Eier prüfen statt Küken töten

Eintagsküken: Forschung sucht Alternativen zum Schreddern und Vergasen

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Nur die weiblichen Tiere dürfen leben: Männliche Hühnerküken werden gleich nach dem Schlüpfen getötet. Doch es gibt Alternativen.

Jährlich werden in Deutschland 45 Millionen männlicher Küken getötet, weil sie keine Eier legen. Damit könnte 2017 Schluss sein: Ein Gerät kann das Geschlecht der Hühnerembryos schon im Ei erkennen. Doch serienreif ist es noch nicht.

Berlin. Die Uni Leipzig und ihre Partner bekommen vom Bund weitere 1,17 Millionen Euro Fördergeld, um ihr Verfahren weiterzuentwickeln, das die Geschlechtsbestimmung von Küken schon im Ei erlaubt. Bisher wurden bereits etwa zwei Millionen Euro zur Verfügung gestellt.

Wie funktioniert die Kükenauswahl bisher? 

Im Moment werden die Küken in den Brütereien nach dem Schlüpfen von Hand sortiert. Qualifizierte Mitarbeiter können die Geschlechter anhand von Farbe, Federn und körperlichen Merkmalen unterscheiden und sortieren die männlichen Tiere aus, teilt der Zentralverband Deutsche Geflügelwirtschaft mit. Minihennen werden aufgezogen. Männlichen Tiere werden laut Verband vergast, fast ausschließlich mit Kohlendioxid. Auch das Zerkleinern im Häcksler ist erlaubt.

Wie funktioniert das neue Verfahren? 

Statt nach dem Schlüpfen nach 21 Tagen können die Forscher der Universität Leipzig schon nach drei Tagen das Geschlecht im Ei bestimmen. Dazu fräst ein Laser ein Loch von etwa einem Zentimeter Durchmesser in die Kalkhülle. Für die spektroskopische Analyse müsse keine Probe entnommen werden, erklärt die Teamleiterin Prof. Maria Krautwald-Junghanns. Stattdessen werde die molekulare Struktur im Blut sichtbar gemacht, das bei Vögeln DNA-Informationen enthält. Binnen Sekunden wirft die Technik einen Kurvenverlauf aus, der das Geschlecht verrät. Nur die Eier mit weiblichen Küken werden ausgebrütet.

Was ist der größte Unterschied? 

Der Deutsche Tierschutzbund stellt fest, dass Hühner-Embryos nach heutiger Kenntnis erst ab dem zehnten Bruttag Schmerzen empfinden. Die drei Tage alten Embryos spüren bei der Spektroskopie nichts, aber die voll ausgebrüteten Tiere sind beim Schreddern oder Vergasen voll schmerzempfindlich. Die aussortierten, nur kurz bebrüteten Eier können zudem als Proteinlieferanten eingesetzt werden, etwa als Fischfutter.

Wie praxistauglich ist das Verfahren? 

Die Geflügelwirtschaft begrüßt prinzipiell die Methode der Geschlechterbestimmung im Ei. Eine Herausforderung sei die große Öffnung in den Eiern, durch die im Brutprozess mehr Keime in das Ei gelangen könnten. Die Forscher wollen das Verfahren weiter verfeinern, sagte Wissenschaftler Gerald Steiner.

Werden die Eier deshalb teurer? 

Seriöse Abschätzungen zu den Kosten der Geschlechterbestimmung im Ei gibt es laut Branchenverband bisher nicht, da die Automatisierung noch in der Entwicklung ist. Rudolf Preisinger, Geschäftsführer eines führenden deutschen Geflügelzüchters, der mit den Forschern zusammenarbeitet, rechnet mit einem geringen Mehrpreis für die Eier. Er schätzt, dass auf jede Brüterei etwa Mehrkosten von einer halben Million Euro zukommen.

Was ist mit der ausländischen Konkurrenz? 

Geflügelzüchter fordern ebenso wie der Agrarminister europaweite Lösungen. Ein nationaler Alleingang könnte zur Verlagerung der Produktion ins Ausland führen. Die niedersächsische Geflügelwirtschaft fordert laut einem Bericht der Neuen Osnabrücker Zeitung für den Ausstieg aus der Kükentötung Finanzhilfen von Bund und Ländern. Sonst könnten vor allem kleine Brütereien die Anschaffung nicht finanzieren.

Was sagen die Tierschützer? 

Die akzeptieren die neue Technik bestenfalls als Zwischenlösung. Und fordern mehr: Langfristig müsse die Zucht von Hühnern gefördert werden, die erst Eier legen und schließlich Fleisch liefern. Diese Hühner sind robuster und gesünder, legen aber weniger Eier und wiegen weniger als Hochleistungstiere. Die Verbraucher müssten also bereit sein, den Preis für eine tierschutzfreundliche Lösung zu zahlen.

Von Franziska Höhnl und Thomas Lanig, dpa

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