Firma nimmt sinkende Gewinne in Kauf

Einbecker Saatguthersteller KWS baut das Geschäft aus

Arbeit für Geduldige: Pflanzenzucht ist ein langwieriges Geschäft. Das Foto zeigt kleine Zuckerrübenpflanzen. Foto: KWS

Einbeck / Frankfurt. Der niedersächsische Saatgutzüchter KWS investiert mehr und verdient deshalb weniger. Von diesem Kurs profitiert nicht zuletzt der Stammsitz Einbeck (Kreis Northeim): In diesem und dem kommenden Geschäftsjahr sollen insgesamt 14 Millionen Euro in die Erweiterung von Gebäuden und Laboren fließen, kündigte Finanzvorstand Eva Kienle gestern im Rahmen der Bilanzvorlage in Frankfurt an.

Damit verbunden seien 100 neue Arbeitsplätze am Stammsitz. KWS beschäftigt dort 1674 Mitarbeiter. In einigen Jahren sei zudem der Bau einer neuen Aufbereitungsanlage für Zuckerrübensaat geplant – eine Investition von etwa 30 Mio. Euro.

Der Ausbau des Geschäfts hat seinen Preis: Trotz eines Umsatzanstiegs um 2,7 Prozent auf 1,17 Milliarden Euro im Geschäftsjahr 2013/14 (30. Juni) verdiente KWS vor Zinsen und Steuern 138,4 Millionen Euro und damit neun Prozent weniger als vor Jahresfrist. Auch für das laufende Geschäftsjahr stimmt das Unternehmen seine Aktionäre auf mäßige Gewinne und steigende Investitionen ein. Voraussichtlich rund 100 Millionen Euro will KWS ausgeben. Schwerpunkte sind die Erweiterung der Saatgutproduktion und ein Forschungszentrum in St. Louis (USA). Der Umsatz soll um fünf bis zehn Prozent klettern. Mindestens zehn Prozent davon sollen als Ergebnis vor Zinsen und Steuern übrig bleiben. Im abgelaufenen Geschäftsjahr lag diese so genannte Ebit-Marge bei 11,8 Prozent.

Von 100 Euro, die KWS mit Saatgut für Zuckerrüben, Mais, Raps oder Getreide umsetzt, fließen zehn bis 15 Euro in Forschung und Entwicklung. Und genau dabei soll es bleiben. Neue Pflanzensorten zu züchten, ist ein langwieriges Geschäft. „Da kann man nicht schnell ein- und aussteigen“, sagt Kienle – zumal neue Sorten nur zur Vermarktung zugelassen werden, wenn sie wesentlich bessere Eigenschaften haben als ihre Vorgänger. Die meiste Arbeit macht zwar die Entwicklung neuer Sorten aus, aber KWS will daneben die Grundlagenforschung stärken, die sich im weitesten Sinne mit Eingriffen in das Erbgut von Rübe und Co. beschäftigt. Die Technik, Gene einer Pflanzenart in eine andere einzubauen, werde inzwischen sicher beherrscht, sagt Kienle. Nun stellen sich grundsätzlichere Fragen – etwa ob die Gene ihre Eigenschaften in ihrer neuen Umgebung behalten. Ein Beispiel: Das Erbgut, das einen Kaktus in der trockenen Wüste überleben lässt, kann seine Wirkung verlieren, wenn es in Weizen transportiert wird.

Genpflanzen tragen 34 Prozent zum Gruppenumsatz von KWS bei. Die großen Märkte liegen in Nord- und Südamerika, wo fast ausschließlich genveränderte Mais- und Sojasorten sprießen. In Europa bietet sich ihnen kein Feld für den Anbau. Doch auf einem Umweg sind die Pflanzen trotzdem hier angekommen: „Fast die gesamte europäische Tierproduktion lebt von gentechnisch verändertem Soja“, heißt es bei KWS.

Von Barbara Will

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