Hatten Staatsschützer schon 2010 Hinweise auf Mordserie?

„Döner-Killer“ auf CD

Rechtsextreme Musik: Immer wieder beschlagnahmt die Polizei CDs mit volksverhetzendem Inhalt. So auch hier in Mecklenburg-Vorpommern im vergangenen Jahr. Foto: dpa

Es wäre ein weiterer Skandal um den Verfassungsschutz in Deutschland. Während die Ermittler der zuständigen Sonderkommission „Bosporus“ in Nürnberg noch im Dunkeln tappten, lagen dem sächsischen und dem Berliner Staatsschutz vermutlich schon seit über einem Jahr Hinweise darauf vor, dass die Mordserie politisch motiviert war.

Dabei waren zwischen 2000 und 2006 in ganz Deutschland neun Einwanderer ermordet worden.

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Im Juli 2010 beschlagnahmte die Polizei bei einer Razzia in Berlin 6500 Tonträger von Nazibands. Sicherheitsbehörden hatten schon länger gegen die Betreiber des rechtsextremen Wearwolf-Versands ermittelt. Dort wurden neben Buttons mit Hakenkreuzen und SS-Totenköpfen auch T-Shirts und CDs der Szenebands „Schlachthaus“, „Blitz Krieg“, „Gegenschlag“ und von „Gigi und die braunen Stadtmusikanten“ angeboten. Von letzterer Gruppe konnte dort auch das Album „Adolf Hitler lebt!“ erworben werden.

Eindeutige Liedertexte

Auf dieser CD findet sich ein Lied mit dem Titel „Döner-Killer“. Darin die unmissverständlichen Zeilen: „Bei allen Kebabs herrschen Angst und Schrecken. Der Döner bleibt im Halse stecken, denn er (der Killer, Anm. d. Red.) kommt gerne spontan zu Besuch, am Dönerstand, denn neun sind nicht genug.“ Damit bezieht sich der Autor des Textes auf die Mordserie, bei der auch Döner-Verkäufer ums Leben kamen. Im Lied gibt es keinen direkten Hinweis auf den Täter. Er wird als Phantom beschrieben.

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In der Szene ahnte oder wusste man anscheinend schon damals, dass die Morde einen politisch motivierten Hintergrund hatten. Indizien, die dem Verfassungsschutz offenbar nicht auffielen. Dabei wurde das Lied im September 2010 von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien sogar indiziert.

Was mit den im Juli 2010 beschlagnahmten CDs passiert ist, konnte man bei der Staatsanwaltschaft in Berlin am Freitag nicht nachvollziehen. Ein Angeklagter wurde zwar zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten verurteilt. Bei der Verhandlung spielten die Tonträger jedoch keine Rolle.

Nach einem Bericht der Dresdner Morgenpost lagen auch dem sächsischen Staatsschutz möglicherweise schon seit einem Jahr Hinweise auf einen rechtsradikalen Hintergrund vor. Das Landeskriminalamt soll im Juli 2010 eine CD der rechtsextremen Plattenfirma „PC Records“ indiziert haben. Der Titel: „Adolf Hitler lebt!“ von „Gigi und die braunen Stadtmusikanten“. Eine LKA-Sprecherin erklärte am Freitag, man habe beim Lied „Döner Killer“ keine strafrechtlich relevanten Inhalte feststellen können.

Von Jörgen Camrath

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