Eder, Werra und Co: Flusspegel sinken

Vorsicht, Dürre: Wasser abschöpfen kann bis zu 50.000 Euro kosten

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Frisches Wasser aus der Gießkanne für den Garten: Vor allem in den östlichen Bundesländern ist wegen niedriger Pegelstände Schöpfen und Pumpen aus Oberflächengewässern untersagt. 

Kassel. Jetzt wird es richtig heiß und trocken: In Ostdeutschland soll man nicht mal mehr Gießkannen aus Bächen füllen – es droht Bußgeld bis zu 50.000 Euro. Gibt es solche Auflagen auch bei uns?

Eder, Schwalm, Werra, Orke oder Efze: Vielfach liegen Flusspegel in der Region nach langer Trockenheit unterhalb des mittleren Niedrigwassers. Regen ist nicht in Sicht. Nordhessens Landkreise prüfen, ob sie die Nutzung von Oberflächengewässern einschränken.

Im Gefolge der Dürre gibt es Schöpfverbote oder mindestens dringende Appelle seit Wochen schon in Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg oder im Breisgau am Oberrhein. Raus mit Pumpen und Schläuchen, nicht mal mehr Gießkannen sollen mancherorts aus Bächen gefüllt werden – es droht Bußgeld bis zu 50 000 Euro.

Die Situation in Hessen

Auch in Nordhessen rücken solche Auflagen für Seen, Flüsse und Bäche in Sicht. Bei Niedrigwasser müsse man einschreiten, hieß es im Regierungspräsidium Kassel. Behörden in Südhessen haben schon Anfang Juli untersagt, Bäche im Rheingau-Taunus-Kreis, im Vordertaunus, im Rheingau und in Wiesbaden weiter anzuzapfen.

Normalerweise darf, wer immer will, aus Bächen und Flüssen Wasser schöpfen. Aber nur, solange Handgefäße benutzt werden, Gießkannen oder Eimer. Dieses Jedermannsrecht zum Gemeingebrauch und auch weitergehende Rechte zum Abpumpen können aber beschränkt werden: Gemeinwohl geht vor.

Das Video stammt nicht von hna.de, sondern von der Plattform Glomex und dpa.

Wenn wie jetzt Flora und Fauna in Wasserläufen auf der Kippe stehen, „ist dem Überleben der Gewässerbewohner Vorrang vor dem Bewässern von Blumen und Gemüsepflanzen einzuräumen“, sagen Juristen des Wiesbadener Umweltministeriums. Wenig Wasser heißt wenig Sauerstoff und viel Algenwuchs. In Bächen und Flüssen stünden dann streckenweise nur noch Grundwasser und Kläranlagenabflüsse, so Hessens Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG). Schlimmstenfalls drohe Fischsterben in den Rinnsalen.

Der Juni hat Hessen laut HLNUG weniger als die Hälfte des langjährigen Regenmittels gebracht. Außergewöhnlich trocken sei es schon seit gut einem halben Jahr. Pegelstände auf der HLNUG-Homepage liegen für Nordhessen großteils unter dem mittleren Niedrigwasserabfluss.

Darf der Kalikonzern K+S im osthessischen Werrarevier da noch Salzabwässer in die geschrumpfte Werra leiten? „Stand heute ist: noch“, hieß es am Freitag in der Konzernzentrale. Dass die Einleitung gestoppt wird, ist bei Niedrigwasser zwingend – dann, wenn unkontrollierbare Salzwasserzutritte aus der Tiefe in den Fluss die Grenzwerte schon allein ausschöpfen.

Hier gibt es die Pegelwerte der hessischen Flüsse.

Die Situation in Niedersachsen

Weil die durchschnittliche Füllmenge im Edersee unterschritten sei, werde der Abfluss Richtung Weser etwas gedrosselt, meldete der WDR am Wochenende: Das senke den Pegel bei Porta-Westfalica um fünf Zentimeter auf 1,35 Meter. Auf der Elbe hat Niedrigwasser Frachtschiffe und Fähren schon ausgebremst.

Über Schöpfverbote wie in Hessen ist aus Niedersachsen (noch) nichts bekannt. Dass Versorger hier im Mai regional die Nutzung von Trinkwasser fürs Gießen und Sprengen verboten, hatte mit trockenfallenden Flüssen nichts zu tun. Hier kam, etwa im Raum Stade, Wasser nur tröpfchenweise aus dem Hahn. Das Rasensprengverbot sollte Nachfragespitzen dämpfen, die den Druck in Wasserleitungen zu stark abfallen ließen.

Die niedersächsischen Pegelwerte.

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