Tiefwasserhafen Jade-Weser-Port: Niedersachsens größtes Infrastrukturprojekt bereitet neuen Ärger

Durch die Spundwand rieselt Sand

Immer an der Wand entlang: An 34 von insgesamt 4000 Verbundstellen soll sich die Spundwand des Tiefwasserhafens unter Wasser geöffnet haben. Die Reparatur eines einzigen Lochs kostet etwa 250 000 Euro. Foto:  dpa

Hannover. Die Kaje des Tiefwasserhafens in Wilhelmshaven ist löchrig. An 34 Stellen der nagelneuen Spundwand tritt unter Wasser Sand aus. „Das ist ärgerlich, aber keine Katastrophe“, sagt der Chef der Jade-Weser-Port-Realisierungsgesellschaft, Axel Kluth. Sicherheit und pünktliche Inbetriebnahme des Containerterminals seien nicht in Gefahr. Andere Experten und die Landtags-Grünen hegen allerdings Zweifel.

Von „Schlosssprengungen“ sprechen die Fachleute. Die in den Grund der Jade gerammten Stahlbohlen werden von riesigen Hakensystemen, den sogenannten Schlössern, zusammengehalten. 34 der insgesamt 4000 Schlösser an der 1,7 Kilometer langen Spundwand sind nun nach Angaben von Kluth gebrochen; an den dortigen Spalten tritt teilweise Sand des aufgeschütteten Hafenbeckens nach außen.

„Das ist ein lästiger Mangel, aber so etwas kommt immer mal wieder vor“, erklärt der Hafenbauchef im Gespräch mit unserer Zeitung. Die Sanierungsarbeiten seien längst im vollen Gange. Dazu werde von der Landseite aus mit Hochdruckinjektionen ein Zementgemisch in den Sand verpresst. Von der Wasserseite würden dann später die undichten Stellen der Spundwand mit Stahlplatten verschlossen.

Falsche Rammtechnik?

Die Reparatur sei bis zum „frühen Frühjahr“ abgeschlossen, der pünktlichen Inbetriebnahme des Containerhafens am 5. August 2012 stehe „absolut nichts“ entgegen, versichert Kluth. Sorgen, dass es durch Hohlräume zum Absacken der Terminalfläche kommen könne, hält der Geschäftsführer der Jade-Weser-Port-Gesellschaft (JWP-RG) für unbegründet. Die Mängel hätten keine Auswirkungen auf die Installation von Containerbrücken und den späteren Betrieb. „Wir messen dem keine Bedeutung bei“, meint auch Niedersachsens Wirtschaftsminister und Aufsichtsratschef Jörg Bode (FDP).

Das sieht Enno Hagenah, wirtschaftspolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion, ganz anders. „Das ist ja schon eine gebrauchte Kaje, bevor das erste Schiff kommt.“ Man müsse sich fragen, ob die Reparatur wirklich dauerhaft sei und ob nicht noch viel mehr Schlösser in Mitleidenschaft würden. Der gelernte Architekt fordert vom Wirtschaftsministerium einen ausführlichen Bericht über die Ursachen der Schäden an der Spundwand, den Zeitrahmen und die Kosten der Reparatur. Und darüber, wer dafür aufkommen muss.

Über Ursache und Kosten machte JWP-RG-Chef Kluth keine Angaben. Für die Reparatur müsse aber das Baukonsortium aufkommen, nicht die JWP-RG und die dahinter stehenden Länder Niedersachsen und Bremen.

Andere Hafenbauingenieure befürchten dagegen Auswirkungen auf die Statik der Wand. Nach ihren Angaben könnten sich die Reparaturkosten auf bis zu 250 000 Euro belaufen - pro Loch, also auf bis zu insgesamt 8,5 Millionen Euro. Einen möglichen Grund für die Schäden sehen diese Experten in der ihrer Ansicht nach falschen Rammtechnik.

Von Peter Mlodoch

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