Student im Seniorenstift: Von seinem Schreibtisch aus schaut Stefan Briese über Geismar

Eine Bleibe mit Komfort

Wohnen für Hilfe: Stefan Briese, der im ersten Semester Medizin studiert, wohnt im Seniorenstift und reduziert seine Miete durch Arbeitsstunden. Foto: shx

göttingen. Die Suche nach einer schönen und gleichzeitig günstigen Bleibe ist für Studenten in Göttingen alles andere als einfach. Stefan Briese ist das Kunststück gelungen. Allerdings ist die Adresse seiner Traumwohnung ungewöhnlich: Denn der 20-Jährige wohnt im Seniorenstift der Gemeinschaft Deutsche Altenhilfe (GDA).

Die Nachbarn des Medizinstudenten sind zumeist deutlich über 80 Jahre alt. Nächtliche Feten oder laute Musik sind also nicht angesagt. Aber das stört Stefan Briese nicht. „Dafür habe ich in der 8. Etage einen tollen Ausblick über die Dächer von Geismar.“ 26 Quadratmeter ist sein Appartement mit Kochnische und Bad groß. „Das ist mehr als ich in einem Studentenwohnheim bekommen hätte.“ Und günstiger, denn ein Nebenjob gehört quasi zum Mietvertrag.

Wohnen für Hilfe

„Wohnen für Hilfe“ heißt das Pilotprojekt, mit dem das Studentenwerk und die GDA etwas gegen die Wohnungsnot der Studierenden in Göttingen tun wollen. Durch einen Zeitungsartikel hatte Stefan Briese noch vor Studienbeginn von dem Projekt erfahren, bewarb sich und ergatterte einen der beiden Plätze. Knapp vier Monate lebt er inzwischen im Wohnstift und arbeitet an jedem zweiten Wochenende in der Wäscherei und im Service. Auf diese Weise reduziert sich die Warmmiete von 404 Euro um die Hälfte.

Dabei ist der 24-Stunden-Job, der sich problemlos mit dem Stundenplan an der Uni kombinieren lässt, für den 20-Jährigen nicht nur aus finanziellen Gründen interessant. „Ich möchte mit Menschen arbeiten“, erklärt er seine Entscheidung für das Medizin-Studium.“

Während an der Uni vorerst jedoch die Theorie im Vordergrund steht, freuen sich die Bewohner im GDA-Wohnstift über junge Gesichter und Kontakt. Auf dem Weg durch das Haus wird Stefan Briese immer wieder gegrüßt. „Bewohner und Arbeitskollegen haben mich mit offenen Armen aufgenommen“, erzählt er. Zu seinen Aufgaben gehört es, Bewohnern Essen aufs Zimmer zu bringen, Wäsche zu holen und zurückzubringen. „Ich nehme mir viel Zeit für Gespräche“, sagt der Medizinstudent. „Die Bewohner sind sehr aufgeschlossen.“

Auch privat hat er sich bereits verabredet, zum Beispiel zu einem Spaziergang. Im Haus wohnen auch etliche Akademiker und ehemalige Mitarbeiter der Universität. „Es ergeben sich interessante Gespräche, etwa darüber, wie das Studium früher war und wie es heute ist.“

Nach den guten Erfahrungen der ersten Monate kann sich Stefan Briese vorstellen, langfristig im Seniorenstift zu wohnen. „Für mich ist das Projekt ideal, um neben dem Studium mit Menschen zu arbeiten und so wissenschaftliche und soziale Interessen mitein-ander zu verbinden.“

Mehr Informationen zum Projekt „Wohnen für Hilfe“ im Internet unter: www.studentenwerk-goettingen.de oder www.gda.de

Von Kornelia Schmidt-Hagemeyer

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