Dritter Galavit-Prozess gestartet - Betrug mit "Krebswundermittel"

Kassel. Mit der Verlesung vorangegangener Urteile und der Revisionserwiderung des Bundesgerichtshofes (BGH) hat am Donnerstag vor dem Kasseler Landgericht die dritte Auflage des sogenannten Galavit-Prozesses begonnen.

Für zwei der ursprünglich fünf Mitglieder einer Betrügerbande soll das Strafmaß neu festgesetzt werden. Die Gruppe hatte in den Jahren 2000 und 2001 in der Bad Karlshafener Privatklinik Carolinum (Landkreis Kassel) weit über 100 Schwerstkrebskranke mit dem angeblichen russischen Wundermittel Galavit abgezockt.

Betrogene Patienten längst tot

Die beiden 40 und 62 Jahre alten Angeklagten wehren sich seit dem ersten Urteilsspruch 2006 gegen ihre Verurteilung zu Haft- sowie Bewährungsstrafen. Bei dem Prozess damals konnten nur noch neun der 132 betrogenen Patienten, deren Fälle verhandelt wurden, als Zeugen aussagen. Die anderen waren längst tot – viele gestorben nur Wochen nach der Galavit-Kur für jeweils 8500 Euro.

Die Urteile gegen zwei weitere Angeklagte sind inzwischen rechtskräftig. Das Verfahren gegen den fünften Mann, einen Arzt, ist vorläufig eingestellt: wegen Verhandlungsunfähigkeit.

Nach der zweiten Zurückverweisung des Falles durch den BGH soll nun noch einmal ermittelt werden, welcher finanzielle Schaden der Betrugsopfer den Angeklagten angelastet werden darf.

Das Galavit-Geschäft in Deutschland, aus dem nach Erkenntnissen des Gerichts möglicherweise auch größere Summen an russische Hintermänner flossen, ist offensichtlich tot. Das eigentliche Ziel des in Russland als Entzündungshemmer verkauften Pulvers ist aber der US-Markt.

Eine Pharmafirma nahe Boston/USA beschäftigt sich nach eigener Darstellung weiter mit dem Galavit-Grundstoff Luminol. Unter anderem im Visier der Firma: Mittel gegen Alzheimer und Parkinson. Bis vor Kurzem nannte die Homepage der US-Firma noch zwei Niederlassungen in Deutschland: Die Telefonnummern führten direkt ins Umfeld eines der in Kassel verurteilten Galavit-Betrüger.

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