Anschlag in Afghanistan

Getötete Kaufunger Kriegsfotografin: Schütze war ein Polizist

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Kam in Afghanistan ums Leben: Die Kaufunge Kriegsfotografin Anja Niedringhaus (48). 

Kabul/Kaufungen. Unvermittelt eröffnete der afghanische Polizist das Feuer: Einen Tag vor der Präsidentenwahl ist die preisgekrönte Kaufunger Kriegsreporterin Anja Niedringhaus erschossen worden. Sie begleitete einen Wahlkonvoi. Die 48-jährige hatte ihren Wohnsitz in Oberkaufungen.

Die US-Nachrichtenagentur Associated Press bestätigte inzwischen den Tod ihrer langjährigen Mitarbeiterin. Die mit Niedringhaus reisende kanadische AP-Reporterin Kathy Gannon wurde demnach bei dem Beschuss in der Provinz Chost am Freitag verwundet - ihr Zustand ist aber offenbar stabil.  

Lesen Sie auch:

- Artikel aus 2005: Kaufunger Fotografin Niedringhaus erhält Pulitzer-Preis

- Externer Link: Magazin "The Atlantic" mit Niedringhaus' Fotografien

- Regiowiki: Eintrag zu Anja Niedringhaus

- Externer Link: Interview mit Niedringhaus auf Spiegel Online (2005)

Artikel aktualisiert um 14.20 Uhr.

Ein anwesender freier Mitarbeiter von AP Television habe berichtet, beide Reporterinnen hätten auf dem Rücksitz in einem Wagen in einem Wahlkonvoi gesessen, als ein Polizist mit den Worten "Allahu Akbar" (Gott ist Groß) das Feuer auf sie eröffnet habe. Der Todesschütze, der eine Polizeieinheit befehligt haben soll, wurde festgenommen und wird nach Angaben des Innenministeriums derzeit verhört.

Anja Niedringhaus wurde in Höxter geboren und studierte in Göttingen. Sie war oft in Kaufungen (Kreis Kassel), wo ihre Schwester zu Hause ist. Dort war Niedringhaus selbst bis zuletzt gemeldet. Auch in Kassel und Hann. Münden hatte sie ihre Fotos ausgestellt und Vorträge gehalten.

Eines der Bilder, für die Anja Niedringhaus bekannt war und ausgezeichnet wurde: eine bewaffnete Verkehrskontrolle in Afghanistan im Jahr 2002.

Die Taliban - die Angriffe auf die Wahlen angekündigt haben - wiesen jede Verantwortung für den Mord zurück. Inzwischen hat sich auch die Bundesregierung in den Fall eingeschaltet. Die deutsche Botschaft in Kabul sei "mit Nachdruck um Aufklärung bemüht", sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes in Berlin.

Das Journalistenzentrum Deutschland zeigte sich bestürzt über den Tod von Niedringhaus.

Prämiert: Pulitzer-Preisträgerin 2005

Die beiden Reporterinnen waren zur Berichterstattung über die afghanische Präsidentenwahl an diesem Samstag nach Chost gereist. Der von afghanischer Armee und Polizei gesicherte Konvoi, in dem sie unterwegs waren, lieferte laut AP Wahlzettel an Wahllokale aus. Nach Angaben eines Polizeisprechers handelte es sich bei dem Schützen um den Kommandeur eines Checkpoints.

Niedringhaus arbeitete seit 2002 für die AP. 2005 gewann sie gemeinsam mit einem Team aus AP-Fotografen den Pulitzer-Preis für ihre Berichterstattung im Irak. Die Sicherheitslage in Afghanistan vor der Wahl ist extrem angespannt. (rpp/jsc/vbs/abe/dpa)

Fotografien von Anja Niedringhaus

Bilder der Kaufunger Kriegsfotografin Anja Niedringhaus

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