Verunsicherung bei den Kunden – Piloten unter psychologischen Druck gesetzt?

Pannenserie bei Ryanair: Dunkle Wolken über Billigflieger

Verunsicherung bei Passagieren: Mehrere außerplanmäßige Landungen innerhalb weniger Tage haben das Image des Billigfliegers angekratzt. Foto:  dpa

Drei außerplanmäßige Landungen innerhalb von vier Tagen haben das Image des Billigfliegers Ryanair schwer ramponiert. Die spanische Regierung drängt wegen der Vorfälle auf mehr nationale Zuständigkeiten bei der Kontrolle ausländischer Fluggesellschaften.

Die EU-Kommission bekräftigte Pläne, die Mitgliedsländer per Gesetz zur gegenseitigen Information über Vorkommnisse im Luftverkehr zu verpflichten.

Haben sich die Piloten richtig verhalten?

Der Luftfahrt-Experte Cord Schellenberg hält das Vorgehen der Ryanair-Piloten für vorbildlich. Es sei allemal besser, mit Problemen während des Fluges offen umzugehen als sie zu vertuschen. „Eine Sicherheitslandung, die angekündigt ist und die von den Behörden nachverfolgt wird, ist eben auch eine wirklich sichere Landung.“ Das bestätigte auch Ryanair: Die Jets seien ohne Probleme gelandet.

Die Pannenserie bei Ryanair dürfte Kunden beunruhigen. Können sie aus Furcht vor einem Absturz jetzt Flüge stornieren?

Passagiere brauchen objektive Anhaltspunkte für ein Sicherheitsproblem, erklärte Reiserechtler Paul Degott. Wenn ein Flug zum Beispiel verschoben werde, aber niemand sagt, was los ist, welches technische Problem es gibt - dann könnte der Gast sagen: Ich will nicht mehr fliegen.

Was kann ich tun, wenn ich mit einer anderen Airline fliege, als der eigentlich gebuchten?

Der Passagier hat immer das Recht, in einer Maschine der gebuchten Fluglinien zu sitzen, sagte Degott. Reiseveranstalter sind verpflichtet, bei der Buchung oder rechtzeitig vor Abflug mitzuteilen, mit wem man fliegt. Wer am Gate ein Flugzeug einer anderen Airline vorfinde, müsse nicht einsteigen.

Pilotenverbände beklagen, dass die Piloten von Ryanair dazu gedrängt werden, mit möglichst wenig Kerosin zu fliegen?

Die Pilotenvereinigung Cockpit kritisiert das Verhalten. „Bei Ryanair ist es Praxis, Listen auszuhängen, auf denen die Piloten in der Reihenfolge ihres Treibstoffverbrauchs aufgelistet werden, um psychologischen Druck auszuüben“, sagt Jörg Handwerg, Pressesprecher der Vereinigung. Es sei inakzeptabel, auf Kosten der Sicherheit, Piloten unter Druck zu setzen.

? Wie äußert sich denn die Airline selbst zu den Vorwürfen?

!Ryanair widersprach sich in missverständlichen Presseerklärungen mehrfach. Gestern forderte Airline-Chef O’Leary in einem Brief an die spanische Verkehrsministerin, dass seiner Ansicht nach falsche Aussagen aus Regierungskreisen, Ryanair könne seine Lizenz in Spanien verlieren, richtiggestellt werden.

Ist denn fliegen mit Ryanair wirklich so billig?

In der Außendarstellung setzt die Fluglinie fast ausschließlich auf den Preis. Für zwölf Euro nach Italien lesen Kunden auf der Website. Immer wieder hat Ryanair sogar Sitzplätze fast verschenkt, weil sie über Zuschläge für Kreditkartennutzung oder die Mitnahme eines Gepäckstücks immer noch etwas an den Kunden verdienten.

Wo spart die Billigairline noch?

Ryanair nutzt Provinzflughäfen mit geringen Gebühren. Die Fluggesellschaft unterhalten keine aufwendige Vertriebsorganisation und spart außerdem bei Personalkosten.

Kann man günstig und trotzdem sicher fliegen?

„Ryanair hat kein positives Sicherheits-Image aufgebaut“, sagt Experte Heinrich Großbongardt. Einen Sicherheitsrabatt könne sich die Airline nicht erlauben, weil die Flieger nur in der Luft Geld bringen. Das funktioniere nur mit Topwartung. (mit dpa)

Von Kathrin Meyer

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