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Die Grünen: Geschichte und Erfolge der einstigen Protestpartei

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Von: Julia Schöneseiffen

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Seit der Bundestagswahl 2021 sitzt Bündnis 90/Die Grünen in der Bundesregierung. Wie die einstige Protestpartei zu einer der stärksten deutschen Parteien wurde.

Berlin – Die Partei Bündnis 90/Die Grünen ist in erster Linie für ihren Schwerpunkt in der Umweltpolitik bekannt. Die linksliberale Partei hat sich soziale und ökologische Nachhaltigkeit als übergeordnetes Ziel gesetzt und vertritt diese Werte seit den 80er Jahren. Die Grünen ist eine der stärksten Parteien in Deutschland. Seit 2021 sitzt die Umwelt-Partei in der Bundesregierung.

ParteiBündnis 90/Die Grünen
ParteivorsitzendeRicarda Lang, Omid Nouripour
Gründung (Die Grünen)13. Januar 1980
Gründung (Bündnis 90)21. September 1991
Zusammenschluss zu Bündnis 90/Die Grünen14. Mai 1993
Mitgliederzahl125.126 (Stand: Dezember 2021)

Die Grünen: Gründung und Einzug in den Bundestag

Ende der 70er Jahre entstand aufgrund von Problematiken wie dem steigenden Ölpreis, der atomare Aufrüstung Europas und Luftverschmutzung die grüne Bewegung. Diese Bewegung gilt als Ursprung der Partei der Grünen, welche im Jahr 1980 gegründet wurde.

Erste Parteivorsitzende der westdeutschen Grünen waren Petra Kelly, August Haußleiter und Norbert Mann. Drei Jahre nach der Gründung, im Jahr 1983, gelang den Grünen mit 5,6 Prozent der Stimmen der Einzug in den Bundestag. Sprecher der Fraktion waren Marieluise Beck-Oberdorf, Petra Kelly und Otto Schily. Joschka Fischer wurde zum Parlamentarischen Geschäftsführer der Partei ernannt. Die Grünen brachten neue Themen wie Ökolandbau, nachhaltiges Wirtschaften, Vergewaltigung in der Ehe sowie die Entschädigung von Zwangsarbeitern in den Bundestag. Schnell machte sie sich damit einen Namen als Protestpartei.

Zusammenschluss der Grünen und Bündnis 90: Gemeinsam stark werden

1990 fand die erste gesamtdeutsche Bundestagswahl statt. Während die Grünen die Wahl verloren, zog das Bündnis 90 in den Bundestag ein. Nach der Wahl schlossen sich zunächst die West- und Ost-Grünen zusammen; später die Grünen und Bündnis 90.

Flagge der Partei Bündnis 90/Die Grünen vor einem blauen Himmel
Im Mai 1993 schlossen sich Bündnis 90 und die Grünen zu einer Partei zusammen. © Moritz Frankenberg/dpa

Im Jahr 1994 zog die Partei Bündnis 90/Die Grünen in den Bundestag ein. Parteivorsitzende waren Joschka Fischer und Kerstin Müller. Antje Vollmer wurde die erste grüne Vizepräsidentin des Deutschen Bundestags.

Die Grünen in der Bundesregierung: Joschka Fischer wird erster grüner Außenminister

1998 endete die Amtszeit von Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU). Die neue Bundesregierung bildeten die SPD und Bündnis 90/Die Grünen. In Zuge dessen wurde Joschka Fischer der erste grüne Außenminister und fungierte zudem als Vizekanzler. Andrea Fischer wurde Gesundheitsministerin und Jürgen Trittin übernahm die Position als Umweltminister. Jürgen Trittin ist bis heute ein wichtiger Politiker der Grünen. Gemeinsam mit Renate Künast war er von 2009 bis 2013 Vorsitzender der Umweltbewegung.

Mit Umweltminister Trittin beschloss die rot-grüne Bundesregierung den Ausstieg aus der Atomkraft. Auch bei der Bundestagswahl 2002 gingen die SPD und die Grünen als Sieger hervor und bildeten erneut unter Gerhard Schröder (SPD) die Bundesregierung.

Die Grünen als Oppositionspartei: Verteidigung des Atomausstiegs

2005 kam es nach gestellter Vertrauensfrage von Schröder zur Auflösung des Parlaments und damit zu Neuwahlen. Aus diesen ging die CDU mit der Vorsitzenden Angela Merkel siegreich hervor. Merkel wurde Bundeskanzlerin und Chefin einer schwarz-roten Koalition. Die Grünen wurden zu einer Oppositionspartei.

Bei der Wahl 2009 ging erneut die Union aus CDU und CSU siegreich hervor und bildete gemeinsam mit der FDP eine schwarz-gelbe Koalition. Trotz der grünen Bemühungen, den Atomausstieg zu verteidigen, nahm die Bundesregierung Ende Oktober 2010 den 2001 beschlossenen Atomausstieg zurück. Erste nach der Nuklearkatastrophe in Fukushima beschloss die Bundesregierung 2011 erneut den Atomausstieg.

Die Mitgliederzahl der Grünen: 1982 bis 2021

JahrMitgliederzahl
201360.000
201875.000
201995.000
2020100.000
2021125.000

Quelle: Die Grünen, Merkur.de

Bundestagswahl 2013: Ein Rückschlag für Bündnis 90/Die Grünen

Für die Bundestagswahl 2013 ließen die Grünen ihre Mitglieder sowohl über die Spitzenkandidaten als auch über die Themenschwerpunkte entscheiden. Über 60 Prozent der Parteimitglieder kürten per Urwahl Katrin Göring-Eckardt und Jürgen Trittin zum Spitzenduo.

Bei der Bundestagswahl 2013 kam trotz vieler gewonnener Landtagswahlen zu einem Rückschlag für die Grünen. Die Umweltpartei erhielt lediglich 8,4 Prozent der Stimmen. Infolgedessen kam es zu einem Generationswechsel: Jürgen Trittin, Claudia Roth und Renate Künast zogen sich aus der ersten Reihe der Partei zurück.

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Bundestagswahl 2017: Sondierungsgespräche der Grünen, CDU/CDU und FDP

Im Dezember 2016 gelang den Grünen ein neuer Höchstwert: Sie waren in 11 Bundesländern an der Regierung beteiligt. Für die Bundestagswahl 2017 erhielten das Spitzenduo Katrin Göring-Eckardt und Cem Özdemir die meisten Stimmen von der Parteibasis. Bei der Bundestagswahl 2017 erzielte die Partei 8,9 Prozent der Stimmen und damit das zweitbeste Ergebnis bei einer Bundestagswahl.

Bei den anschließenden Sondierungsgesprächen besprachen CDU/CSU, FDP und die Grünen eine mögliche Jamaika-Koalition. Nach über vier Wochen Sondierungen erklärte FDP-Chef Christian Lindner die Gespräche für gescheitert. Erneut bilden SPD und Union die Bundesregierung.

Annalena Baerbock und Robert Habeck: Neues Grundsatzprogramm für die Grünen

Beim Parteitag im Januar 2018 wurden Annalena Baerbock und Robert Habeck als neue Vorsitzende gewählt. Erstes Projekt des Führungsduos war die Erarbeitung eines neuen Grundsatzprogramms (das bisherige stammte aus dem Jahr 2002). Beim digitalen Parteitag im November 2020 beschlossen die Grünen schließlich ihr überarbeitetes Grundsatzprogramm.

Das sind die wichtigsten Themen:

Nach grünen Rekordergebnissen bei den Landtagswahlen in Bayern und Hessen 2018, erreichten die Grünen bei der Europawahl 2019 mit 20,5 Prozent das beste grüne Wahlergebnis, das sie jemals bei einer bundesweiten Wahl hatten.

Bundestagswahl 2021: Die Grünen werden Teil der neuen Bundesregierung

Bei der Bundestagswahl 2021 stellten die Grünen mit Annalena Baerbock erstmals eine grüne Kanzlerkandidatin. Am 26. September 2021 erreichten die Grünen mit 14,8 Prozent ihr historisch bestes Ergebnis bei einer Bundestagswahl. Die Parteimitglieder stimmten bei einer digitalen Urabstimmung mit 86 Prozent für den Koalitionsvertrag mit der SPD und FDP. Damit regiert zum ersten Mal eine Ampel-Regierung auf Bundesebene.

In dem Kabinett von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) bekleiden mehrere grüne Politiker einen Ministerposten:

NameAmt
Robert HabeckBundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz
Annalena BaerbockBundesministerin des Auswärtigen
Cem ÖzdemirBundesminister für Ernährung und Landwirtschaft
Lisa PausBundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
Steffi LemkeBundesministerin für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz

Seit 2022 sind Ricarda Lang und Omid Nouripour Parteivorsitzende der Grünen.

Die Grünen: Umwelt, Klima und Chancengleichheit

Als Öko-Partei konzentrieren sich die Grünen besonders auf Themen wie Nachhaltigkeit und Umweltpolitik. Aber auch Geschlechtergerechtigkeit, Chancengleichheit und eine multikulturelle Gesellschaft sind Themen der Grünen.

Eines der wichtigsten Ziele der Partei ist es, die Stromversorgung in Deutschland bis zum Jahr 2030 vollständig auf erneuerbare Energien umzustellen. Die Partei ist auf dem politischen Spektrum als linksliberal einzuordnen. (jsch)

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