Tod von drei Babys weiter unklar - Vater vernommen

Gießen/Langgöns. Die Todesursache der drei Babys aus dem mittelhessischen Langgöns ist auch mehrere Tage nach dem grausigen Leichenfund noch immer unklar.

Ermittler und Gerichtsmediziner versuchen weiter herauszufinden, weshalb die beiden Jungen und der dritte Säuglings starben. Das Geschlecht eines Kindes ist noch unklar.

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Die Befragung von Zeugen und den Eltern sind nach Angaben der Staatsanwaltschaft vom Freitag auch noch nicht abgeschlossen. Die 40 Jahre alte Mutter gibt an, alle drei Kinder tot zur Welt gebracht zu haben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Anfangsverdachts eines dreifachen, vorsätzlichen Tötungsdeliktes gegen sie. Haftbefehl hat die Anklagebehörde aber nicht beantragt, weil kein dringender Tatverdacht bestehe.

Aussagen musste auch der Vater der Babys. Zum Inhalt der Gespräche und zum Verhältnis des Mannes zu der 40-Jährigen machte die Gießener Staatsanwältin Ute Sehlbach-Schellenberg jedoch keine Angaben. Sie sagte lediglich, dass die Frau auch mehrere lebende Kinder hat.

Der Ex-Mann der 40-Jährigen hat nach einem Bericht der „Bild“-Zeitung (Freitag) die toten Babys gefunden. Er stehe unter Schock und frage sich: „Was ist, wenn die DNA-Analyse ergibt, dass ich der Vater bin?“, berichtete die Zeitung.

Die Staatsanwaltschaft äußerte sich nicht zu dem Bericht.

Gynäkologen halten drei Totgeburten zwar für selten, aber nicht für unmöglich. Ungeborene könnten im Mutterleib unter anderem an Mangelernährung sterben, wenn die Plazenta (Mutterkuchen) nicht ausreichend versorgt wird, sagte der Vorsitzende des Berufsverbands der Frauenärzte in Hessen, Klaus König, der Nachrichtenagentur dpa. Statistisch kommen auf 100.000 Geburten bundesweit 535 Totgeburten (2010) - in Hessen 587, wie aus den Gesundheitsdaten des Bundes hervor geht.

Dabei werden aber auch die Säuglinge erfasst, die während der Geburt oder innerhalb der ersten Woche sterben. Die Babyleichen, die bei der Wohnungsauflösung der 40-Jährigen in Campingboxen im Keller und einer Garage gefunden wurden, waren bereits so verwest, dass es fraglich ist, ob die Todesursache noch ermittelt werden kann. Wenn die Frau strafrechtlich wegen eines Tötungsdeliktes verantwortlich gemacht werden soll, müsse nachweisbar sein, dass sie die Kinder lebend geboren hat, sagte der Marburger Strafrechtler Georg Freund.

Außer der Obduktion könnten den Ermittlern noch Indizien helfen. Die Beweislage ist nach Einschätzung von Behördensprecherin Sehlbach-Schellenberg allerdings äußerst schwierig. Es sei möglich, dass der 40-Jährigen kein Tötungsdelikt nachgewiesen werden könne und die Ermittlungen eingestellt werden müssten. „Vor diesem Hintergrund wäre es fatal, wenn private Details der Mutter und ihrer Angehörigen vonseiten der Ermittlungsbehörden veröffentlicht würden“, begründete sie die Zurückhaltung ihrer Behörde bei den Informationen über die Verdächtige.

Es müsse immer zwischen den Persönlichkeitsrechten der Betroffenen und dem Interesse der Öffentlichkeit abgewogen werden, sagte Sehlbach-Schellenberg. In diesem Fall habe der Schutz der Frau derzeit Vorrang. „Dass wir damit nicht falsch liegen, zeigen auch aufsehenerregende Fälle der jüngeren Vergangenheit“, betonte die Staatsanwältin. (dpa)

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