Minister legt neuen Entwurf für Hundegesetz vor - große Hunde gelten als gefährlich

Ehlen will Maulkorb und Leine

Beißattacke: Zwei Rottweiler fielen im Mai 2009 in Hildesheim zwei Kleinkinder an und verletzten sie schwer. Archivfotos: nh 

Göttingen. Zu sechs Monaten Haft auf Bewährung hat das Amtsgericht Hildesheim gestern die Hundebesitzerin verurteilt, deren Rottweiler im Mai 2009 zwei Kleinkinder schwer verletzt hatten (die HNA berichtete). Das Gericht sprach die vielfach vorbestrafte Frau der fahrlässigen Körperverletzung für schuldig. Sie hätte die Tiere nicht ohne Leine laufen lassen dürfen, sagte Richter Josef Hogreve. Die Halterin beschrieb die Rottweiler in der Verhandlung dagegen als „friedlich und unauffällig“.

Die Beißattacke hatte im vergangenen Jahr eine Diskussion über schärfere Regeln für die Hundehaltung in Niedersachsen ausgelöst. Diese gipfelte in einem Entwurf von Landwirtschaftsminister Hans-Heinrich Ehlen (CDU) für ein schärferes Hundegesetz. Der Entwurf sah unter anderem eine Maulkorb- und Leinenpflicht für alle Hunde vor, die schwerer als 20 Kilogramm oder größer als 40 Zentimeter sind.

Nach massiven Protesten von Hundehaltern und Verbänden zog CDU-Fraktionschef David McAllister vor der Bundestagswahl die Notbremse und legte das umstrittene Papier auf Eis.

Jetzt hat Ehlen einen neuen Entwurf vorgelegt, der im Kern an der umstrittenen Gewichts- und Größenregelung festhält. „Ich lasse nicht locker für ein schärferes Hundegesetz“, sagte der Minister gestern. Eine Sprecherin signalisierte gegenüber der HNA allerdings Verhandlungsbereitschaft, was die genauen Werte angeht, von denen an die Maulkorb- und Leinenpflicht gelten soll. Auf einen obligatorischen Sachkunde-Test für sämtliche Besitzer großer Hunde, die diese frei laufen lassen wollen, verzichtet der Entwurf. „Wer nachweisen kann, dass er seit zwei Jahren einen großen Hund führt, braucht sich keiner Prüfung zu unterziehen“, sagte die Sprecherin. Nur unerfahrene Halter, die einen großen Hund frei laufen lassen wollen, müssten den so genannten Hundeführerschein erwerben.

Der Gesetzentwurf Ehlens sieht außerdem vor, dass alle Hundebesitzer eine Haftpflichtversicherung für ihre Vierbeiner abschließen müssen. Damit erfüllt der Minister eine Forderung der Sozialdemokraten. Außerdem soll künftig jeder Hund mit einem Chip versehen werden, der es den Behörden ermöglichen soll, die Besitzer der Tiere zu identifizieren.

Die Folgen für die von den Rottweilern attackierten Mädchen aus Hildesheim sind nach den Worten von Richter Hogreve „erschreckend“.

Die Kinder hätten Narben zurückbehalten - und panische Angst vor Hunden. KOMMENTAR

Von Peter Ketteritzsch

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