Staatsanwaltschaft geht von Defekt an Heizungsanlage eines Wohnblocks aus

Reportage: Das Gas-Drama in Wiesbaden

Wiesbaden. Der Tod kam schleichend: Ausgetretenes Gas aus einer defekten Heizung hat in Wiesbaden ein Ehepaar und dessen 14 Jahre alten Sohn tödlich vergiftet. Eine Reportage von HNA-Landeskorrespondentin Petra Wettlaufer-Pohl.

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- Heizung defekt: Tote und Verletzte in Wohnblock

Noch am Nachmittag herrscht blankes Entsetzen bei den Menschen am Klagenfurter Ring in Wiesbaden. Im Haus Nummer 76 waren am Donnerstagmorgen drei Tote geborgen worden, die mutmaßlich an einer Kohlenmonoxidvergiftung gestorben waren: Eine 34-jährige Frau, ihr 41 Jahre alter Mann und ein 14-jähriger Sohn kamen im Schlaf ums Leben, zwei weitere Söhne der türkischen Familie, fünf und elf Jahre alt, wurden in lebensbedrohlichem Zustand ins Krankenhaus gebracht. Der Wohnblock mit 36 Wohnungen wurde evakuiert.

In der Nachbarschaft geht die Angst um, „wir wissen ja nicht, ob so was bei uns auch passieren kann“, beklagen mehrere junge Frauen vor dem Kindergarten am Gräselberg; ein Viertel im Stadtteil Biebrich, in dem viele Nationalitäten vertreten sind. „Darf man eigentlich die Fenster aufmachen?“ Ja, sagt ein ASB-Helfer, da bestehe keine Gefahr.

In den Raum des Stadtteiltreffs lassen die Helfer die Presse nicht herein. Hier werden die Mieter aus Haus 76 versorgt, sofern sie nicht bei Freunden oder Verwandten untergekommen sind. „Der Verein Manna Mobil hat sich spontan um die Versorgung gekümmert“ erzählt Ralf Gerke. Manna Mobil ist am Gräselberg aktiv und gibt Kindern armer Familien kostenloses Mitagessen. Gerke ist Vorstand der Wohnungsbaugenossenschaft schaft Geno 50, zu der auch das Haus Nummer 76 gehört. Ansonsten ist er jedoch wortkarg und verweist auf die Polizei. „Wir wissen auch nichts“, sagt er.

Heizung defekt: Tote und Verletzte in Wohnblock

Dass die Katastrophe in dem erst vor fünf Jahren komplett renovierten Wohnblock nicht noch mehr Opfer forderte, ist einem Notarzt zu verdanken, der zu einem 23-Jährigen in einer anderen Wohnung gerufen worden war. Der junge Mann hatte sich morgens unwohl gefühlt, der Arzt hatte sofort eine Kohlenmonoxidvergiftung erkannt und die Feuerwehr alarmiert.

„Es war furchtbar, so viel Blaulichter und Sirenen“, beschreibt vor der Apotheke eine Frau die Situation in der Frühe, den Schrecken noch im Gesicht. 100 Helfer waren am Morgen im Einsatz, die Polizei hat das Grundstück abgesperrt, bis die Heizungsanlage wieder freigegeben wird und die Mieter zurückkehren.

Die Toten wurden am Nachmittag in der Frankfurter Gerichtsmedizin obduziert. Die Staatsanwaltschaft nimmt aber an, dass es sich um Gasvergiftung handelt. „Wir haben kein Ermittlungsverfahren gegen Personen begonnen, da wir von einem Unglück ausgehen“, sagte ein Sprecher der Behörde. Sachverständige seien den ganzen Tag mit der Suche nach der Ursache beschäftigt. Die Feuerwehr habe künstlichen Nebel in das Haus eingeleitet, um den Weg des Gases zu verfolgen. Am Nachmittag habe es keine Kontaminationen mehr gegeben.

Ob die Menschen am Gräselberg gut schlafen werden, ist eine andere Frage. „Stell Dir vor du liegst im Bett und merkst nichts“, sagt eine Nachbarin leise vor sich hin.

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