Kommentar zum drohenden Streik bei der Lufthansa: Ende der Solidarität

Im Streit um ihre Betriebsrenten haben die Flugbegleiter der Lufthansa eine letzte Frist gesetzt. Verstreicht sie ungenutzt, müssen Fluggäste den ganzen Sommer über mit Streiks rechnen. Ein Kommentart von HNA-Nachrichtenchef Tibor Pézsa.

Manchmal muss man die Kavallerie gar nicht ausrücken lassen. Wichtig ist nur, dass die Indianer wissen, dass es die Kavallerie gibt und dass sie jederzeit ausrücken könnte. So begründete der damalige Bundesfinanzminister Peer Steinbrück seine Drohungen gegenüber der Schweiz.

Die Flugbegleiter der Lufthansa bedienen sich nun gegenüber ihrem Arbeitgeber derselben Taktik. Allein schon ihre Drohung, dass Lufthansa-Kunden sich ab 1. Juli den ganzen Sommer über nicht sicher sein können, ob und wann ihre Flüge kurzfristig ausfallen, dürfte machtvoller wirken als jeder einzelne tatsächlich bestreikte Flug.

Denn was sollen Lufthansa-Kunden so kurz vor der Reisezeit mit dieser Ankündigung anfangen? Allein die Aussicht, dass die ohnehin schon knappen Urlaubstage mit elenden Wartezeiten in irgendwelchen Flughafen-Wartehallen unrettbar verkürzt werden könnten, dürfte schon jetzt zu Umbuchungen führen - sicherheitshalber. So brauchen die Flugbegleiter keinen einzigen Streiktag, um die Lufthansa schon mal einen richtigen Streik vorkosten zu lassen.

Dabei ist die Fluggesellschaft selbst nur ein Opfer der Nullzins-Politik der Europäischen Zentralbank. Sie kann keine Zinsversprechen auf Altersrückstellungen aus eigener Kraft ersetzen, wenn es diese Zinsen nun einmal nicht mehr gibt. Nun kommt es darauf an, dass die Lufthansa und ihre Flugbegleiter möglichst schnell einen Kompromiss finden. Bis dahin sägen beide fleißig weiter an dem Ast, auf dem sie sitzen.

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