Duisburg: Sauerland-Nachfolger gesucht

Duisburg - Duisburgs Wähler haben CDU-Oberbürgermeister Sauerland aus dem Amt gejagt. Für die Nachfolge wollen seine Gegner nach einem Konsens- Kandidaten suchen.

Rund eineinhalb Jahre nach der Loveparade- Katastrophe mit 21 Toten bekommt Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland die politischen Konsequenzen zu spüren und muss gehen. Der CDU-Politiker wurde am Sonntag mit großer Mehrheit aus dem Amt gewählt.

Für den Abwahlantrag einer Bürgerinitiative stimmten nach Angaben der Stadt vom Sonntagabend 129 833 Wähler. Das waren deutlich mehr als die für eine Abwahl notwendigen rund 92 000 Stimmen. Sauerland ist der erste Rathauschef in einer nordrhein-westfälischen Großstadt, der auf diese Weise seinen Posten einbüßt. Die CDU hat damit vorerst ihren letzten Oberbürgermeister in den großen Städten des Ruhrgebiets verloren.

Der Generalsekretär der NRW-CDU, Oliver Wittke, hob die Leistung des Kommunalpolitikers hervor. “Adolf Sauerland hat sich für die Stadt Duisburg große Verdienste erworben und ihr nach vielen Jahren des Stillstands wieder eine Zukunftsperspektive aufgezeigt“, hieß es in einer Mitteilung. Sauerland hatte den Oberbürgermeister-Sessel in der SPD-Hochburg Duisburg 2004 erobert und fünf Jahre später verteidigt.

Bilder: Massenpanik auf der Loveparade

Bilder: Massenpanik auf der Loveparade

Der 56-Jährige reagierte sehr betroffen. “Zu meiner Amtszeit gehören viele positive Ereignisse, aber eben auch die Loveparade“, sagte Sauerland nach Bekanntgabe des Abwahl-Ergebnisses. “Ich war gern Oberbürgermeister mit Herzblut und Leidenschaft.“ Er hoffe, “dass die politischen Parteien jetzt die Kraft haben, aufeinander zuzugehen“.

Ein Nachfolger für Sauerland muss innerhalb von sechs Monaten gewählt werden. Das Abwahlbündnis, zu dem neben der Bürgerinitiative auch SPD, Linke, Grüne und Gewerkschaften gehörten, will nach einem Konsens-Kandidaten suchen. “Wir brauchen jetzt einen Kandidaten, der parteiübergreifend unterstützt wird“, sagte einer der Sprecher des Bündnisses, Theo Steegmann.

Auch der Duisburger SPD-Geschäftsführer Jörg Lorenz zeigte sich offen für eine parteiübergreifende Lösung. “Es ist wichtig, dass wir jetzt mit allen reden.“ Die SPD werde in Gremiensitzungen am Montag beraten und um einen Verhandlungsauftrag mit den anderen Parteien bitten. Im Duisburger Stadtrat gibt es seit Anfang vergangenen Jahres eine rot-rot-grüne Zusammenarbeit.

Oberbürgermeister Sauerland und die Duisburger CDU hatten das Abwahlverfahren als “Kampagne“ und “parteipolitische Abrechnung“ kritisiert, die nichts mit der Loveparade zu tun habe.

Sauerland scheidet nach der Sitzung des Wahlausschusses am Mittwoch (15.2.) aus dem Amt. Die Stadt wird dann vorübergehend vom 1. Bürgermeister repräsentiert. Der Stadtdirektor übernimmt die Rolle des Chefs der Verwaltung.

dpa

Rubriklistenbild: © dapde

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