Einst 15 Mitarbeiter, jetzt eine Teilzeitkraft: Der Betrieb in Bienenbüttel hat 90 Prozent an Umsatz eingebüßt

Ehec: Biohof kämpft noch immer

Ratlos: Die Geschäftsführer des Gärtnerhofes Uta Kaltenbach und Klaus Verbeck in ihrem Gewächshaus in Bienenbüttel. Die Ehec-Epidemie im Sommer soll ihren Ausgang auf dem kleinen Biohof genommen haben. Foto:  dpa

Bienenbüttel. Regenwolken hängen an diesem kalten Dezembertag über dem Gärtnerhof in Bienenbüttel. Im Sommer liefen hier im Kreis Uelzen die Spuren bei der Suche nach dem Ehec-Erreger zusammen. Bockshornkleesamen aus Ägypten, der auf dem Gärtnerhof verarbeitet wurde, soll die Epidemie mit über 50 Toten ausgelöst haben - die Indizienkette war nach Angaben der Behörden lückenlos.

„Je dunkler der Himmel, umso heller leuchten die Sterne“, steht auf einer Tafel in der Küche von Uta Kaltenbach und Klaus Verbeck. Trost können die beiden Geschäftsführer des streng vegan geführten Biohofes gebrauchen.

„Das war natürlich eine Schocksituation - wenn einfach das Unvorstellbare passiert“, erinnert sich Klaus Verbeck. „Das ausgerechnet wir das waren. Wir hatten unsere Sprossen analysieren lassen und die waren Ehec-frei. Wir selber haben sie ja auch gegessen.“

Ehec-Bakterien leben im Darm von Wiederkäuern, doch in Bienenbüttel wurde rein pflanzlich gedüngt - keine Gülle, kein Mist. „Das Unglaubliche war, dass wir keine Informationen hatten. Wir wussten nur: Wir sind der Betrieb, der im Verdacht steht - aber warum, das wussten wir nicht.“ Landesbehörden und Bundesbehörden kamen, Journalisten aus aller Welt belagerten tagelang den Gärtnerhof. „Wir haben den Hof gar nicht mehr verlassen“, erinnert sich Verbeck. Hilflosigkeit, Erschöpfung, Verzweiflung - beide erlitten schließlich einen Nervenzusammenbruch. „Irgendwann war es einfach zuviel.“

Wichtigste Einnahmequelle

Kunden und Nachbarn halfen den beiden. Auch der Anbauverband Naturland unterstützte sie, schickte einen Berater. „Hilfe kam auch von Wildfremden“, sagt Verbeck. „Wir bekamen hunderte Unterstützungs-Mails aus aller Welt.“ Sechs Wochen dauerte der Ausnahmezustand, dann konnten die beiden Mitte Juli wieder Gemüse auf dem Wochenmarkt in Lüneburg verkaufen. Doch mit dem Sprossenhandel, wichtigste Einnahmequelle des Hofes, war es aus. Die wirtschaftlichen Folgen waren dramatisch.

Von den 15 Mitarbeitern in Bienenbüttel sind nur eine Teilzeitkraft und eine Aushilfe übrig, der Rest musste gehen. „Heute liegen wir wieder bei 10 Prozent des Vorjahresumsatzes. Im Moment halten wir uns mit dem Verkauf von Maschinen über Wasser“, sagt Verbeck.

Für das Landwirtschaftsministerium in Hannover ist die Indizien-Kette zum Biohof wasserdicht. „Es konnten Verbindungen zwischen dem Betrieb und allen wesentlichen Ausbruchsherden hergestellt werden“, sagt Minister Gert Lindemann. Die Behörden haben aber kaum Zweifel, dass die Sprossensamen in ihrem Herkunftsland Ägypten verunreinigt wurden. Und das Landwirtschaftsministerium betont, dass die hygienischen Rahmenbedingungen in dem Betrieb nicht zu beanstanden gewesen seien. Ein persönliches Verschulden der Betreiber sei nicht erkennbar.

„Da sind so viele Fragen offen und jetzt bleibt es an uns hängen“, sagt Klaus Verbeck. Der Gemüseanbauer ist immer noch ratlos: „50 Tote - und kein Ergebnis.“ (lni)

Von Peer Körner

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