Außensicht von der Insel

„Cool Germany“: Warum ein wichtiges britisches Magazin Deutschland plötzlich toll findet

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Zwei Pastorentöchter: Die britische Premierministerin Theresa May (links) während eines Besuchs bei Bundeskanzlerin Angela Merkel im Juli 2016. 

Interessante Außensicht: Ein einflussreiches britisches Politik- und Wirtschaftsmagazin lobt Deutschland in der Titelgeschichte seiner neuesten Ausgabe - es gebe aber auch noch viel zu tun. 

London/Berlin - „Allein in der jüngsten Phase seiner Geschichte hat Deutschland seinen krankenden, ehemals kommunistischen Osten aufgenommen, die Wirtschaftskrise der frühen 2000er Jahre überwunden, über eine Million armer, oft verzweifelter Migranten aufgenommen - und das alles bewältigt. Es wäre jetzt, wie auch in der Vergangenheit, ein Fehler, Deutschland zu unterschätzen.“

So endet der erste einer Reihe von Artikeln der neuesten Titelgeschichte des Economist. Über weite Strecken feuert das liberale britische Politik- und Wirtschaftsmagazins dabei eine regelrechte Lobessalve ab. Deutschland sei moderner und offener geworden, es sei der Motor der europäischen Wirtschaft und mache Fortschritte bei der Integration ethnischer Minderheiten sowie der Gleichberechtigung von Frauen. 

Langsames Internet und schäbige Schulen

Jedoch werden auch Aspekte erwähnt, die Autor Jeremy Cliffe nicht unbedingt „cool“ am neuen Deutschland vorkommen: das Internet sei langsam und nicht flächendeckend, manche Straßen und Klassenzimmer „überraschend schäbig“, das Land nicht willens, mehr Geld für Verteidigungsausgaben aufzuwenden, sich selbst mit den Folgen seines Außenhandelsüberschusses zu konfrontieren und mehr EU-Lastenausgleich zu akzeptieren. 

Aber es gebe auch in diesen Bereichen positive Zeichen: es sei absehbar, dass Deutschland noch in diesem Jahr mit Frankreichs Präsident Emmanuel Macron an Reformen der Eurozone arbeiten werde. Zudem richte man den Fokus vermehrt auf Entwicklungshilfe in Afrika, um den hohen Flüchtlingszahlen entgegenzuwirken. Die exportorientierte deutsche Wirtschaft mache Deutschland überdies zu einem „natürlichen Vermittler“ im Zeitalter der drohenden Handelskriege. Merkels Wirtschaftsminister Altmaier (CDU) habe das jüngst eindrucksvoll demonstriert. 

Schmelztiegel und Zankäpfel 

Der Autor sieht Deutschland inzwischen als einen Schmelztiegel, der in einer neuen Ära angekommen ist. Er verschweigt jedoch nicht, dass diese Entwicklung nicht von allen Deutschen begrüßt wird. Laut seiner Analyse ist die Einzug der AfD in den deutschen Bundestag 2017 ein Zeichen der Rebellion gegen diesen Umstand. Politik und Gesellschaft befänden sich im Wandel. 

In „Die neuen Deutschen“, einem weiteren Artikel der Reihe, schreibt der Economist über eine „kulturelle Spaltung“ des Landes, in dem Städte wie Berlin, Köln und München inzwischen mehr miteinander gemeinsam hätten als mit den sie jeweils unmittelbar umgebenden Gegenden. Stadt und Land würden immer verschiedener. Die Globalisierung treibe die Polarisierung der Vermögensverhältnisse voran, während die Zuwanderung fremder Menschen viele verunsichere. Deshalb komme es zu Kontroversen wie dem Ausländer-Aufnahme-Stop der Essener Tafel. 

„Wer sind wir?“

Der Artikel schließt mit dem Fazit, Deutschland sei auf der Suche nach sich selbst. „Wer sind wir“, frage man sich, „was für ein Land sind wir?“ Deutschland habe sich nicht in der Rolle des „Anführers der freien Welt“ gefallen, die ihm viele zuschreiben wollten, als man 2016 dachte, Donald Trumps Wahl und der Brexit ließen nur noch Deutschland als liberale Macht auf der Weltbühne übrig. Auch seine Rolle in Europa habe es noch nicht abschließend definiert, wie man am deutschen Umgang mit Macrons Visionen sehe. 

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Laurenz Gehrke

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