Drei Abgeordnete aus unserer Region mieden die Papstrede

Papst Benedikt XVI. ist zu Besuch in Deutschland

Einige Bundestagsabgeordente sind der Rede von Papst Benedikt XVI. vor dem Bundestag am Donnerstag ferngeblieben. Auch unter den Abgeordneten aus unserer Region war die Teilnahme nicht unumstritten, drei blieben gleich ganz fern. Wir haben die Begründungen.

Ulrike Gottschalck (SPD/Kassel): "Der Bundestagspräsident hat den Papst mit Zustimmung aller Fraktionen in den Bundestag eingeladen, diese Entscheidung akzeptiere ich. Ich werde mir die Rede von Benedikt XVI. Allerdings nicht persönlich im Plenum anhören, da ich als evangelische Christin vielen Positionen des Papstes kritisch gegenüber stehe und mir der Personen-Kult, verbunden mit hohen Kosten, doch reichlich übertreiben scheint. Ich wünsche meinen Kolleginnen und Kollegen, die die Rede mit verfolgen werden aber selbstverständlich viel Freude ebenso wie den Gläubigen, die den Papst im Berliner Olympiastadion und weiteren Stationen in Deutschland sehen werden.“

Lesen Sie auch:

- Live-Ticker: Der Papst in Deutschland

- Papst-Rede im Bundestag: Die wichtigsten Aussagen

Nicole Maisch (Grüne/Kassel):
„Ich gehe nicht zur Papstrede. Wenn der Papst als Oberhaupt einer Religionsgemeinschaft vor dem Deutschen Bundestag spricht, verletzt das die Trennung von Kirche und Staat. Da mache ich nicht mit. Die weltanschauliche Neutralität des Staates ist ein hohes Gut, dem wir unter anderem ein humanes Abtreibungsrecht, Religionsfreiheit, eine gute rechtliche Position von Homosexuellen und eine weitgehende Gleichstellung von Frauen und Männern zu verdanken haben. Dieses Gut wiegt für mich höher als die Höflichkeit gegenüber einem Gast.“

Viola von Cramon (Grüne/Northeim): „Die Grüne Fraktion hat sich im Ältestenrat immer kritisch gegenüber einer Rede des Papstes im Bundestag ausgesprochen und es den Abgeordneten selbstverständlich frei gestellt, ob sie teilnehmen möchten. Ich meine, dass wir die Trennung von Staat und Kirche aus gutem Grunde vorgenommen haben und werde deshalb selbst nicht bei der Rede anwesend sein. Der Papst ist meiner Meinung nach mehr Kirchenführer als Staatsoberhaupt. Als bekennende Protestantin und regelmäßige Kirchgängerin ist mir eine offene und tolerante Kirche sehr wichtig. Der Papst hingegen steht leider nicht für die dringend benötigten Reformen in der katholischen Kirche. Er spricht sich gegen Verhütungsmittel aus und verweigert sich somit einer sinnvollen Gesundheitsprävention bei der Aids-Bekämpfung, er distanziert sich nicht ausreichend von den antisemitischen Piusbrüdern und betrachtet Homosexuelle noch immer las Menschen zweiter Klasse. Auch bei der Gleichberechtigung von Frauen und Männern spielt der Papst eine eher traurige Rolle.“

Jürgen Trittin (Grüne/Göttingen): „Der Papst wird auf Einladung des Bundestages als Oberhaupt des Vatikanstaates vor dem Plenum sprechen. Er wird dabei mit dem gleichen Respekt empfangen und behandelt werden wie andere Staatsoberhäupter auch. Dazu gehört, dass die Vorsitzenden der Bundestagsfraktion anwesend sind. Das ist eine Protokoll- keine Glaubensfrage.“

Helmut Heiderich (CDU/Bad Hersfeld): „Der Bundestag hat Papst Benedikt von sich aus zu dieser Rede eingeladen. Schon deshalb ist es selbstverständlich, dass man sie sich auch anhört. Die Art der Diskussion darum ist schon ziemlich erstaunlich. Man muss ja nicht jede Meinung des Papstes teilen, aber er steht für Werte und Fragen,die weit über das hektische Tagesgeschäft hinaus gehen. Europa und Deutschland sind auf dem Fundament des Glaubens und er christlich-abendländischen Tradition entstanden. Wenn der deutsche Papst in das höchste Parlament unseres Landes kommt, dann kommt er einerseits als Staatsoberhaupt und spricht andererseits über politische Fragen, die weit über Deutschland hinaus gehen.“

Bernd Siebert (CDU/Schwalm-Eder): „Ich werde auf jeden Fall im Plenum zugegen sein, wenn Papst Benedikt XVI. zu den Abgeordneten spricht. Für mich als evangelischer Christ ist das ein historisches Ereignis. Ich durfte bereits Papst Johannes Paul II. bei seinem Besuch in Berlin persönlich kennen lernen. Bundestagspräsident Lammert hat in Absprache mit allen Fraktionen den Papst zu seiner Rede im Plenum eingeladen. Wir sind ein Land mit christlicher Tradition und stehen auf einem christlichen Wertefundament. Das bewusste Boykottieren des Oberhauptes der katholischen Kirche durch einige Abgeordnete ist deswegen ideologische Verblendung.“

Sören Bartol (SPD/Marburg): „Ich werde mir anhören, was der Papst zu sagen hat. Ich erwarte gleichzeitig, dass er seine Deutschlandreise nutzt, um auch kontroverse Themen anzusprechen. Dazu gehören für mich Ökumene, Frauenrechte, Verhütung und Homosexualität, wo ich mir Veränderungen bei der katholischen Kirche wünsche. Der Papst sollte außerdem Worte der Klärung und der Entschuldigung finden an die Kinder, die in katholischen Heimen gelitten haben oder von Priestern sexuell missbraucht wurden.“

Mechthild Dyckmans (FDP/Kassel): „Ich werde selbstverständlich an der Rede des Papstes vor dem Deutschen Bundestag teilnehmen, ebenso wie an der Messe im Olympiastadion. Papst Benedikt XVI. ist in seinem Rederecht nicht anders zu beurteilen als andere Staats- und Regierungschefs, die in der Vergangenheit bereits im Plenum des Deutschen Bundestages gesprochen haben. Dabei spielen etwaige Vorbehalte gegen die katholische Kirche genauso wenig eine Rolle, wie die Tatsache, dass der Papst für viele Menschen – auch in Deutschland – eine moralische Instanz ist. Abgesehen davon, das Benedikt XVI. geistiger Anführer von mehr als 1,2 Milliarden Katholiken ist, gebührt ihm Respekt als Staatsoberhaupt eines völkerrechtlich anerkannten Staates.“

Dr. Lutz Knopek (FDP/Göttingen/Osterode): „Ja, ich werde anwesend sein. Auch wenn ich es kritisch sehe, dass nun zum ersten Mal ein Religionsführer im Deutschen Bundestag spricht, will ich die Chance nutzen, zu hören, was Herr Ratzinger zu sagen hat.“

Björn Sänger (FDP/Waldeck/Kassel-Land): „Ich werde selbstverständlich bei der Rede des Papstes im Deutschen Bundestag anwesend sein. Ich teile zwar nicht alle Ansichten und Meinungen des Papstes oder der katholischen Kirche, als Abgeordneter ist es für mich aber eine Frage des Respekts und des Anstands der Person und seiner Meinung gegenüber, mir diese auch anzuhören. Außerdem repräsentiere ich auch viele Katholiken aus unserer Heimat im Deutschen Bundestag und auch diesen Bürgern gegenüber wäre es respektlos, der Rede fernzubleiben.“

Thomas Oppermann (SPD/Göttingen): „Ich bin gespannt auf die Rede des Papstes. Er ist eine herausragende Person der Zeitgeschichte. Ich rechne damit, dass er über aktuelle weltpolitische Fragen sprechen wird. Der Papst ist aber auch Kirchenoberhaupt. Insofern habe ich Verständnis dafür, dass sein Auftritt vor dem Bundestag kontrovers beurteilt wird. Die religiöse und weltanschauliche Neutralität des Staates wird aber nicht beeinträchtigt. Ich werde, so wie die meisten Abgeordneten der SPD, im Plenum sein. Es bleibt jedem Abgeordneten freigestellt, ob er zu der Rede komm oder nicht.“

Gabriele Lösekrug-Möller (SPD/Uslar/Weserbergland): „Mit seinem Besuch folgt der Papst der Einladung des Bundestagspräsidenten. Ich begrüße es, dass der Bundestagspräsident herausragenden und hochrangigen Gästen die Chance gibt, vor den Abgeordneten des Bundestages zu sprechen. Papst Benedikt XVI. wird damit der Erste sein, der außerhalb einer feierlichen Gedenkstunde zu uns Parlamentariern sprechen wird. Ich sehe dies nicht als einmaligen Vorgang sondern als erstmaliges Ereignis und wünsche mir, dass er Deutsche Bundestag ähnlich bedeutenden Personen diese Möglichkeit ebenfalls eröffnet. Ich werde der Rede des Papstes zuhören.“

Der Papst in Deutschland: Die ersten Bilder

Der Papst in Deutschland: Die ersten Bilder

Michael Roth (SPD/ Bad Hersfeld): „Dass der Papst als religiöses Oberhaupt eine Rede vor dem Deutschen Bundestag hält, darf zu recht strittig diskutiert werden. Er ist aber nun eingeladen. Da sollte sich unser Parlament als Gastgeber von seiner guten Seite zeigen und dem Gast mit Respekt begegnen. Mit dem Papst stimme ich in einer Reihe von politischen Fragen überein, beispielsweise in seiner Kritik am Raubtierkapitalismus und seinem Appell für internationale Solidarität. Viel seiner gesellschaftspolitischen Standpunkte lehne ich dezidiert ab. Aber das wird mich nicht davon abhalten, ihm an meinem Arbeitsplatz aufmerksam zuzuhören.“

Ullrich Meßmer (SPD/Waldeck): „Der Respekt gebietet es, dem Papst zuzuhören. Sicherlich habe ich in vielen Punkten eine andere Meinung als das Oberhaupt der katholischen Kirche. Etwa zu Schwangerschaftsverhütung- und -abbruch und zum Zölibat. Meine Teilnahme bedeutet also nicht, dass ich mit allem einverstanden sein werde, was er sagt. Eine demokratische Gesellschaft lebt aber davon, dass man sich gegenseitig zuhört – und das werde ich tun. Eine Erwartung habe ich allerdings: Dass der Papst sehr klare Worte findet zu den vielen Missbrauchsfällen in seiner Kirche. An dieser Stelle muss sich wirklich etwas bewegen.“

Dr. Edgar Franke (SPD/Schwalm-Eder): „Ich werde im Plenum des Deutschen Bundestages sein, wen der Papst dort redet. Für mich ist es ein Gebot des Respekts und der Höflichkeit gegenüber einem vom Bundestag eingeladenen Staatsgast. Als Protestant und politischer Mensch bin ich nicht immer mit allem einverstanden, was der Papst sagt und was die katholische Kirchliche vertritt. Meinungsfreiheit und Toleranz können aber nur gelebt werden, wenn man sich mit anderen religiösen sowie politischen Ansichten auseinandersetzt. In diesem wohlverstandenen Sinn bin ich gespannt auf die Rede des Papstes im Bundestag.“

Papst Benedikt XVI in Bildern

Papst Benedikt XVI in Bildern

Hartwig Fischer (CDU/Göttingen): „Ich werde selbstverständlich an der Bundestagssitzung teilnehmen. Der Papst ist vom Präsidium des Deutschen Bundestages einstimmig eingeladen worden. Wer als gewählter Vertreter des Volkes nicht mehr zuhören kann, sollte sein Mandat abgeben!“

Dr. Wilhelm Priesmeier (SPD/Dassel): „Ich habe keine besonderen Erwartungen an die Papstrede, außer das er klar Stellung bezieht zu den Missbrauchsskandalen, den Vergehen an Kindern und Jugendlichen. Diese Vorgänge dürfen nicht im Tresor der Kirche eingeschlossen und vergessen werden.“

Jutta Krellmann (Linke/Hameln-Pyrmont-Holzminden): Hat keine Stellungnahme geschickt.

Von Diana Rissmann

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.