Iran

Donald Trump twittert Foto - und verrät ungewollt streng geheime Informationen

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US-Präsident Donald Trump hat ein Satellitenfoto getwittert - und damit mehr verraten, als man denken könnte.

Der US-Präsident Donald Trump twittert gerne und viel. Doch er hatte wohl nicht damit gerechnet, dass Internetnutzer anhand eines Satellitenfotos Details über einen streng geheimen Spionage-Satelliten der USA herausfinden können.

Details über die Spionage, die ein Land betreibt, sind normalerweise streng geheim. Das gilt natürlich auch für Spionage-Satelliten, die ein Land betreibt. Dass es sie gibt, lässt sich nicht verschleiern, denn Raketenstarts werden regelmäßig von einer großen Community verfolgt. Außerdem kann man sehen, wie die Satelliten am Nachthimmel ihre Bahnen ziehen. Nur ihre genauen Aufgaben und die Technologien, die sie an Bord haben, sind unbekannt und werden streng geheim gehalten.

Für einen US-Spionage-Satelliten gilt das nun nicht mehr. Doch von vorne: Ende August gab es eine Explosion im Imam Khomeini Space Center in der iranischen Provinz Semnan. Nach US-Angaben gab es bei den Vorbereitungen für den Start eines Kommunikationssatelliten einen Unfall, was der Iran dementiert. US-Präsident Donald Trump, der dafür bekannt ist, dass er seinen Twitter-Account gerne für seine Politik nutzt, twitterte ein Foto und schrieb dazu: „Die USA waren nicht in den Unfall involviert.“ Er wünsche dem Iran alles Gute dabei, herauszufinden, was passiert sei.

Donald Trump hat mit seinem Bild etwas verraten, das er nicht verraten wollte

So weit, so unspektakulär für einen Tweet von Donald Trump. Doch nun wird es interessant: Bei dem Bild handelt es sich nicht um ein schlecht aufgelöstes Satellitenbild, sondern um ein sehr detailreiches Foto, das den Startplatz der Rakete zeigt und auf dem einzelne Punkte beschriftet sind. Wie CNBC nach der Veröffentlichung des Fotos berichtete, war das Bild offenbar Teil eines nachrichtendienstlichen Briefings, das der Präsident an diesem Morgen erhalten hatte - und selbstverständlich nicht für die Veröffentlichung bestimmt.

Aktuelles von der First Family: Donald und Melania Trump haben einen gemeinsamen Sohn*: Barron. Doch wenn der US-Präsident über ihn redet, klingt das eher befremdlich.

Das Brisante an dem Bild: Entweder wurde es von einer Drohne oder einem Flugzeug aufgenommen - was bedeuten würde, dass Donald Trump mit seinem Tweet verraten hätte, dass die USA den iranischen Luftraum verletzen würden. Oder es handelt sich um die Aufnahme eines Spionage-Satelliten - was wiederum Außenstehenden viel über das Spionageprogramm der USA verraten würde.

So haben Internet-Nutzer herausgefunden, welcher Spionage-Satellit das Foto gemacht hat, das Trump getwittert hat

Mittlerweile kann man relativ sicher davon ausgehen, dass Letzteres der Fall ist. Es handelt sich offenbar um ein Bild, das der streng geheime US-Spionage-Satellit USA 224 aufgenommen hat. Herausgefunden haben das Amateur-Satelliten-Tracker und ein Investigativjournalist, der anhand der Schatten im Foto berechnet hat, in welchem Zeitraum das Foto aufgenommen wurde.

Mit Hilfe dieser Information fand ein Astrodynamik-Student heraus, dass der Satellit USA 224 sich im fraglichen Zeitraum genau über dem Startplatz der Rakete befand.

Diese Daten wiederum nutzte der niederländische Satelliten-Tracker Marco Langbroek für eine detaillierte Analyse, in der er nachwies, dass es sich tatsächlich um den geheimen Spionage-Satelliten USA 224 gehandelt haben muss. Das war nicht so einfach, denn tatsächlich sind die Umlaufbahnen der geheimen Satelliten nicht öffentlich bekannt.

Der niederländische Astronom Cees Bassa nahm sich die Informationen vor und berechnete die Auflösung des Bildes. Er geht demnach davon aus, dass der geheime Satellit mindestens Aufnahmen mit einer Auflösung von zehn Zentimetern pro Pixel machen kann.

Experten sind erstaunt über die Qualität der Aufnahme, die Donald Trump getwittert hat

Vor dem Tweet Trumps wusste man über den Spionage-Satelliten USA 224 nicht viel: Er ist 2011 an Bord einer Delta-IV-Heavy-Rakete ins All gebracht worden und wird vom National Reconnaissance Office (NRO) der USA verantwortet. Es wird vermutet, dass er ein KH-11-Satellit ist, ein sogenannter „Key Hole“-Satellit. Die KH-11-Satelliten sind als Verschlusssache eingestuft, genau wie die Bilder, die die Satelliten aufnehmen.

Man geht davon aus, dass die KH-11-Satelliten mit einem 2,4-Meter-Spiegel bestückt sind - ein Spiegel, der so groß ist wie der Spiegel des Weltraumteleskops „Hubble“, nur dass die KH-11-Satelliten zur Erde gerichtet sind und nicht hinaus ins Weltall.

Dieses Bild twitterte US-Präsident Donald Trump - und daraus konnten Interessierte so einige Schlüsse ziehen.

Experten sind erstaunt über die Qualität der Aufnahme. „Als ich die Aufnahme gesehen habe, konnte ich nicht glauben, dass sie von einem Satelliten gemacht wurde“, sagt Melissa Hanham, eine Satellitenbild-Expertin, gegenüber npr.org. „Ich kann mir vorstellen, dass Gegner die Bilder anschauen und versuchen, herauszufinden, wie der Sensor funktioniert und wie die Bilder nachbearbeitet werden“, so Hanham.

Donald Trump hat weitreichende Informationen über US-Spionage veröffentlicht

Mit der Veröffentlichung des Fotos hat Donald Trump möglichen Gegnern also weitreichende Informationen über das Spionage-Programm der USA an die Hand gegeben. „Wir hatten ein Foto und ich habe es veröffentlicht, wozu ich jedes Recht habe“, erklärte Donald Trump vor Reportern. Tatsächlich ist es so, dass der US-Präsident die Macht hat, geheime Informationen zu veröffentlichen, wie NPR erklärt.

Veröffentlicht jedoch jemand anders solche geheimen Aufnahmen, muss er mit einer Gefängnisstrafe rechnen  - so wie 1984 der Analyst Samuel Loring Morison, der drei geheime Aufnahmen von einem KH-11-Spionage-Satelliten veröffentlichte und dafür zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt wurde.

Weitere Nachrichten rund um US-Präsident Donald Trump

Es ist nicht ungewöhnlich, dass US-Präsident Donald Trump für Nachrichten sorgt, die eher ungewöhnlich für einen US-Präsidenten sind. Derzeit steht er in der Kritik, weil Vizepräsident Mike Pence in seinem Golfressort in Irland residiert hatte - obwohl er in der drei Stunden entfernten irischen Hauptstadt Dublin ein Treffen hatte. Im Wahlkampf spottet Donald Trump derzeit über die parteiinterne Konkurrenz* im Vorlauf zu den nächsten Präsidentschaftswahlen.

Außerdem macht sich Donald Trump über seine eigenen Anhänger lustig. Und auch die Sache mit der Hurrikan-Vorhersage-Karte, auf der jemand mit Filzstift gekritzelt hat, ist noch nicht ausgestanden. Unter dem Hashtag #Sharpiegate wird über dieses Thema diskutiert.

Donald Trump feuert John Bolton

Der rechte Hardliner John Bolton verlässt das Weiße Haus. Ob Donald Trump ihn feuerte oder Bolton kündigte, darüber herrscht Unklarheit. Nicht aber darüber warum Bolton seinen Hut nehmen musste: weil er Donald Trump gleich zweimal widersprochen hatte.

*fr.de ist Teil der bundesweiten Ippen-Digital-Zentralredaktion.

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