

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