„Unser Star für Bellevue“ - Reaktionen auf den Präsidenten-Rücktritt

Berlin. Bundespräsident Christian Wulff wirft mit sofortiger Wirkung das Handtuch. Damit zieht er die Konsequenzen aus drohenden Ermittlungen der Staatsanwaltschaft. Wir sammeln die Reaktionen.

Video: Das sagen die Kasseler zum Wulff-Rückzug

Zuletzt hatte die Staatsanwaltschaft in Hannover beim Bundestag die Aufhebung der Immunität beantragt, um gegen Wulff wegen Vorteilsnahme und -gewährung ermitteln zu können.

In ihrer kurzen Ansprache kündigte die Kanzlerin an, dass der nächste Kandidat für das oberste Amt im Staat überparteilich gefunden werden soll.

Ihre Meinung?

Was meinen Sie zum Rücktritt Christian Wulffs? Wer sollte sein Nachfolger werden? Sagen Sie uns Ihre Meinung auf unserer Facebook-Seite.

Unterdessen bestätigte Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU), dass der Antrag der Staatsanwaltschaft Hannover auf Aufhebung der Immunität von Wulff beim Bundestag eingegangen sei. Dieser muss nun allerdings nicht mehr darüber entscheiden.

Ministerpräsident Volker Bouffier hat den Rücktritt von Bundespräsident Christian Wulff „mit Respekt zur Kenntnis genommen“. Wulffs Entscheidung sei nachvollziehbar, erklärte der stellvertretende CDU-Bundesvorsitzende.

Der hessische FDP-Vorsitzende Jörg-Uwe Hahn hat den Rücktritt unterdessen als bedauerlich, aber dringend notwendig bezeichnet. „Es war eine tragische Entwicklung - sie hat heute das notwendige Ende genommen“, sagte Hahn am Freitag.

Der hessische SPD-Vorsitzende Thorsten Schäfer-Gümbel sprach von einem „absolut notwendigen Schritt“.

Reaktionen: Das wird getwittert

NusquamNusquam: Frage an #SPD und #CDU: Ob wir wohl als Nachfolger wieder so einen peinlichen Polit-Aparatschik bekommen? #Wulff

Jede Wette, #Wulff geht! Ist auch #untragbar. Aber schlimmer ist der potentielle Nachfolger #Töpfer? #Resterampe für Politiker?

@Mischa1: Wollte gerade etwas mit #Wulff und Nachfolger tweeten dann ist mir aufgefallen das es mir tatsächlich egal ist.

Mehr: Was aktuell auf Twitter passiert, können Sie hier lesen.

Das sagen unsere Fans auf Facebook:

Tanja K.: Seine Ansprache zeigte noch einmal, dass er nicht nur überflüssig, sondern auch schädlich ist.

Jörg D.: Die Ansprache war einfach nur lächerlich .. er hat nix verstanden, bzw ist ja der Meinung er ist nicht schuld! ...einfach nur lächerlich der Mann.

Julia S.: Armer Kerl, bei so manchen Aussagen hier könnt ich nur mitm Kopf schütteln.

Jasmin T.: Am Besten wir schaffen das Amt ganz ab wenn wir eh jeden Präsidenten vergraulen weil die so schrecklich menschlich sind.

Jochen K.: Horst Köhler war übrigens ein ehrenwerter Bundespräsident wie alle BP`s vorher. Und was wurde mit ihm veranstaltet? Er passte halt nicht ins Licht der Sozis, weil sie ihn nicht stellen konnten. Und so geht es weiter mit allen BP`s. Nach und nach.Wie schon oben erwähnt: Peinlich für unser Land! Aber es ist wichtig: Rettet Griechenland!

Kathrin-Marie B.: (...) Die Reissleine hätte er schon selbst ziehen müssen.

Bettina K.: Hoffentlich bleibt er, immer das selbe, jeder macht mal Fehler!!

Katja S.: Wenn er noch eienn Funken Anstand besitzt muss heute der Rücktritt erfolgen. Alles ander ist nicht vertretbar. Der Rücktritt ist überfällig, ich kann mir nicht vorstellen, dass Frau Merkel ihm noch weiterhin den Rücken stärkt, sonst dürfte sie sich als nächstes Gedanken über den Rückzug machen. Sie hatte ja mit Sicherheit ihre Gründe dafür ;)

Das Netz reagierte schnell auf den Rücktritt - so war etwa der Wikipedia-Eintrag von Christian Wulff innerhalb von wenigen Sekunden auf dem aktuellen Stand.

Auch Politiker meldeten sich zu Wort - via Twitter. So schrieb der hessische SPD-Chef Thorsten Schäfer-Gümbel: "#Wulff Jetzt sind alle gefordert, die richtigen Konsequenzen zu ziehen. Dies gilt fuer die Nachfolge wie fuer Transparenzregeln."

Das waren unsere Bundespräsidenten:

Welcher Präsident hat wie lang amtiert? All das finden Sie in dieser Grafik.

Der Rücktritt von Christian Wulff ist aber auch auf Facebook ein großes Thema – etwa in der Gruppe „Joachim Gauck als Bundespräsident“, die sich vor der letzten Bundespräsidentenwahl gegründet hatte.

So schreibt Christoph G.: „Scheinbar geht es in die zweite Runde... nun denn... wenn am Schluss endlich der richtige Bundespräsident steht, warum nicht?!“ Auch in anderen Beiträgen wurde auf der Seite, die bis heute mehr als 26.000 Mitglieder hat, die Nachfolgediskussion intensiv geführt.

Auffallend still blieb es hingegen auf der offiziellen Facebook-Seite des Bundespräsidenten. Der letzte offizielle Beitrag behandelt - wie auch seine Homepage - noch Wulffs Reise nach Italien. Dies hinderte die Nutzer jedoch nicht daran, den Bundespräsidenten anzusprechen. Sachlich formulierte es Thomas P.: Endlich haben sie das getan, was Sie schon lange hätten tu sollen!". Doch auch auf der offiziellen Seite verbreitete sich unzensiert der Spott. Wie etwa von Holger G., der schrieb: "Ausgewulfft, jetzt wird gehartzt."

Halb so viele Beiträge wie die offizielle Facebook-Seite des Bundespräsidenten hat die Gruppe "Rücktritt jetzt!" - mehr als 13.000. Auch hier prasseln im Moment im Sekundentakt die Beiträge ein. Zwischenzeitlich hatten die User sogar einen eigenen Online-Banner entworfen, den andere Nutzer auf ihrer Facebook-Pinnwand verwenden konnten. Aufschrift "Diese Person fordert Wulff zum Rücktritt auf!"

Auf Twitter Nachrichten im Sekundentakt

„Unser Star für Bellevue“ – dieses Stichwort war nach dem Rücktritt schnell die humorvolle Antwort der Twitter-Gemeinde auf die Nachfolgediskussion. Es war eine Anlehnung an die am Donnerstag zu Ende gegangene Castingshow „Unser Star für Baku“, die einen Kandidaten für den Eurovision Song Contest in Aserbaidschan suchte. DoeKid schrieb: „Wird bestimmt Hammer. Let’s vote online who will be the next president.“ Und ein weiterer User schrieb: „Stefan Raab ist nun am Zug."

Wie stark die Menschen das Thema Wulff bewegte, zeigte sich auch in den Twitter-Themen des Tages, den sogenannten Trending Topics. Hier belegte Wulff die ersten zehn Plätze – mit Stichworten wie Wulff, Rücktritt, Seehofer, Italien-Reise, Merkel und Ehrensold. Zunehmend und schon nach kurzer Zeit ging auf allen Plattformen der Blick nach vorne - und Twitter-Stichworte wie "Kandidaten" gewannen an Bedeutung. (tat/rpp)

So sieht es die internationale Presse

Screenshot der Times

In der internationalen Presse wird der Rücktritt Wulffs als Schwächung der Kanzlerin gewertet. Die New York Times zitiert den Bonnern Politik-Professor Tilman Mayer mit den Worten: "Das (ganze) ist der Anfang eines neuen Kapitels in der Geschichte der Bundesrepublik." Die Times berichtet bisher nur unter den Rücktritt: Skandal zwingt deutschen Präsidenten das Amt niederzulegen. Auch die französische Le Monde vermeldet den Rücktritt Wulffs als Topthema in ihrer Europa-Rubrik.

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