KMW durchsucht

Deutsche Waffenhändler im Visier der Athener Staatsanwaltschaft

Extrem treffsicher: Panzerhaubitze 2000, hier im einstigen Bundeswehr-Feldlager Kundus in Afghanistan. Foto: dpa

Kassel/Athen. Die Athener Staatsanwaltschaft will gegen 13 meist ehemalige Mitarbeiter der Rüstungsfirmen Rheinmetall und Atlas Anklage wegen Beihilfe zur Bestechung erheben.

Die Beschuldigten sollen nach Recherchen von Süddeutscher Zeitung (SZ), NDR und WDR gewusst oder in Kauf genommen haben, dass ein griechischer Mittelsmann Schmiergelder unter anderem an Offiziere verteilt hat. Mindestens 38 Mio. Euro sollen den Absatz des Flugabwehrsystems Asrad für 150 Mio. Euro an die griechische Armee und von Waffen für U-Boote befördert haben.

Aufgeflogen waren die Korruptionsaffären aus dem vergangenen Jahrzehnt, als frühere Athener Ministeriumsmitarbeiter Ende 2013 auspackten. Und das auch in Sachen Verkauf von Leopard-2-Panzern und Panzerhaubitzen PzH 2000 aus der Produktion von Krauss-Maffei Wegmann (KMW). Die Münchner KMW-Zentrale wurde am Donnerstag von deutschen Ermittlern durchsucht. Korruption, von KMW vehement bestritten, wäre hierzulande wohl verjährt. Die Staatsanwaltschaft München 1 ermittelt gegen Manager des Konzerns aber wegen Verdachts der Steuerhinterziehung. Schmiergeld für die Griechen-Deals soll beim Fiskus als Betriebsausgabe geltend gemacht worden sein. Ein KMW-Sprecher bestätigte die Aktenbeschlagnahme und verwies auf die Steuerermittlungen. Nach Informationen von SZ, NDR und WDR erfolgte die Razzia aber auch auf Bitte der Athener Staatsanwaltschaft.

Die 13 Beschuldigten von Rheinmetall und Atlas, allesamt deutsche Staatsbürger, sollen in Athen aussagen. Bei Weigerung droht ein internationaler Haftbefehl. Und damit Reiseverbot, weil die Gesuchten außerhalb Deutschlands festgenommen werden könnten.

Rheinmetall und KMW haben Standorte in Kassel. Gegen einen hier lebenden Ex-Manager von KMW gibt es den internationalen Haftbefehl aus Athen bereits seit März. Er soll beim Panzerhaubitzen-Geschäft mitkassiert haben. Etwa eine Million Euro an den heutigen Kasseler Rentner fanden sich auf Zahlungslisten griechischer Mittelsmänner und Regierungsbediensteter, die ausgepackt haben.

Der bekannteste unter ihnen: Antonis Kantas, einst wichtiger Beamter an einer Schaltstelle für Rüstungskäufe im griechischen Verteidigungsministerium. Er wurde kürzlich nach umfangreichen Aussagen auf freien Fuß gesetzt - gegen Kaution und bis zum Prozess, der gegen ihn und Dutzende weitere Beschuldigte voraussichtlich im Dezember beginnt.

Kantas soll acht Mio. Euro erhalten und inzwischen reumütig zurückgezahlt haben. Er kennt den diskreten Umweg des Schmiergelds über schwarze Konten und Tarnfirmen im Ausland. Den ganz direkten kennt er auch. Aus Vernehmungsprotokollen zitieren griechische Zeitungen ihn zum Besuch eines Krauss-Maffei-Beauftragten: „Er hatte einen Rucksack bei sich, den er beim Gehen auf meiner Couch liegen ließ. Ich rief ihm zu: Du hast deine Tasche vergessen. Er drehte sich um und sagte: Ich habe sie nicht vergessen, das ist für dich! Als er ging, öffnete ich die Tasche und fand darin 600 000 Euro.“

Von Wolfgang Riek (mit dpa)

Hintergrund

Strikt rechtmäßig

• „KMW hat weder Bestechungsgelder gezahlt noch zahlen lassen und verpflichtet stets alle Mitarbeiter und Geschäftspartner, sich strikt rechtmäßig zu verhalten“, teilte der Panzerbauer im Januar mit. Und: Die Vorgänge reichten zurück in Zeiten der Vorgängerunternehmen (Krauss-Maffei AG München und Wegmann & Co. GmbH in Kassel).

• 1622 Kampfpanzer meldete Griechenland aus seinen Heeresbeständen 2012 ans Waffenregister der Vereinten Nationen. Damit steht das hoch verschuldete Land im Südosten weit an der Spitze aller europäischen Nato-Staaten.

• Deutschland meldete im selben Jahr 815 Panzer, Frankreich 920, Polen 892 und Großbritannien 345. (dpa)

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