Vor 25 Jahren

25. Dezember 1989: Der „Führer“ Ceausescu endete an der Wand

Vor 25 Jahren: Nach dramatischer Flucht mit dem Helikopter wird das rumänische Diktatorenpaar Ceausescu erschossen. Von HNA-Nachrichtenchef Tibor Pézsa.

Das historische Wendejahr 1989 endete vor 25 Jahren mit Flucht, Verrat und Erschießung des rumänischen Diktators Nicolae Ceasescu. So bizarr er sein Land selbst im Vergleich mit den kommunistischen Unrechtsstaaten des Ostblocks führte, so gewaltsam ist sein Ende.

Dass die Lage diesmal wirklich ernst ist, muss dem rumänischen Diktator Nicolae Ceausescu spätestens am 21. Dezember 1989 klar geworden sein. Obwohl in seinem realsozialistischen Reich schon seit Tagen geschossen und gestorben wird, war er noch auf Staatsbesuch nach Teheran gereist und hatte die Regierungsgeschäfte seiner Frau Elena überlassen.

25. Dezember 1989, Bukarest: Ein Soldat neben einer Frau, die soeben vom Tod ihres Sohnes erfahren hat. Fotos: dpa

Nun, gegen Mittag, steht er auf dem Balkon am Haus des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei in Bukarest, hat sein Volk wie immer zur Kundgebung antreten lassen und schwadroniert von den Errungenschaften der sozialistischen Revolution. Das Fernsehen überträgt live. 110 000 Menschen sind da. Sie haben von dem Aufstand im Westen ihres Landes gehört. Und sie buhen und pfeifen ihren „Conducator“ (Führer) aus. Ceausescu reagiert verwirrt, schweigt eine Weile, dann verspricht er höhere Löhne. Die Menge wird unruhig. Die TV-Übertragung bricht ab.

In dieser Stunde beginnt das Schlusskapitel jenes Ostblock-Diktators, der immer darauf geachtet hatte, den noch Mächtigeren nie die ganze Hand zu reichen. Anders als die „sozialistischen Bruderstaaten“ beteiligte Ceausescu sich 1968 nicht an der Niederschlagung der tschechischen Reformer. Der Westen belohnte die Sonderwege des Diktators mit Staatsbesuchen und Orden. Was diesen nicht hinderte, Terrorbewegungen und Drogenbosse zu unterstützen sowie Spionage zu betreiben.

Am 22. Dezember 1989 lässt Ceausescu den Notstand ausrufen, Rechtsgrundlage seiner eigenen Hinrichtung drei Tage später. Auch in Bukarest wird schon geschossen. Immer mehr Militär wechselt zu den Revolutionären, der Geheimdienst Securitate verteidigt die Diktatur. Während Ceausescu am Vormittag noch einmal vom Balkon sprechen will, dringen unten schon Aufständische ins Haus ein. Der neue Verteidigungsminister Victor Stanculescu hat die Truppen zurück in die Kasernen beordert.

Stanculescu ist es auch, der die Ceausescus überredet, in den auf der Dachterrasse wartenden Hubschrauber zu steigen. Überladen mit dem Diktatoren-Ehepaar, weiß vor Schreck, und Securitate-Leuten startet Oberstleutnant Vasile Malutan den Helikopter.

Er selbst hat noch den Ausnahmezustand verhängt, der Schnellgerichte und Erschießungen erlaubt: Der tote Nicolae Ceausescu wird am 25.12. im Fernsehen vorgeführt, damit die Nachricht auch ja von allen geglaubt wird.

Malutan fliegt nach Snagov, vierzig Kilometer nördlich von Bukarest, wo die Ceausescus eine Residenz haben. Der Diktator fordert mehr Helikopter mit Soldaten. Doch das, erfährt Malutan am Telefon, ist unmöglich. Es habe eine Revolution gegeben. Ceausescu dringt auf Weiterflug.

Malutan täuscht Flugabwehr-Beschuss vor. In Panik lässt der Diktator landen. Die Leibwächter kapern von der Straße weg einen Wagen. Ein Fahrer täuscht Motorschaden vor, der nächste versichert, dass es im Pflanzenschutzzentrum von Targoviste, nordwestlich von Bukarest, sicher sei. Dessen Direktor erkennt die Lage, sperrt seine Besucher ein und holt die Miliz.

Am 24. Dezember beschließt die rumänische „Rettungsfront“ um Ion Iliescu, den Ceausescus den Prozess zu machen. Victor Stanculescu, der Vielseitige, organisiert ihn am 25. Dezember in der Targovister Kaserne. Die Verhandlung beginnt um 13.10 Uhr. Das Urteil fällt um 14.40 Uhr. Um 14.50 werden die Ceausescus an die Wand gestellt. Elena, die sich gern als „liebende Mutter der Nation“ feiern ließ, fragt die Offiziere des Erschießungskommandos, ob sie nicht wüssten, dass sie auch ihre Mutter sei. Ceausescu ruft: „Tod den Verrätern, die Geschichte wird uns rächen.“ Dann singt er die Internationale. Alles wird gefilmt, nur im Moment der Todesschüsse fällt die Kamera aus.

Helikopterpilot Malutan und jener Offizier, der die Ceausescus in Targoviste verhaftete, kommen später unter ungeklärten Umständen um.

Nicolae und Elena Ceausescu 

Elena wurde am 7. Januar 1916 im Dorf Petresti geboren. Bei ihrer Eheschließung mit Nicolae 1947 ließ sie ihr Geburtsjahr in 1919 fälschen, um jünger als ihr Mann zu erscheinen. Sie hat nur vier Schulklassen absolviert. Ihr Doktortitel von 1964 auf dem Gebiet der Chemie beruht auf einer für sie geschriebenen Dissertation. (dpa)

Das Ehepaar Nicolae und Elena Ceausescu, Bauernkinder aus Südrumänien, herrscht von 1965 an in dem Karpatenland. Geboren am 26. Januar 1918 im Dorf Scornicesti ging der halbwüchsige Nicolae in der Hauptstadt Bukarest bei einem Schuster in die Lehre, der Kommunist war. Ideologisch geformt wurde er als politischer Häftling durch den Kontakt zu mitinhaftierten Genossen. Nach 1945 arbeitete er sich in der Parteihierarchie hoch und wurde 1965 Generalsekretär der KP.

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