Die Ikone der Linken würde heute 75 Jahre

Rudi Dutschke fasziniert bis heute

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Bewegte die Republik: Rudi Dutschke.

Knapp zehn Jahre ist es her, da erhitzte Rudi Dutschke in Berlin noch mal die Gemüter. Im Stadtteil Kreuzberg sollte eine Straße nach der 1979 gestorbenen Ikone der Studentenbewegung benannt werden.

Dass sie direkt am Springer-Verlag vorbeiführte, dem mächtigen Medienkonzern des Dutschke-Widersachers Axel Springer, machte die Sache besonders. Nach jahrelangen Konflikten hatte Berlin 2008 seine Rudi-Dutschke-Straße.

Wer heute die Hochhausschlucht am Checkpoint Charlie durchfährt, ahnt nicht mehr unbedingt, wie sehr der heute vor 75 Jahren in Brandenburg geborene Dutschke die Republik polarisierte. Zwar sind die Hauptaspekte seines Lebens und Wirkens – linke Radikalität, Einstellung zu Gewalt, Verhältnis zu Sozialismus und Parlamentarismus sowie deutscher Teilung (die er ablehnte) – vielfach beleuchtet. Aber es bleibt die Leerstelle seines frühen Todes mit nur 39 Jahren am 24. Dezember 1979, kurz nachdem er bei den gerade erst gegründeten Grünen eine neue politische Heimat gefunden hatte. „Dutschke hätte zweifellos zum Führungspersonal der neuen Grünen gezählt“, sagte im Rückblick sein Mitstreiter Christian Semler.

Am Gründonnerstag 1968 hatte der mutmaßlich rechtsradikale Josef Bachmann den Studentenführer als „dreckiges Kommunistenschwein“ beschimpft – und ihm in den Kopf geschossen. Dutschke musste danach erst wieder sprechen lernen, litt seitdem unter Epilepsie. Nach einem Anfall ertrank er Heiligabend 1979 in der Badewanne.

Dutschke wurde in Berlin-Dahlem begraben – unweit der Freien Universität, an der sein Protest gegen die Nachkriegsgesellschaft, ihre Verdrängung der Nazi-Zeit und ihre Wirtschaftswunder-Politik begann. Auf dem Campus verläuft der ihm zu Ehren benannte Rudi-Dutschke-Weg.

Sein politisches Vermächtnis fasziniert bis heute. Der jüngere Sohn Rudi Marek fragte vor einigen Jahren: „Warum kann man nicht anerkennen, dass sich mein Vater und die Studentenbewegung bleibende Verdienste für ein neues Demokratieverständnis und gesellschaftliche Veränderungen erworben haben?“ Und sein APO-Weggefährte Semler sagte über Dutschke: „Er war gutherzig, das ist ein schönes deutsches Wort. Oder, abfällig gesprochen, ein Gutmensch...“ (dpa)

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