Spardiktat bedroht Wiederaufbau von Frankfurts Altstadt – Stadthaus auf Streichliste?

„Eine Baulücke wäre fatal“

Frankfurt. Die Grundsteinlegung für den Wiederaufbau ist gerade einmal drei Wochen her, da droht dem Projekt schon Ungemach: Eine von Kämmerer Uwe Becker (CDU) angeführte Haushaltskommission empfiehlt der schwarz-grünen Koalition im Römer, das geplante Stadthaus auf die Streichliste zu setzen.

Oder das Projekt zumindest zu verschieben. Denn auch Frankfurt muss sparen.Nur: Das Stadthaus zwischen der Kunsthalle Schirn und den geplanten Rekonstruktionen berühmter Fachwerkbauten wie der „Goldenen Waage“ und dem „Roten Haus“ ist nicht einfach ein entbehrliches Gebäude mit einem schönen Veranstaltungssaal. „Stadtplanerisch wäre sein Wegfall eine Katatstrophe“, sagte der Geschäftsführer der stadteigenen Dom-Römer GmbH, Michael Guntersdorf unserer Zeitung.

Technische Funktionen

Das Stadthaus soll gleich mehrere wichtige Funktionen erfüllen: So sind dort für die Gastronomie der „Goldenen Waage“ wichtige Nebenräume geplant, ferner die Erschließung der Römer-Tiefgarage sowie Zu- und Abluftschächte. „Das alles muss ohnehin gebaut werden“, sagt Guntersdorf. Von den 16 Mio. Euro, die das Stadthaus kosten soll, sei allenfalls die Hälfte einzusparen. Das könne man auch durch Veränderungen am Gesamtprojekt erreichen, die weniger ins Gewicht fielen: „Eine Baulücke wäre fatal.“ Auch der Vorsitzende des Gestaltungsbeirats, der renommierte Frankfurter Architekt Christoph Mäckler, ist entsetzt, „dass die Politik die Experten nicht vorher gefragt hat. Wenn das Stadthaus fehlt, dann sind die Rekonstruktionen wie eine Filmkulisse.“

Denn diese Häuser haben keine rückwärtigen Fassaden - dort war auch vor der Zerstörung 1944 alles bebaut. „Kulissen wären genau das, was die Politik nicht wollte. Man kann ein Projekt nicht stoppen, wenn die Bagger schon rollen“.

Mäckler fürchtet nicht nur das Hohngelächter der Fachwelt über die dann sichtbaren Brandmauern; auch die Käufer für die 35 geplanten Häuser könnten angesichts der unsicheren Perspektive abspringen. „Fassaden zu erfinden, wäre ein Sakrileg“, sagt Guntersdorf, „da würden wir die Büchse der Pandora öffnen und unser Konzept kaputt machen.“

Zudem soll das Stadthaus über dem Archäologischen Garten entstehen. Dort kann man ohne nennenswerte Anleitung die Mauern aus 2000 Jahren Stadtgeschichte besichtigen. Mit der Überdachung würde auch das Museumsprojekt endlich optimiert. „Nachträglich zu bauen ist schon allein wegen der Logistik sehr viel schwieriger“, meint Guntersdorf. Ganz hat er die Hoffnung noch nicht aufgegeben. Die Stadtverordneten hätten „wohl noch einen gewissen Aufklärungsbedarf.“

Von Petra Wettlaufer-Pohl

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