Politikwissenschaftler Andreas Anter über den Erfolg der AfD

AfD in zwei weiteren Landtagen: „Eine ernste Konkurrenz für alle“

Strahlende Gesichter: AfD-Chef Bernd Lucke (vorn) freut sich bei der Wahlparty seiner Partei in Potsdam über die ersten Hochrechnungen für die Landtagswahlen in Brandenburg und Thüringen. Foto: dpa

Kassel/Erfurt. Die Hochrechnungen am Sonntagabend zu den Landtagswahlen in Thüringen und Brandenburg zeigen, dass die AfD der klare Sieger des Wahlen ist. In beide Parlamente werden die Eurokritiker voraussichtlich mit zweistelligem Ergebnis einziehen. Wir sprachen mit dem Erfurter Politikwissenschaftler Prof. Dr. Andreas Anter über den Erfolg der AfD und dessen Auswirkungen:

Herr Anter, die AfD ist der klare Wahlsieger des Abends. Sowohl in Thüringen als auch in Brandenburg. Was macht die AfD im Osten so erfolgreich? 

Dr. Andreas Anter

Andreas Anter: Hier bestätigt sich ein Trend, der sich schon bei der sächsischen Landtagswahl abgezeichnet hat. Dort war die AfD auch sehr stark und es war zu vermuten, dass sie ihren Erfolg in Thüringen und Brandenburg fortsetzen wird. Ich gehe davon aus, dass sich der Erfolg nicht nur auf die östlichen Bundesländer beschränkt, sondern künftig auch im Westen wiederholen wird. Für Wähler ist sie attraktiv, da sie Themen anspricht, um die sich die etablierten Parteien bisher wenig gekümmert haben, vor allem die Eurokritik.

Damit könnte die AfD ein neuer potenzieller Koalitionspartner für die CDU sein. Glauben Sie, dass die Union dennoch bei ihrer kritischen Haltung zur AfD bleiben wird?

Zur Person: Dr. Andreas Anter (54) ist seit 2013 Professor für Politikwissenschaft an der Universität Erfurt. Sein Forschungsschwerpunkt ist die Politische Bildung. Anter, in Münster geboren, studierte Politikwissenschaft, Germanistik und Soziologie an den Universitäten in Münster, Freiburg und Hamburg. 2003 habilitierte er sich an der Universität Leipzig. Anter ist verheiratet, Vater zweier Kinder und wohnt in Leipzig.

Anter: Für die CDU ist die AfD in erster Linie eine Konkurrenzpartei, wie auch für alle anderen Parteien. Das zeigen Prognosen zur Wählerabwanderung. Die AfD hat ehemalige Anhänger von allen Parteien für sich gewinnen können. Damit ist sie eine ernste Konkurrenz, wie es auch Kanzlerin Angela Merkel formulierte. In der vergangenen Woche hat sie gesagt, dass die AfD wichtige Themen anspricht und dass es die Aufgabe der CDU ist, darauf neue Antworten zu geben.

Was müsste die AfD jetzt tun, um ihren Erfolg auch über Jahre zu halten?

Anter: Für die AfD stellt sich jetzt die Frage, ob es ihr gelingt, ein Programm zu entwickeln, das zukunftsfähig ist, das sie als dauerhafte Partei etabliert. Die zweite, vielleicht noch wichtigere Frage ist, ob es ihr gelingt, ein Personal aufzustellen, das kompetent und zuverlässig erscheint. Ist das nicht der Fall, wird die AfD ihre Anhängerschaft schnell wieder verlieren.

Neben dem großen Gewinner gibt es auch einen großen Verlierer. Wird sich die FDP nun endgültig verabschieden? 

Anter: Auch hier hat sich ein Trend bestätigt, der abzusehen war. Die FDP hat es nicht verstanden, Antworten auf die Frage zu geben, warum man sie wählen soll. Das heißt, es gibt eine Profilschwäche, die dafür ausschlaggebend ist, dass die FDP so schlecht dasteht. Ich denke, dieser Trend wird sich fortsetzen. Ich glaube aber nicht, dass die FDP sterben wird. Denn es gibt eine klare liberale Klientel, die die FDP auch weiterhin wählen wird. Allerdings wird diese Klientel nicht ausreichen, um über die 5-Prozent-Hürde zu kommen.

Starke Verluste gab es auch für die Linke in Brandenburg, während der Koalitionspartner SPD kaum Verluste zu verzeichnen hat. Woran liegt das? 

Anter: Wenn es zwei Koalitionspartner gibt, die nicht sehr weit auseinander liegen, verliert meist der kleinere Partner. Das haben wir schon häufig bei Wahlen beobachten können. Auch jetzt bei der SPD in Thüringen und in Brandenburg bei der Linkspartei. Die Wähler honorieren offenbar die Arbeit der kleineren Regierungspartei nicht so sehr, wie sie es sich wünschen würde.

Von Daniel Göbel

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