Dunkles Geschäft mit Tierkindern

Zu Ramschpreisen verhökert: Zahl der illegal transportierten Welpen steigt

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Den Qualen entronnen: Dieser Golden-Retriever-Welpe wurde im März aus einem Transporter gerettet. Er lebt nun in einem Tierheim bei Nürnberg. Fotos: dpa

Kassel. Der illegale Handel mit Hundewelpen ist ein Millionengeschäft in ganz Europa und nimmt weiter zu. Teils werden die Tiere unter erbärmlichen Bedingungen transportiert. Viele sind krank und sterben jung. Tierschützer warnen vor unseriösen Händlern in Deutschland.

Sie sind erst wenige Wochen alt, manche müssten eigentlich noch gesäugt werden, und haben schon eine quälende Reise quer durch Europa hinter sich. Einen illegalen Transport in engen Boxen über mehrere Tage aus Tschechien, Ungarn, Polen, Rumänien oder der Slowakei. Das Geschäft mit Hundewelpen, die zu Billigpreisen verhökert werden, blüht und nimmt zu.

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Bei den Transporten ist die Dunkelziffer sehr hoch, denn die meisten Fahrzeuge erreichen ihre Ziele in Deutschland oder anderen westeuropäischen Ländern ohne Kontrollen. Nur bei Stichproben fallen sie der Polizei oder dem Zoll auf.

Obwohl es keine konkreten Zahlen gibt, ist die steigende Tendenz beim illegalen Tierhandel nach Erfahrungen der Tierschutzbeauftragten des Landes Hessen, Dr. Madeleine Martin, klar an Webseiten mit immer mehr Kleinanzeigen erkennbar. In ihnen werden die billigen Hunde angeboten. Auch der Deutsche Tierschutzbund und die Tierschutzorganisation „Vier Pfoten“ bestätigten gegenüber unserer Zeitung einen sprunghaften Anstieg. Besonders begehrt seien Huskys, französische Bulldoggen, Mini Malteser und Chihuahuas.

Für Martin ist der illegale Transport der Tiere nur ein Teil des Problems. Sie warnt vor windigen Welpenhändlern, die Hunde zum Teil auch aus Deutschland beziehen. Hier müsse klar zwischen den seriösen Züchtern und „Vermehrern“ unterschieden werden

Junge Hunde würden zwar auch illegal auf Parkplätzen verkauft, in der Regel würden aber Zwischenhändler eingeschaltet. Somit gebe es, so Martin, auch im legalen Handel oft Tierschutzprobleme. Interessenten würde oft fälschlicherweise erklärt, dass die Welpen aus guter Zucht stammten. Bei den Verkaufsgesprächen sei deshalb häufig eine erwachsene Hündin der selben Rasse dabei, die aber gar nicht die Mutter der Welpen sei. Abstammungspapiere würden oftmals einfach gedruckt und seien nicht nachzuverfolgen.

Martin forderte, den Zwischenhandel mit Welpen zu verbieten. Illegaler Welpenhandel sei nicht nur Tierquälerei, sondern gefährde auch den Menschen. Die Hunde seien oft verhaltensgestört (siehe Hintergrund) und neigten häufig zum Beißen.

„Vier Pfoten“ fordert eine EU-weite Chip- und Registrierungspflicht für alle Welpen. Birgit Thiesmann, Leiterin des Kompetenzzentrums Heimtiere bei der Organisation, kritisiert auch die Bedingungen, unter denen Welpen in osteuropäischen Staaten „produziert“ würden. Massenzuchten gebe es häufig in Kellern, niemand kontrolliere das. Die Mütter würden zu „Gebährmaschinen“. Thiesmann: „Das sind oft fürchterliche Zustände“.

Von Peter Klebe  

 

Hintergrund: 

Oft in schlimmer Verfassung  

Die illegal aus osteuropäischen Ländern eingeführten Welpen sind nach übereinstimmenden Angaben von Tierschutzbund und „Vier Pfoten“ oft in sehr schlechter Verfassung. Sie wurden zu jung von der Mutter getrennt, was psychische Probleme verursachen kann. Auf den Transporten sitzen sie eng zusammengepfercht zum Teil in Katzenkäfigen, könne sich nicht bewegen, haben kein Tageslicht und bekommen oft nicht genug zu fressen.

Die jungen Hunde werden nach Angaben von Marius Tünte vom Deutschen Tierschutzbund nicht genügend sozialisiert. Solche Versäumnisse in der Prägephase könnten oft bis in das Erwachsenenalter nicht ausgeglichen werden. Die Welpen sind meist weder entwurmt noch geimpft. Dadurch ist die Ansteckungsgefahr groß. Häufig erkranken die Welpen schwer, auf die Besitzer kommen immense Tierarztkosten zu. (kle)

Das sollten Kunden beim Hundekauf beachten:

Wer einen Hund kaufen möchte, sollte dies direkt beim Züchter und nicht bei Zwischenhändlern tun. Das rät Madeleine Martin, Tierschutzbeauftragte des Landes Hessen. Seriöse Züchter geben ihre Hunde nicht an Händler weiter, sondern suchen sich die Kunden aus. Der Deutsche Tierschutzbund empfiehlt, sich in Tieheimen umzusehen. Auch dort sind viele Rassehunde zu haben.

Tipps im Netz:

• Eine Hundefibel des Landes Hessen

• Eine Kampagne von „Vier Pfoten“ gegen illegalen Welpenhandel

Wer doch zum Händler geht, sollte sich auf jeden Fall dessen tierschutzrechtliche Genehmigung zeigen lassen. Diese werden von den Amtstierärzten nach einer Sachkundeprüfung erteilt. Allerdings würden, so Martin, dabei zwar die Räumlichkeiten des Händlers unter die Lupe genommen, die Tiere würden aber nicht unbedingt auf Verhaltensstörungen überprüft.

Dehalb sollten Welpen im Freien geführt und beobachtet werden. Verhaltensgestörte Tiere zeigen oft kein Interesse am Laufen und wirken verängstigt. Wenn sie nicht umweltsicher seien, hätten sie nur das Leben im Zwinger gekannt, so Martin.

Zum Kauf sollten außerdem Hundekenner mitgenommen oder vorher Tierärzte befragt werden. Schließlich sollte der Kunde eine Probezeit einfordern, in der er den Hund mitnehmen, aber bei Auffälligkeiten wieder abgeben könne.

Kunden sollten nach Zuchtprogrammen und entsprechenden Dachverbände fragen. Könne ein Händler hier keine Auskunft geben, sei Vorsicht angesagt. Ein Hund beim Züchter kostet je nach Rasse zwischen 700 und 1300 Euro, sogenannte „Kofferraumhunde“ werden zwischen 50 und 300 Euro abgegeben. Auch hier können Kunden illegalen Handel erkennen. (kle)

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