Eine Moschee mit Fitnessraum entsteht in Marburg

Glasfassade, Gebets- und Fitnessraum: Entwurf der Moschee in Marburg, die Ende 2016 fertig sein soll. Rechts im Bild: Dr. Bilal Farouk El-Zayat, Vorsitzender der Islamischen Gemeinde Marburg. Fotos/Grafik: Privat

Marburg. Das Gebäude in Marburg soll Ende 2016 eröffnet werden. Bürgermeister sieht nur wenig Widerstand in Bevölkerung.

In Marburg soll Ende 2016 eine besondere Moschee eröffnet werden: Denn nur ein Fünftel des Gebäudes wird für religiöse Zwecke genutzt. Die restliche Fläche der „Deutschen Moschee“, wie sie genannt wird, kann unter anderem für Veranstaltungen gebucht werden. Daneben soll es auch Studentenapartments und einen Fitnessraum geben. Aber nicht nur dadurch zeichnet sich das Projekt aus, meint die Islamische Gemeinde in Marburg.

Auch der Weg von der Idee bis zur Umsetzung sei besonders: „Wir haben von Anfang an das Gespräch mit Bürgern, Parteien und den Glaubensgemeinschaften gesucht“, sagt Dr. Bilal Farouk El-Zayat, Vorsitzender der Gemeinde. Deshalb gebe es so wenig Gegenwind in Marburg, sagt El-Zayat, der als Oberarzt am Universitätsklinikum in Marburg arbeitet. Kürzlich feierte die Gemeinde, der 100 Mitglieder angehören, Richtfest.

Marburgs Oberbürgermeister Egon Vaupel sieht in der Offenheit der Islamischen Gemeinde und der Einbeziehung vieler Gruppen ebenfalls den Grund, warum der Bau der Moschee in der Universitätsstadt akzeptiert wird. Aber auch daran, dass die Architektur europäisch ist und die Predigten des Imam auf deutsch und nicht auf arabisch gehalten werden, wie er unserer Zeitung sagte.

Egon Vaupel

Beim Entwurf des Gebäudes hat die Gemeinde darauf geachtet, dass dieser die Menschen nicht provoziert. „Wir verzichten auf den Bau von einem großen Minarett“, sagt El-Zayat. Der Gebetsturm sei nur angedeutet worden. Das passe ohnehin gut zu Deutschland. „Das Gebäude ist sachlich, so wie wir in Deutschland nunmal sind“, sagt der Sohn einer Deutschen und eines Ägypters. „Es wird eine deutsche Moschee.“ Diese Lösung ist gut gelungen, findet Marburgs Oberbürgermeister.

Kritik und Gegenwind gebe es natürlich auch: Vor allem in Zeiten der Flüchtlingskrise. Am besten gehe man mit solchen Schreiben aber um, in dem sie ignoriert werden, sagt El-Zayat.

Der Oberarzt und Marburgs Bürgermeister glauben, dass dass die Art der Umsetzung des Baus in Deutschland Vorbild sein kann. Bereits 2007 habe man einen runden Tisch organisiert und mögliche Probleme offen angesprochen. Am Ende stand das Konzept für das 2000 Quadratmeter große Gebäude.

Darin untergebracht sind neben einem 200 Quadratmeter großen Gebetsraum auch eine Bibliothek, Caféteria und ein Feinkostladen. Aus den Mieten der elf Studentenapartments möchte die Gemeinde die laufenden Kosten finanzieren. Kosten des Baus: 2,5 Millionen Euro. Das Geld stammt unter anderem von wohlhabenden Spendern. Öffentliche Zuschüsse gab es laut des Vorsitzenden nicht.

Bei dem Baugrundstück handelt es sich um ein früheres Fabrikgelände in Marburger Zentrum neben der Stadtautobahn. Es wurde ihnen von einem Mitglied der Gemeinde geschenkt.

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