Auftakt im Rennen um den SPD-Spitzenkandidaten zwischen Stephan Weil und Olaf Lies

Das Duell

Einträchtig beieinander: Stephan Weil (links) und Olaf Lies, die beiden möglichen Herausforderer von Ministerpräsident David McAllister bei der Landtagswahl 2013, standen sich in Lüneburg im ersten direkten Duell vor der SPD-Basis gegenüber. Foto: dpa

Lüneburg. Leidenschaft gegen Seriosität – Visionen gegen kommunalpolitischen Pragmatismus: Niedersachsens SPD hat das Casting für den Herausforderer von Ministerpräsident David McAllister (CDU) bei der Landtagswahl am 20. Januar 2013 gestartet. Landeschef Olaf Lies und Hannovers Oberbürgermeister Stephan Weil stellen sich in Lüneburg im direkten Duell erstmals der Basis.

In der Vamos-Kulturhalle auf dem Uni-Gelände spielt demnächst die Coverband „Die toten Ärzte“ auf, Schauspielerin Hannelore Elsner berichtet aus ihrem bewegten Leben. Jetzt stehen am Dienstag abend zwei zunächst etwas unsicher wirkende Herren im grellen Licht der Showbühne, lächeln sich freundlich an, getrennt durch die Moderatorin Christiane Harthun-Kollbaum.

Die niedersächsischen Genossen suchen ihren Superstar, es ist der mit Spannung erwartete Tourneeauftakt, die erste von sieben Regionalkonferenzen. Am 1. Advent haben die 65 000 Parteimitglieder das letzte Wort; sie entscheiden per Ur- und Urnenwahl, wer sie als Spitzenkandidat in die nächste Landtagswahl führen soll.

Nun aber muss der 44-jährige Friese vor 300 Zuschauern erst einmal Fragen nach seinen Schwächen über sich ergehen lassen. „Ich kann nicht nein sagen“, antwortet der Elektroingenieur. Dann erläutert er seine Visionen von einem gerechten und sozialen Niedersachsen. Es wird ein leidenschaftliches, manchmal in hektischen Stakkatosätzen gehaltenes Plädoyer für bessere Ganztagsangebote, Abschaffung der Studiengebühren und einen eng getakteten Personenverkehr, gegen die „Sauereien auf dem Arbeitsmarkt“, gegen die Schere zwischen Arm und Reich. Und natürlich gegen die „abgewirtschaftete“ CDU/FDP-Landesregierung. Für seinen Mitbewerber gibt es ein braves Lob für fairen und menschlichen Umgang untereinander.

Weil gibt die Blumen umgehend zurück: „Olaf ist unbestritten ein politisches Talent“, erklärt der 52-Jährige Jurist und spielt seine Karten Seriosität und Erfahrung aus. „Wir müssen attraktiv sein auch für Wählergruppen über das Spektrum der SPD hinaus.“ Vertrauenswürdigkeit des Kandidaten sei vonnöten, fügt Weil an, und es soll natürlich wie eine Selbstbeschreibung klingen. Politisch offenbart er so gut wie keine Unterschiede zum Konkurrenten, Punkte muss also allein das Auftreten bringen.

Statt von einem gerechten Niedersachsen zu schwärmen, warnt er angesichts der Finanzprobleme von Land und Kommunen seine Genossen lieber vor allzu großen Hoffnungen. „Mit mir gibt es keine Blankoversprechen. Das müsst ihr wissen.“ Gleichwohl zeigt der OB sich kämpferisch: „Wir können und wir werden gewinnen.“

Ein klarer Sieger im Duell zwischen Weil/Lies lässt sich nicht ausmachen. „Unentschieden, mit leichten Feldvorteilen für Weil“, lautet das Urteil im Publikum.

Von Peter Mlodoch

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