Dürre in Afrika: Der ärgste Feind ist wieder da

Ausgetrocknete Felder, dürre Äste: So wie hier in der Nähe des Molatedi-Staudamms in Südafrika sieht es in weiten Teilen des Landes aus. Seit November hat es nicht mehr geregnet. Auch andere Länder des Kontinents leiden. Foto: dpa

Schlimmer denn je: In Teilen Afrikas herrschen erneut Trockenheit, Hunger und Durst. Die Menschen beten um Regen.

In Südafrika beten Christen, Muslime und Hindus oft gemeinsam. Zu verschiedenen Göttern, aber mit dem gleichen Wunsch: Regen. Der letzte kam Anfang November, und es waren nur ein paar Tropfen. Der Boden ist staubtrocken und rissig, hier wächst nichts mehr. Das Thermometer klettert auf 40 Grad und mehr. Das Land erlebt die härteste Dürre seit Mitte der 90er-Jahre. Nach Jahren des Jubels über ein gutes Wirtschaftswachstum und Fortschritten bei der Armutsbekämpfung schlagen die beiden größten Feinde Afrikas erbarmungslos wieder zu: Durst und Hunger. Das kann auch Fluchtbewegungen auslösen, Experten rechnen bereits damit.

Das Warten auf Wasser

In den Dörfern und Städten der Republik Südafrika gibt es immer wieder bizarre Szenen: Dann stehen viele Meter lang leere Eimer an den Straßen, es sind Hunderte. Ihre Besitzer lassen sie nicht einen Moment aus den Augen. Dann kommt ein Tankwagen. Der Fahrer hat klare Anweisungen: 50 Liter Wasser gibt es pro Haushalt und Woche, nicht mehr. Das muss für Familien mit oftmals fünf oder mehr Kindern reichen – zum Kochen, Waschen und Trinken. In vielen Städten hat die Wasserversorgung ihren Geist aufgegeben, Pumpen sind kaputt, Leitungen verrostet. Und auch da, wo die Technik funktioniert, ist es kaum besser. Die Stauseen sind so gut wie leer, das bisschen Flüssigkeit, das sie noch enthalten, wird vor allem für die kargen Felder gebraucht.

Verantwortlich für die Dürre ist das weltweit gefürchtete Wetterphänomen El Nino, das für heftige Niederschläge in Teilen des Kontinents sorgt, die dann in anderen Ländern fehlen (siehe Artikel unten). Südafrika ist dabei nur ein Beispiel von vielen betroffenen Ländern.

Die Grundnahrung

Eines der Grundnahrungsmittel ist Mais. Aus ihm wird ein Brei angerührt, der täglich auf Millionen von Tellern landet. In normalen Jahren liegt die Ernte für weißen Mais, den Menschen essen, und gelben Mais, der zu Tierfutter verarbeitet wird, bei zusammen elf Millionen Tonnen. Der südafrikanische Bauernverband Agrisa schätzt die Ausbeute in diesem Jahr auf noch 4,7 Millionen Tonnen. Als wäre das nicht schon schlimm genug: Durch die anhaltende Dürre konnten deutlich weniger neue Maispflanzen in die staubtrockenen Felder gesät werden – 1,3 Millionen Hektar statt den sonst üblichen 2,6 Millionen, schätzt der Bauernverband.

Die Stauseen

Die großen Stauseen des Landes sind auch in normalen Zeiten auf 38 Millionen Einwohner ausgelegt, inzwischen leben in Südafrika bereits 52 Millionen Menschen. Bereits heute sind 14 Millionen auf staatliche Hilfen angewiesen.

Noch immer ist die Schere zwischen armer und reicher Bevölkerung dramatisch und äußert sich nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung mitunter geradezu menschenverachtend: In vielen Reichenvierteln werden bei der heftigen Hitze stets die Swimmingpools neu befüllt und der Rasen gesprengt. Viele Bewohner dort waschen auch täglich ihre Autos. Weil die Straßen wegen der Trockenheit so staubig sind.

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