Damit NSA E-Mails nicht mitlesen kann

Datenschützer Weichert empfiehlt web.de und gmx.de

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Unter Beobachtung: Internetnutzer sollten darauf achten, was sie von sich preisgeben, rät Datenschützer Weichert.

Kiel. Seit den Spähskandalen des US-Geheimdienstes NSA widmen sich Datenschutzexperten verstärkt dem Thema Big Data. Der Leiter des Unabhängigen Landeszentrums für Datenschutz (ULD), Thilo Weichert, erklärt im Interview, wie man sicherer E-Mails schreibt und im Internet surft.

Was genau ist Big Data?

Thilo Weichert: Hinter Big Data steckt die Idee, große Datenmengen zusammenzuführen, auswertungsfähig zu machen und für völlig neue Zwecke zu nutzen. Viele der Daten, die beispielsweise in Webblogs oder sozialen Medien wie Facebook hinterlassen werden, verraten viel über den Einzelnen. Die Daten werden strukturiert zusammengeführt. Und aus diesem Datensatz kann dann zu jeder beliebigen Frage eine Antwort generiert werden.

Nach dem Bekanntwerden der Abhörskandale des US-Geheimdienstes NSA - Stichwort Prism/Tempora - taucht oft die Frage auf: Wie kann ich mich gegen das Datensammeln schützen?

Weichert: Als Betroffener gibt es nur eine einzige Lösung: Datensparsamkeit zu pflegen. Big Data ist etwas, was sich jenseits der Betroffenen abspielt. Die Daten, die von einem selbst draußen sind, hat der Einzelne nicht mehr unter Kontrolle. Man kann versuchen, Auskunftsansprüche geltend zu machen oder die Aufsichtsbehörden einzuschalten, aber das sind im Prinzip nur Notmaßnahmen. Alles was erst mal an Daten vorhanden ist, kann auch ausgewertet werden.

Nützt es den Menschen in Deutschland, wenn sie für ihren Email- und Internetverkehr nur Server benutzen würden, die in Deutschland stehen, weil hier das Datenschutzrecht besser ist?

Weichert: Ja. Deutsches Datenschutzrecht ist mit am klarsten, und auch die Datenschutzaufsicht in Deutschland ist mit die flächendeckendste. Daher kann man schon den Ratschlag geben, wenn es irgendwie geht, deutsche beziehungsweise europäische Dienstleister zu nutzen. In dem Augenblick, wo die Sachen in den USA sind, werden sie definitiv von NSA und dann in der Folge von CIA, FBI, DEA und wie sie alle heißen möglicherweise weiterverwendet.

Woran kann ich als Laie erkennen, dass ich einen deutschen oder anderen sicheren Dienstleister nutze?

Weichert: Wenn ich einen Maildienst von United Internet wie web.de oder gmx.de beziehungsweise T-Online von Telekom verwende. Wenn ich Google-Mail nutze, dann gehe ich sicher, dass diese Daten in den USA gespeichert werden. Auch bei den Suchmaschinen gibt es Alternativen zu Google, etwa den Dienst ixquick oder auch duckduckgo.

Wie sollte das Datensammeln geschehen, damit möglichst viele Datenschutzrechte eingehalten werden können?

Weichert: Den Daten müssten Metadaten zugegeben werden, wer zu welchem Zweck zugreifen darf, und welche Relevanz die Daten haben. Im polizeilichen Bereich ist es ein riesiger Unterschied, ob mein Name als Zeuge oder Verdächtiger gespeichert ist, was über Metadaten abzubilden ist. Die Daten dürfen nicht, wie es offensichtlich bei der NSA geschah, in Pools landen, auf die viele Berechtigte Zugriff haben. (dpa)

Studie: Wahlkampf 2.0 findet nicht statt

74 Prozent der Deutschen nutzen für politische Meinungsbildung das klassische Medium Fernsehen

Die sozialen Medien im Internet spielen einer Studie zufolge als Wahlkampfplattform und tagespolitische Informationsquelle eine untergeordnete Rolle. Nur elf Prozent nutzen soziale Netzwerke zur Information über Nachrichten, wie aus einer gestern veröffentlichten Untersuchung des Kölner Meinungsforschungsinstituts YouGov hervorgeht.

Das Institut befragte im Juli rund 2800 Internetnutzer. Informationsquelle Nummer eins für Politikthemen ist der Umfrage zufolge das Fernsehen, das von 74 Prozent der Befragten oft oder sehr oft genutzt wird. Tageszeitung und Radio folgen auf Platz zwei (rund 50 Prozent).

Nachrichtenportale im Internet nutzen 42 Prozent der Befragten. Im Gegensatz dazu liegen bei den unter 35-Jährigen Internet und Fernsehen gleich auf, Tageszeitungen rangieren auf Platz vier.

Trotz zum Teil intensiver Nutzung sozialer Medien besitzt die Tageszeitung laut Studie bei jungen und alten Nutzern gleichermaßen die höchste Glaubwürdigkeit, gefolgt von Radio und TV. Facebook und Twitter können hier nicht mithalten und belegen den letzten Platz.

Knapp zwei Drittel der Befragten (64 Prozent) erwarten aber dennoch von den Politikern in Deutschland, dass sie sich mit Internet und sozialen Netzwerken auskennen. Der Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) trauen das 16 Prozent der Umfrageteilnehmer zu. Nur Sahra Wagenknecht von der Partei Die Linken (17 Prozent) und Piraten-Politiker Bernd Schlömer (28 Prozent) erhalten in dieser Hinsicht bessere Werte.

Insgesamt kommt die Studie zu dem Schluss, dass derzeit ein Wahlkampf 2.0 im Internet nicht stattfindet. Hier fehle es den Parteien deutlich an Dialog und kreativen Ideen, die die Wähler mobilisierten, hieß es. (afp/epd)

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