HNA-Meinung

Dr. Dirk Ippen über den Spionageskandal: Keine Angst vor US-Spionen

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Dr. Dirk Ippen

Spione des der amerikanischen Geheimdienste NSA und CIA wurden im Bundesnachrichtendienst bzw. in der Bundeswehr enttart. Dazu ein Kommentar von HNA-Verleger Dr. Dirk Ippen.

Wenn in einem Krieg durch Fehlverhalten auf die eigenen Leute geschossen wird, dann ist die Empörung darüber besonders groß. Verständlich daher, dass Deutschland den Kopf schüttelt, wenn nach allen vorher schon bekannt gewordenen Abhöraktionen nun US-Spione im Bundesnachrichtendienst oder in der Bundeswehr enttarnt werden. Von Freunden hätten wir so etwas nicht erwartet, wo doch der deutsche und der amerikanische Nachrichtendienst seit Jahrzehnten ganz offiziell zusammenarbeiten. Die Amerikaner sind Partner, die schon oft lebensrettende Tipps gegeben haben, durch die Anschläge verhindert wurden.

Weltfremd dagegen ist, wie manche Politiker reagieren. Die Bundesregierung empfiehlt dem obersten CIA-Vertreter in Berlin die Ausreise. Das ist ein Tabubruch. Frau Merkel hat aus dem fernen China besonnen reagiert. Aber sie stand bei ihrer Erklärung neben einem feixenden chinesischen Premierminister, der gerne Deutschland wie sein eigenes Land von den „bösen“ USA umlagert sehen will.

Festzuhalten bleibt, dass die bekannt gewordenen Spionagefälle unendlich töricht sind. Sie haben Deutschland allerdings in keiner Weise geschadet. Wenn, wie es heißt, ein deutscher BND-Mitarbeiter zu den Amerikanern gegangen ist, um seine Dienste gegen Bezahlung anzubieten, dann haben die Amerikaner eine große Chance vertan, Vertrauen bei den deutschen Verbündeten zu gewinnen. Anstatt sich zu fragen, welche deutschen Geheimnisse der BND-Mann offenbaren könnte, hätte man die BND-Kollegen in Berlin darauf hinweisen sollen, dass sie einen unsicheren Kantonisten in ihren Reihen haben.

Deutschland gehört aber nicht zu den angelsächsischen Ländern wie Großbritannien, Kanada, Australien und Neuseeland, mit denen die USA sämtliches geheimdienstliches Wissen austauschen. Das ist keine neue Erkenntnis und es hängt mit unserer unrühmlichen Vergangenheit als kriegsführendes Land gegen die angelsächsische Allianz zusammen. Nach dem Kriege und auch in den Jahren der jungen Bundesrepublik war es zudem so, dass die Amerikaner ganz offiziell aufgrund einer auch nach Aufhebung des Besatzungsstatutes geltenden Ermächtigung in Deutschland Zugriff hatten auf geheime oder vertrauliche Informationen. Auch das hat der jungen Bundesrepublik damals in keiner Weise geschadet. Gerade in dieser Zeit fand der phänomenale Aufstieg zur großen Wirtschaftsmacht unter dem militärischen Schutzschild der USA statt.

Das alles ist heute längst vorbei, aber wo es Geheimdienste gibt, wird auch spioniert. Der russische Nachrichtendienst tut es zudem durch Veröffentlichungen mit dem Ziel, die Europäer und die Amerikaner auseinander zu dividieren. Das dürfen wir nicht zulassen.

Bei dem amerikanischen Geheimdienst ist nach den Anschlägen auf das World Trade Center einiges aus dem Ruder gelaufen. Das sollte für die Zukunft korrigiert werden. In Zukunft mit den Amerikanern nicht weiter engstens zusammenzuarbeiten aber hieße, das Kind mit dem Bade auszuschütten. Die Welt ist nun einmal nicht so schön wie ein Fußball-Sieg, es gibt Licht und Schatten, auch in den USA. ippen@hna.de

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