Deutsche Umwelthilfe - der bissige David im Kampf gegen die Großen

Berlin. David gegen Goliath: Im Abgasskandal treibt die kleine Deutsche Umwelthilfe (DUH) Politik und Autobauer vor sich her wie keine andere Organisation.

Das Geld für die publikumswirksame Kampagnen stammt teilweise aus Abmahnungen, mit denen die DUH nicht nur Autobauer und Händler aufs Korn nimmt.

Die Einnahmen

Mit einem Etat von etwas mehr als acht Millionen Euro, 274 Mitgliedern und 83 Mitarbeitern ist die Deutsche Umwelthilfe wesentlich kleiner als der Naturschutzbund Nabu, der BUND und Greenpeace. Doch dafür hat sie den Dickschiffen des Naturschutzes etwas voraus: Sie wurde vom Bundesamt für Justiz zum klageberechtigten Verbraucherschutzverband geadelt und kann so gegen Unternehmen vorgehen, die ihrer Meinung nach die Verbraucher in Umweltbelangen täuschen. Es geht etwa um fehlende Energieverbrauchs- und Effizienzangaben von Elektrogeräten, um die Wahrheit von Werbeaussagen, um lückenhafte Produktkennzeichnung.

Die Abmahnungen

Wer hier gegen gesetzlichen Vorgaben verstößt, wird abgemahnt und zur Unterlassung aufgefordert. Rund 1400 Schreiben dieser Art versendet die Organisation pro Jahr, sagt Agnes Sauter, Leiterin des Bereichs Verbraucherschutz der DUH, in etwa 400 Fällen komme es zum Prozess. Der Verband zieht dabei nach eigenen Angaben in nur drei bis vier Prozent der Verfahren den Kürzeren.

Für eine Abmahnung kassiert die DUH nach Worten Sauers von den Betroffenen 229, höchstens aber 290 Euro: „Das deckt unsere Kosten nicht.“ Geld bringen hingegen die Vertragsstrafen. Wenn die Abgemahnten eine Unterlassungserklärung unterschrieben haben, sich aber nicht daran halten, werden pro Fall mindestens 5000 Euro fällig. Insgesamt brachten die als Verbraucherschutz im Jahresbericht ausgewiesenen juristischen Aktionen der Umwelthilfe 2014 Einnahmen von 2,3 Millionen Euro ein, 28 Prozent des Gesamtetats.

Die Abgas-Kampagne

Schon vor Jahren prangerte die Organisation den zu hohen Schadstoffausstoß bei Autos an. Gehör in der Politik fand sie kaum. Der Skandal um die Manipulations-Software, die VW-Dieselmotoren auf dem Prüfstand sauber aussehen lässt, gab der Organisation Rückenwind, mit immer neuen Messdaten und markigen Worten verschafft sie sich Gehör. Mit dem Slogan „Dieselabgase töten“ begleitete die DUH die Automobilausstellung IAA 2015 in Frankfurt. Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch spricht von Skandalen, von fortgesetzter Täuschung, von Betrug.

Die Erfolge

Zuletzt knöpfte sich die Deutsche Umwelthilfe Opel vor: Auch dessen Zafira-Diesel stößt oft mehr Stickoxid (NOx) aus, als er dürfte. Alles ganz legal, sagen die Rüsselsheimer und berufen sich auf eine EU-Verordnung, die erlaubt, die Abgasreinigung abzuschalten, wenn andernfalls der Motor Schaden nähme. Das ist allerdings beim Zafira ziemlich oft der Fall: Wer die Grenzwerte einhalten will, sollte weder zu schnell, noch im Gebirge unterwegs sein. Ob Opel das Recht gebrochen hat, ist längst nicht ausgemacht. Ein Verdienst der DUH ist jedoch, eine Verordnung ins Blickfeld gerückt zu haben, der Autobauern die Absolution für zu hohen Schadstoffausstoß erteilt. Den Skandal um die Manipulations-Software von VW indes haben hingegen US-Behörden aufgedeckt.

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