Kinder fördern: Seit drei Jahren gibt es in Hannover ein türkisches Privatgymnasium

Türkisches Privatgymnasium: Deutsche Sprache ist Pflicht

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„Schule muss immer integrieren“: Deutschlehrer Frank Müller im Unterricht am Privatgymnasium des Vereins für Integration und Bildung (VIB) in Hannover.

Hannover. Auf den ersten Blick scheint es paradox: Damit ihre Kinder besser Anschluss finden in Deutschland, haben Türken in Hannover ein eigenes Gymnasium gegründet, in dem sie weitgehend unter sich sind.

Die Integration gelinge besser bei einer gezielten Förderung der Nachwuchsgeneration, ist das Konzept. Die Sprache sei ein wichtiger Schritt zur Integration, sind sich die Lehrer einig, die Migranten müssten allerdings auch angenommen werden und eine Chance erhalten.

Am Anfang der Privatschule stand der Verein für Integration und Bildung (VIB), der türkischstämmigen Kindern seit 15 Jahren Nachhilfe gibt. Schließlich kam der Wunsch nach einer Schule, vor drei Jahren startete das Gymnasium. Es steht Schülern sämtlicher Herkunft offen, 80 Prozent der Schüler aber haben ausländische Wurzeln, zwei Drittel davon in der Türkei.

„Wir wissen, dass gute Bildung das Leben einfach macht. Wir haben uns gewünscht, dass Kinder mit und ohne Migrationshintergrund die selben Chancen erlangen“, meint Schulverwaltungsleiter Rakip Dumlu. Deshalb habe er auch die Schule mitgegründet. Von den 31 Lehrern haben nur zwei türkische Wurzeln.

Die Schule sieht von außen aus wie jedes andere Schulgebäude: graue Fassade und jede Menge Fenster. Vergeblich sucht man eine Büste des Gründers der türkischen Republik Mustafa Kemal Atatürk, die in der Regel in jeder Schule in der Türkei steht. Plakate informieren über Freizeitangebote, auf deutsch. Die Zahl der muslimischen Kinder liegt zwar bei rund 70 Prozent. Dennoch gibt es keinen islamischen Religionsunterricht. Nur wenige Mädchen tragen ein Kopftuch.

Jörg Steidl ist Mathematiklehrer am deutsch-türkischen Gymnasium. Integration sei schulintern kein Thema, meint er. „Ein Umfeld, in das sich die Schüler integrieren müssen, gibt es nicht.“ Die Schüler müssten sich indes an eine klare Regel halten: In der Schule muss Deutsch gesprochen werden - auch auf dem Pausenhof. In der deutschen Alltagssprache seien die Kinder fit und versiert. „Aber es ist viel zu wenig für das heutige Gymnasium. Wir müssen im naturwissenschaftlichen Unterricht ein ausgesprochenes Sprachtraining machen.“

„Hauptsache, sie sind fair“

Kamil, Bera und Samara sind 14 Jahre alt und besuchen die neunte Klasse. Ihre Eltern stammen aus der Türkei und Spanien. Kamil ist in dieser Schule, weil er seiner Meinung nach in einer staatlichen Schule weniger gefördert würde. „Wir haben Nachmittagsunterricht, die Lehrer helfen uns“, sagt der 14-Jährige, der Arzt werden will. Ob ein russischer, deutscher oder türkischer Lehrer sie unterrichte, sei egal, meint Bera. „Hauptsache, sie sind fair zu den ausländische Schüler. Hier wird man gefordert und gefördert.“

Einer der Lehrer, der die Schüler fordert, ist Frank Müller. Er unterrichtet Deutsch sowie Werte und Normen. „Integration ist etwas, was die Schule immer bewerkstelligen muss“, sagt der 48-Jährige. Die Schule müsse immer versuchen, Kinder in die Gesellschaft zu integrieren. Voraussetzung für eine Integration sei es, die Sprache zu beherrschen. „Für mich ist Integration dann gelungen, wenn man sich gegenseitig befruchtet, kooperiert und bessert.“ (lni)

Von Güngör Öztürker

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