Prozess wird fortgesetzt

Deutsche Journalistin Tolu hofft auf Ausreise aus der Türkei

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Die ehemals in der Türkei inhaftierte Deutsche Mesale Tolu steht an der Anlegestelle in Karaköy. Der Journalistin und Übersetzerin droht weiterhin Gefängnis. Foto: Linda Say

Die deutsche Journalistin Mesale Tolu ist nicht mehr in U-Haft, darf die Türkei aber nicht verlassen. Reporter ohne Grenzen nennt Tolu eine "eine politische Geisel der türkischen Regierung".

Istanbul (dpa) - Die in der Türkei unter Terrorverdacht angeklagte deutsche Journalistin und Übersetzerin Mesale Tolu hofft auf eine baldige Ausreise mit ihrem Sohn.

"Ich hoffe natürlich, dass meine Meldepflicht und meine Ausreisesperre aufgehoben werden", sagte die 33-Jährige der Deutschen Presse-Agentur vor der Fortsetzung ihres Prozesses am Donnerstag in Istanbul. "Ich würde packen und dann sobald wie möglich nach Deutschland ausreisen, in meine Heimat."

Besonders für ihren dreijährigen Sohn - für den in Ulm ein Kindergartenplatz reserviert sei - wolle sie ein stabiles Umfeld in Deutschland, sagte Tolu. "Ich möchte, dass er in Sicherheit ist und einen normalen Alltag leben kann." Tolu, die ausschließlich die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt, war im vergangenen Jahr fast acht Monate lang in der Türkei inhaftiert gewesen.

Reporter ohne Grenzen (ROG) forderte die türkische Justiz auf, "das Ausreiseverbot gegen Tolu aufzuheben und die konstruierten Vorwürfe gegen die Journalistin endlich fallenzulassen". ROG-Geschäftsführer Christian Mihr sagte: "Solange Tolu das Land nicht verlassen darf, bleibt sie eine politische Geisel der türkischen Regierung."

Mihr kritisierte "die beispiellose Verfolgung kritischer Journalisten" in der Türkei. Deren Lage habe sich seit der Freilassung des "Welt"-Korrespondenten Deniz Yücel im Februar nicht verbessert. Auf der in dieser Woche veröffentlichten Rangliste der Pressefreiheit von ROG ist die Türkei auf Rang 157 gefallen. Der EU-Beitrittskandidat liegt damit hinter Ruanda und Weißrussland.

Die Staatsanwaltschaft wirft Tolu, ihrem mitangeklagten Ehemann Suat Corlu und 25 weiteren Beschuldigten Terrorpropaganda und Mitgliedschaft in einer Terrororganisation vor. Die Angeklagten weisen das zurück. Im Dezember war Tolu nach massivem Druck der Bundesregierung aus der Untersuchungshaft entlassen worden. Das Gericht verhängte aber eine Ausreisesperre, Tolu muss sich jede Woche bei der Polizei melden. Auch ihr Ehemann darf nicht ausreisen. Mit einem Urteil wird am Donnerstag nicht gerechnet.

Im vergangenen Jahr war es wegen der Inhaftierung von Tolu, Yücel und dem Menschenrechtler Peter Steudtner zu einer schweren Krise zwischen Berlin und Ankara gekommen. Als letzter von diesen drei Gefangenen wurde im Februar Yücel freigelassen. Immer noch sitzen aber mehrere Deutsche nach Angaben des Auswärtigen Amtes aus politischen Gründen in der Türkei in Haft. Yücel und Steudtner konnten nach der Freilassung ausreisen.

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